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Straßennamen und ein Gasthaus erinnen in Niederense an »Pängel Anton« und an das »Deutsche Wirtschaftswunder«
Straßennamen und ein Gasthaus erinnern in Niederense an »Pängel Anton« und an das »Deutsche Wirtschaftswunder«
von Alois Franz, Ense-Niederense
Obwohl im letzten Jahrhundert die Lokomotiven der Ruhr-Lippe-Kleinbahn (später Ruhr-Lippe-Eisenbahn [RLE]) bis gut 1.750 PS auf die Schienen brachten, so ging es doch nicht schneller als mit 70 bis 80 km/h von Dorf zu Dorf. Oft tuckerte über die Haar der Zug nur im »Schüngeldrapp« (plattdeutsch für schunkeliges und gemütliches Fahrtempo). Dazu ein Zeitzeuge: »Oh jau, de Pängel Anton, dat wör´n gemüetlicken Zug - auk wann ‚Blumenpflücken während der Fahrt verboten’ wör.«
Längst ist der Personen- und Güterverkehr mit Zügen der RLE in unserem Raum Geschichte. Bis 1964 sind in Etappen alle Gleisanlagen, die einmal quer durchs Dorf Niederense über die Haar nach Soest und durchs Möhnetal nach Günne führten, abgebaut worden. Die Straßennamen: Am Bahndamm, Bahnhofstraße und Kleinbahnring erinnern an die Ruhr-Lippe-Kleinbahn sowie das noch existierende Bahnhofsgebäude Himmelpforten (heute Bahnhofstraße 2). Dieses ist jetzt im Privatbesitz der Familie Bauten, die hier seit 1958 ein Gasthaus mit Restaurant führt und das bereits in dritter Generation.
 
Die 1898 errichtete Kleinbahn verband mit einer Schmalspurtrasse (Gleisabstand 1.000 mm) von Arnsberg kommend Niederense mit Soest über die Haltestellen: Haar, Oberense, Volbringen und Sieveringen. Am Bahnhof Östönnen waren darüber hinaus Möglichkeiten zum Umsteigen nach Hamm/Westf. über Werl gegeben. 1908, als der Bau der Möhnetalsperre anstand, kam der Streckenabschnitt Niederense – Günne hinzu. Für die Bauzeit des Viadukts bei Delecke wurde diese Linie sogar bis zur Brückenbaustelle verlängert.
 
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Nach Fertigstellung des Möhnesees ist ab 1913 die Strecke Arnsberg - Niederense mit der dritten Schiene ausgestattet worden, und im Jahr 1914 baute man sogar die 5,7 km lange Bahntrasse Niederense - Sperrmauer auf »Normalspur« (Gleisabstand 1435 mm) um. Jetzt konnte der Personenverkehr von Arnsberg bis zum Möhnesee im vollspurigen Betrieb fahren.
Nach dem 1. Weltkrieg (1914/18) wuchs in den 20er Jahren an Sonn- und Feiertagen der Ausflugsverkehr zum Massenbetrieb. Der Volksmund nannte das: »Eine Bahnfahrt mit dem Möhnegoldzug über Niederense zum See.«
Nach der Währungsreform 1948 (DM ersetzt RM im Verhältnis 1:10) setzte in der BRD das »Deutsche Wirtschaftswunder« eine stürmisch verlaufende Wandlung der Verkehrssituation »Von der Schiene auf die Straße« in Gang. Die Bundesbürger kauften mehr und mehr ihre ersten Pkws, z.B. die Kultautos: VW 1200 De Luxe (VW-Käfer), Lloyd T 250 (Leukoplastbomber), BMW Isetta 250 (Adventsauto), Goggomobil T-250 von der Fa. Hans Glas GmbH, Kabinenroller Messerschmidt-200-Super von Fa. Fend aus Rosenheim, NSU-Prinz usw.
Der Individualverkehr begann und die alte Kleinbahntechnik aus dem 19. Jahrhundert konnte den neuen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden. In dieser Zeit mussten die Personenbeförderung der RLE auf moderne, wirtschaftliche Triebwagen sowie Omnibuslinien verlagert werden und Stückgüter auf Lkws.
   
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Mit Beginn des Winterfahrplans am 5. Oktober 1952 endete der gesamte Personen- und Frachtverkehr auf den Strecken von Soest über Ostönnen nach Niederense und Werl. Der Abbau der Schmalspurgleise erfolgte 1954.
Triebwagen bedienten über die Normalspur den Personenverkehr von Arnsberg nach Niederense noch bis zum 31. Mai 1964 mit Möglichkeiten des Umsteigens auf Busse in Richtung Ostönnen/Werl und Soest. Der Zugverkehr Niederense - Möhnesee-Günne war bereits seit dem 4. Oktober 1953 eingestellt worden. Unmittelbar danach erfolgte der Abbau dieser Bahntrasse.
 
 
Umsteigeverkehr am Bahnhof in Niederense (heute noch Bushaltestelle Niederense-Himmelpforten).
 
Die noch vorhandenen Gleisanlagen von Niederense nach Neheim wurden bis Ende 1964 beseitigt bzw. für die spätere Erneuerung der Landstraße 745 (L 745) mit einer breiteren Fahrbahn zurückgebaut. Im Schienenverkehr beförderte die RLK (später RLE) in der Spitze 1946/47 über 4,1 Mio. Fahrgäste und 1958 nur noch 1,5 Mio. Personen.
Die Niederenser Straßenbezeichnungen »Am Bahndamm«, »Bahnhofstraße« und »Kleinbahnring« sowie das ehemalige Bahnhofsgebäude »Gasthaus Himmelpforten« erinnern an einen Zeitabschnitt, als das Reisen mit der Bahn fortschrittlich und modern war. Aber auch daran, dass viele Bewohner der Haardörfer nun besseren Verdienstmöglichkeiten u. a. in den Fabriken der Nachbarstädte als Berufspendler nachkommen konnten.
Haltestelle Bahnhof »Haar« oberhalb des Kleinbahnrings in Niederense, Haus Nordhaus, Auf der Schanze 11 (ehemalige Bahnhofsgaststätte bis Ende 1954). Foto: 5. Okt. 1952: Familie Nordhaus, Niederense.
 
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Ein Zug quert die untere Poststraße, Niederense, zwischen den Häusern Haushaltsgeschäft Baader sowie Schmöle und fährt in Richtung der heutigen Straße: »Am Bahndamm« und weiter nach Ostönnen über Bahnhof »Haar« sowie den Haltestellen Oberense, Volbringen und Sieveringen.
Vorausgesetzt, es hätte hier in der BRD/West die freie Marktwirtschaft ab 1948 und das Deutsche Wirtschaftswunder nicht gegeben, so stellt sich den geschätzten Leser/-innen doch die Frage: »Würde es dann wohl den nostalgischen Eisenbahnverkehr an der Haar noch geben?« Dazu ein Blick in die ehem. DDR (1945 /89): Die Thüringerwaldbahn von 1880 bedient im Personenverkehr noch heute z. B. die Strecke Gotha - Tabarz.

Der Name »Pängel Anton« oder auch »Pingel Anton« ist ein westfälischer Ausdruck für Dampf betriebene Eisenbahnen. Die Bezeichnung wurde umgangssprachlich meist für Kleinbahnen verwendet. Wobei die Bezeichnung »Anton« als ein Synonymwort für »Lokführer« im weitesten Sinne zu verstehen ist.
 
Dieser musste nach den Betriebsvorschriften wegen unzähliger unbeschrankter Bahnübergänge immer wieder zur Warnung anderer Verkehrsteilnehmer ein Läutewerk in Gang setzen, d. h. permanent eine kleine Glocke anschlagen lassen (plattdeutsch: pangeln, pängeln oder pingeln). Bei der RLE war das auch beim Durchfahren der innerörtlichen Bereiche und beim Rangieren Pflicht. So entstand auch die Bezeichnung »Bimmelbahn«.
(Alois Franz)

Quellen: Bildband: »In der Heimat fest verwurzelt«, 1980 -Westfälische Verkehrsgesellschaft mbH, Münster; Plattdeutsches Wörterbuch: Pilkmann-Pohl, 2. Aufl. 1988; Jahrbuch Westfalen 2010: »Pängelanton«, Otto Pötter, S. 237; Heimatzeitung-Nr. 26/1998: »100 Jahre Ruhr-Lippe-Kleinbahn«, S. 3, Heimatverein Niederense-Himmelpforten.
 
Veröffentlicht in der Ausgabe-Nr.: 120, Ostern 2010, Seiten 8 und 9.
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1217 Drüggelte | Ein Kreuzzug beginnt
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Kölner Erzbischof Engelbert von Berg † 07.11.1225
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Adolf von Hatzfeld
Vorstenburg auf Richters Köpfchen über dem Ruhrtal
Die Not in der Zivilbevölkerung im 1. Weltkrieg 1914/18
Soester Fehde, Teil 2/2
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1813 - Kosaken auf der Haar
Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 2 von 2
Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 1 von 2
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Napoleons Russland-Feldzug, Teil 1, Vormarsch u. Eroberungen
Kalenderreform 1582
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