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Visitationsprotokolle von 1790 über eine entscheidende Episode
2. Teil: Beginn der Visitation am 9. März 1790 und wie die Konventualin Wilhelma Iskenius, Tochter des Bürgermeisters von Werl, für dieses Geschehen verantwortlich gemacht werden sollte.
Der erzbischöfliche Commissar Neesen traf am Dienstag, dem 9. März 1790 in Himmelpforten ein, ließ durch die Äbtissin Todt sämtliche Konventualinnen zusammenrufen und verlas ihnen den Erlass des Kurfürsten hinsichtlich der vorzunehmenden Visitation, die er am folgenden Tag mit der Befragung der Nonnen beginnen wollte. Als erste wurde mittwochvormittags am 10. März 1790 die Äbtissin Clementina Todt, die seit 1788 im Amt war, befragt, und zwar über das Wohlverhalten ihrer Untergebenen. Die Äbtissin erklärte, dass sie keine Beschwerden habe, außer gegen Wilhelmina Iskenius. Im Lauf der Befragung stellte sich dann rasch heraus, dass gegen die Iskenius eigentlich nichts Schwerwiegendes vorlag, Ungehorsam und Respektlosigkeit könne man ihr nicht vorwerfen, räumte die Äbtissin auf Nachfrage von Neesen ein.
  Klosteranlage Himmelpforten um 1915 mit Blick vom Kösters Ufer, Niederense. Die alte Brücke ist durch eine Stahlkonstuktion ersetz worden. Bild: aus „Niederense-Himmelpforten und das Kirchspiel Bilme in alten Bildern”, Herausgeber in 1994: Verein für Geschichte und Heimatpflege Niederense-Himmelpforten e. V.
Dann offenbarte sie ihm die eigentliche Ursache für ihren tief sitzenden Groll gegen die Iskenius, die ihr doch bei der Äbtissinnenwahl die Stimme verweigert hatte, weil sie, die Äbtissin, doch angeblich von „schlechten Leuten” stammte. Kleine Fehltritte konnte sie dann ihrer Untergebenen nachweisen, sie fehle gegen die Regeln, indem sie während des Silentiums schwätze und auch andere dazu verleite. Auch mache sie den anderen Geistlichen Vorhaltungen über deren Fehler. Neesen versuchte zu beschwichtigen, indem er darauf hinwies, dass es gutes Recht der Konventualinnen sei, bei der Äbtissinnenwahl auch mit Nein zu stimmen. Er riet ihr, den Vorfall zu vergessen, da er nur menschliche Leidenschaften errege.

Nach der Befragung der Äbtissin begann Neesen mit der der Konventualinnen, die sich über den gesamten Mittwoch und Donnerstag hinzog. Dabei präsentierte er den Nonnen immer denselben Kanon an Fragen, die er aber hinsichtlich Anordnung und Reihenfolge variierte. Ob Einigkeit unter den Schwestern herrsche, wollte er wissen, ob der Klosterobrigkeit mit Respekt und Gehorsam begegnet werde und ob man Klagen vorzubringen habe, z.B. über das Essen und Trinken.

Ein zweites Bündel von Fragen bezog sich auf die Gestaltung des Klosterlebens. Auskunft sollte darüber gegeben werden, wie es mit der Disziplin im Chor bestellt sei, wie viele Konventualinnen nachts an der Messe teilnähmen und schließlich darüber, was man im Chor von der erzbischöflichen Absicht halte, das lateinische Brevier durch ein deutsches zu ersetzen.

Als erste nach der Äbtissin musste sich die Subpriorin der Befragung unterziehen. Sie habe keine Klagen, gab sie zu Protokoll, und es herrsche Liebe und Einigkeit unter den Schwestern mit Ausnahme der Iskenius, die hinter dem Rücken der Oberen herziehe. Als Neesen sie aufforderte, ihre Vorwürfe des Ungehorsams und der Respektlosigkeit zu konkretisieren, musste die Subpriorin passen: Sie wisse es nur vom Hörensagen, könne auch nicht sagen, wer es ihr zugetragen habe. Da ihre Anschuldigungen haltlos waren, musste sie sich schließlich gefallen lassen, von Neesen ermahnt zu werden, sich weiterer Beschuldigungen zu enthalten.

Dass im Vorfeld der Visitation eine klare Absprache getroffen worden sein muss, dem erzbischöflichen Commissarius die Wilhelmine Iskenius als Sündenbock für alles Ungemach im Kloster zu präsentieren, machte auch die Befragung der anderen Konventualinnen deutlich. Auch ihre Vorwürfe waren mehr oder weniger haltlos, bezogen sich auf Vorfälle, die zum Teil schon mehrere Jahre zurücklagen, waren sehr allgemein gehalten oder betrafen mehrheitlich kleine Verstöße und Vergehen, wie sie wohl auch jeder anderen Nonne nachgewiesen werden konnten. So wurde der Iskenius von mehreren Schwestern der Bruch des Silentiums vorgeworfen, ein Vergehen aber, das, wie der Visitator Neesen auf Nachfrage erfuhr, den Hauptanteil aller Verstöße gegen die klösterliche Disziplin ausmachte.

Die Unterküsterin Agnes Riesen stellte fest, die ganze Gemeinde sei halt gegen die Iskenius, weil diese es nicht anders wolle, und dann berichtete sie Neesen, was sie persönlich ihrer Mitschwester nachtrage, nämlich dass diese sie bei der Priorin angeschwärzt habe, weil sie mit zerrissenen Strümpfen herumgelaufen sei.

Die Wilhelmina Iskenius gehe nicht artig mit ihren Mitschwestern und Oberen um und spreche ihnen nach, wusste die Unterkellnerin Josepha Holtgrewe dem Commissarius zunächst zu berichten, musste dann aber einräumen, sie könne nicht sagen, inwiefern die Iskenius ihren Mitschwestern gegenüber unartig sei, es verdrieße nur alle, dass sie unartig gegen die Oberen sei, indem sie ihnen nachspreche, was sie aber nachspreche, könne sie nicht sagen. Die Küsterin Ludgardis Huntum warf ihrer Mitschwester vor, ihr abgeraten zu haben, Profess zu tun, weil im Kloster zu viele Poenitenzen (Strafen) verteilt würden. Neesens direkte Frage, ob die Nonnen sich untereinander abgesprochen hätten, die Iskenius zu beschuldigen, weil diese die Commission angefordert habe, bejahte sie. Man habe untereinander vereinbart, dass, wenn es wegen der Iskenius und ihrer Klage nicht bei den alten Gebräuchen im Kloster bleibe, man die Iskenius bei der Commission verklagen wolle.

Dass durch die Klage der Iskenius ihre alte Ordnung gefährdet sei und dass man deswegen auch die Iskenius verklagen wolle, das war der Kernpunkt in den Aussagen mehrerer Konventualinnen. Die althergebrachte Ordnung, das war in den Augen der Konventualinnen der streng festgelegte Tagesablauf mit dem endlosen Rhythmus von Gottesdienst, Andacht und Gebet, von Essens- und Arbeitszeiten, von Ruhe- und Schlafphasen. Das war die bedingungslose Unterordnung unter die Autorität von Äbtissin und Priorin und die klösterliche Disziplin. Das waren aber auch die kleinen Freiheiten wie die Nutzung des Spielpfennigs, einem frei verfügbaren Taschengeld oder der Spaziergang im Klostergarten. Letztendlich musste die Beibehaltung der alten Ordnung für die Frauen, die den größten Teil ihres Lebens im Kloster zugebracht hatten, eine Sinnfrage sein, von der ihre Existenz und Identität abhing.
Fortsetzung >>
(veröffentlicht: Ausgabe 95/2003)
ense-press by haase-druck
Peter Haase
Rauschenberg 82
59469 Ense-Bremen
Tel.: +49 2938 573
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