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Kalenderreform durch Gregor XIII. vor 430 Jahren
von Dr. Bernd Kirschbaum, Ense-Niederense
Es vergeht kaum ein Tag, an dem wir uns nicht mit ihm beschäftigen - mit dem Kalender. Kaum jemand macht sich Gedanken darüber, was dahinter steckt. Blicken wir zurück:

Rom, 24. Februar 1582:

Der Papst Gregor XIII., mit bürgerlichem Namen Ugo Boncompagni (*7. Januar 1502 in Bologna; †10. April 1585 in Rom), Papst von 1572 bis 1585, ändert durch die Bulle »Inter Gravissimas« den seit 46 vor Christus gültigen Kalender, der seinerzeit durch Julius Caesar in dessen Eigenschaft als Pontifex Maximus – Oberster Brückenbauer – eingeführt wurde. Diesen Titel führt mittlerweile der jeweilige Papst in Rom.

Was war der Grund für Kalenderreform? Zunächst einmal führt die Erde drei Bewegungen im Weltall aus:

1. Die Erde dreht sich um sich selbst, was etwa 24 Stunden dauert, denn die Geschwindigkeit ist innerhalb eines Jahres auch nicht gleichbleibend, bis sie die gleiche Position im Bezug auf die Sonne wieder erreicht. Diese Bewegung interessiert hier nur insoweit als eine Kalenderkorrektur nur in ganzen Tagen vorgenommen werden kann.
2. Die Erde dreht sich um die Sonne, und es dauert mehr als 365 Tage (astronomisches Jahr), bis sie die gleiche Stelle
wieder erreicht hat (Jahreslänge - siehe Tabelle). Um diese Bewegung wird es in den folgenden Ausführungen vordring-
lich gehen.
3. Durch die Schrägstellung der Erdachse um ca. 23° wird eine weitere Bewegung ausgeführt, die aber hier nicht weiter betrachtet werden soll.

Im Folgenden werde ich mich auf den nach Julius Caesar benannten »Julianischen Kalender« beschränken und sein Verhältnis zum »Gregorianischen« versuchen genauer darzustellen.
Julius Cäsar greift ein.

Das alte republikanische Rom zählte nach der Gründung der Stadt (nach Gründung der Stadt = lat.: ab urbe condita = a.u.c.) nach einem kombinierten Mond-Sonnenkalender, der im ganzen Mittelmeerraum verbreitet war. Das Jahr mit 355 Tagen begann am 1. März, es gab 12 Monate von verschiedener Länge zu 29, 30 oder 31 Tagen, die an den Mondzyklus angelehnt waren, und alle drei Jahre musste, um die Differenz zum Sonnenjahr auszugleichen, ein Schaltmonat eingefügt werden, denn ein Umlauf des Mondes um die Erde dauert etwa 29 Tage, 12 Stunden. Für ein Mondjahr von 12 Monaten ergibt sich damit eine Summe von 354 oder 355 Tagen. Das Sonnenjahr aber, also der Zeitraum von einer Frühjahrs-Tag-Nacht-Gleiche zur nächsten, dauert 365 Tage, 5 Stunden, 48 Minuten und 46 Sekunden (siehe Tabelle). Somit ist das Sonnenjahr rund 11 Tage länger als das Mondjahr.
Dieser Kalender war zu Cäsars Zeiten restlos durcheinandergeraten, so dass der Konsul beschloss, die Zählung innerhalb des Jahres zu reformieren und gleichzeitig den Jahresbeginn auf den 1. Januar (seit 153 v. Chr.; davor: 1. März) beizubehalten. So kam es zum »Verworrenen Jahr« 46 v. Chr., Caesar schob in diesem, seinem 3. Jahr als Konsul, d. i. 708 a. u. c. = 46 v. Chr., zwei außerordentliche Schaltmonate von zusammen 67 Tagen zwischen den November und den Dezember und außerdem den gewöhnlichen Februar-Schaltmonat von 23 Tagen ein, so dass dieses Jahr (statt vorher 355 Tage) mit 445 Tagen eine außerordentliche Länge aufwies. Er ordnete an, dass auf drei Jahre ein Schaltjahr mit einem zusätzlichen Tag zu folgen habe, damit hatte der vierjährige Zyklus 1.461 Tage und die durchschnittliche Länge eines Jahres betrug 365 d + 6 h, was eine gute Annäherung an den astronomischen Wert darstellte (siehe Tabelle). Die alten Monatsbezeichnungen blieben bis auf zwei erhalten. Allerdings ergab die noch vorhandene Abweichung von + 674 sec. pro Jahr, d. h.., in 128 Jahren einen Tag zu viel.

Was hatte also den Papst zu seiner Bulle veranlasst?

Da müssen wir zunächst noch einmal eine wichtige Bedingung genauer betrachten. Das Jahr hat bestimmte Eckpunkte, der wichtigste ist der Zeitpunkt der Tag- und Nachtgleiche im Frühjahr (zwischen dem 19. und 21. März, variiert, in der Regel am 21. März), der Frühlingsbeginn, von dem aus der Ostertermin berechnet wird, nämlich als 1. Sonntag nach dem 1. Frühlingsvollmond. Von da aus ergeben sich alle beweglichen kirchlichen Feiertage vom Aschermittwoch angefangen über Karfreitag, Christi Himmelfahrt und Pfingsten bis zum x. Sonntag nach Pfingsten, der dem 1. Adventssonntag voraufgeht.

Die knapp 12 Minuten zu viel, die der julianische Kalender aufweist, hatten sich so weit angesammelt, dass der Frühlingspunkt vom Kalender her immer früher als eigentlich vorgesehen, also nicht mehr am 21. März, wie es eigentlich sein sollte, stattfand. Die anderen Eckpunkte verrutschten demnach ebenfalls. Als Beispiel sei eine Abbildung angeführt, die einen handgeschriebenen Kalender aus dem Jahre 1468 für das Jahr 1469 zeigt. Hier ist die Wintersonnenwende am 16. Dezember vermerkt: »hier ist d(er) tag am kürtzste(n).« (vgl. Abbildung 1). Der julianische Kalender war immer wieder gerade wegen des sich addierenden Fehlers kritisiert worden, deshalb hatte es längere Verhandlungen und umfangreiche Überlegungen gegeben, wie man die Korrektur bewerkstelligen könnte. Das Ergebnis war die Bulle des Papstes Gregor XIII. »Inter Gravissimas« vom 24. Februar 1582. Sie verfolgte im Wesentlichen zwei Ziele:

1. Um den Tag der Frühjahrs Tag- und Nachtgleiche wieder auf den 21. März zu legen, wie das vom Konzil von Nicaea im Jahre 325 angeblich beschlossen worden sei, wurde festgelegt, dass auf den 4. Oktober gleich der 15. Oktober 1582 folgen sollte. Daraus ergab sich eine umfassende Neuberechnung der Ostertermine.

2. Schalttage sollte es wie bisher geben allerdings mit einer Änderung. Die vollen hunderter Jahre, also 1700, 1800, 1900, 2100, 2200, 2300 usw. deren Zahlenwert nicht durch 400 teilbar ist, sollen keine Schaltjahre sein, sondern nur diejenigen, deren Zahl auch durch 400 teilbar sind, also 1600, 2000, 2400 usw. Der Berechnungs-Zyklus war also auf 400
Jahre erweitert worden und ergab damit eine Differenz von
+26 sec. pro Jahr oder in 400 Jahren weniger als +3 Stunden. Das war also schon ziemlich genau. Der Zyklus als Bemessungsgrundlage wurde also auf 146.097 Tage erweitert.

Umsetzung des neuen Kalenders

Die orthodoxe Kirche lehnte diese Reform entschieden ab, man wolle sich schließlich nicht dem Papst unterwerfen. Deswegen wird dort heute noch immer kirchlich nach dem alten julianischen Kalender gezählt. Deshalb fand ja auch die »Oktoberrevolution« in Russland nach dem heute gebräuchlichen, gregorianischen Kalender im November und nicht im Oktober statt. Denn in der Nacht zum 25. Oktober nach julianischer, d. h., am 7. November 1917 gregorianischer Zählung begann der Aufstand, als der Kreuzer »Aurora« einen Platzpatronenschuss aus einer Bugkanone abfeuerte. Ein aktuelles Beispiel: Der 30. April 2012 nach gregorianischer war erst der 17. April nach julianischer Zählung.

Der neue Kalender wurde in Italien, Spanien, Portugal und Frankreich sehr schnell umgesetzt, in Deutschland gab es vor allem in den protestantisch geprägten Gebieten z. T. energischen Widerstand, allerdings führten die protestantischen Niederlande ihn vom 1. bis 12. Januar 1583 ein, während England zunächst bei der alten Zählung verblieb. Die englischen Kolonien in Amerika haben aber offensichtlich den neuen Kalender benutzt.
In Deutschland ließ man sich Zeit. Kaiser Rudolf II. schrieb an die einzelnen Fürsten und auch an die Reichsstädte, an Köln z. B. unter dem Datum »Wien, 4. September«. Aus diesem Schreiben geht hervor, dass der Kaiser besorgt war über die Tatsache, möglicherweise zwei verschiedene Kalender in seinem Reich zu haben, und drängt deshalb auf Einführung der neuen Zählung.

Der Rat der Freien und Reichs-Stadt Köln handelte relativ schnell. Im Oktober war die Korrektur kaum möglich wegen der Gedenktage für die heilige Ursula und die 11 000 Jungfrauen (21. Oktober) und dem Gedenktag des heiligen Severin (23. Oktober). Beide Tage zogen Pilger an, und eine Verlegung wäre nur sehr schlecht möglich gewesen. So blieb der November, und deshalb erschien ein Ratsedikt am 28. Oktober 1583, in dem angeordnet wurde, der »... (Nouember) hat diß mal 20. Tage«. Nun war das nicht so einfach umzusetzen: den 1. November, das Fest Allerheiligen, konnte man nicht ausfallen lassen, ebenso wenig den Allerseelentag am 2., also ließ man auf Mittwoch, den 2., gleich Sonntag, den 13. November, folgen. Da waren aber nun die Gedenktage einiger wichtiger Heiliger ausgefallen, unter anderem der 11. 11., der Tag des Heiligen Martin, der ein wichtiger Termin für Zahlungen jeglicher Art und Beschäftigungsverhältnisse war. Weiterhin waren die Gedenktage für z. B. Kunibert, Erzbischof von Köln, (Fest am 12. Nov.) oder auch für Hubertus (Fest am 3. Nov.) usw. betroffen. Aber der weise Rat der Stadt Köln wusste sich zu helfen. So geht aus dem gedruckten Edikt hervor, dass das Fest des Heiligen Martin am 13. November zu feiern sei, Kunibert sei am 14., Brictius am 15., Hubertus am 16., das Fest der 4 Gekrönten am 17. und Sankt Theodor am 18. November zu feiern. Der 11. 11. fiel also auf den 13!!!

Das Fest des Lokalheiligen Engelbert, der auf dem Rückweg von Soest am 7. November 1225 erschlagen worden war, wurde ersatzlos gestrichen. Das Erzstift, das ja ein eigenes Territorium darstellte, soll nach verschiedenen Veröffentlichungen gleichzeitig den gregorianischen Kalender eingeführt haben, das Herzogtum Westfalen aber, zu dem unsere Region gehörte, führt den Kalender erst 1584 ein, indem auf den 20. Juni gleich der 1. Juli folgte, wie das Tagebuch eines der prominentsten Einwohner des heutigen Ense, Kaspar von Fürstenberg, bestätigt.

Die verschiedenen Territorien des Reiches führten nach und nach den neuen Kalender ein. Zur Unterscheidung der Zählungen vermerkte man häufig hinter dem Datum a. st. (= antiquo stilo, lat. d. h. nach alter Zählweise / julianisch) oder ein n. st. (= novo stilo, lat. d. h. nach neuer Zählweise / gregorianisch), aber nicht immer wurde diese Zusatzinformation gegeben, also muss man bei chronikalischen Angaben nach 1582 sehr vorsichtig sein, denn erst allmählich setzte sich diese neue, und heute gebräuchliche Kalenderzählung durch. Die Umstellung auf den gregorianischen Kalender erfolgte z. B. in Ostfriesland erst im Jahre 1700, dem 18. Februar schloss sich gleich der 1. März an, 11 Tage (nach julianischer Rechnung) waren ausgefallen, denn 1700 war nach gregorianischer Zählung kein Schaltjahr. Gleiches Datum gilt für die Änderung in den protestantischen Kantonen der Schweiz und auch Dänemark; Großbritannien vollzog vom 2. September 1752 auf den 14. September 1752, Schweden vom 17. Februar 1753 zum 1. März 1753 die Änderung; die christlich - orthodoxen Länder auf dem Balkan blieben bei dem alten Kalender bis in die 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, Russland bis 1918, Griechenland bis 1923 und Rumänien gar bis 1924.

Der noch enthaltene Fehler in der Berechnung, die der Änderung durch den Papst Gregor zu Grunde lag, wird sich erst nach 3.323 Jahren - von 1582 an gerechnet - zu einem ganzen Tag aufaddiert haben. Das wird nach überschlagsmäßiger Rechnung in 2.893 Jahren, im Jahre 4095 also sein. Das ist noch nicht sehr virulent. Da werden wir dann einen Tag ausfallen lassen, die Entscheidung, welcher das sein soll, drängt noch nicht.

Seit dem 1. Juli 1584 zählen die Einwohner des ehemaligen Herzogtums Westfalen nach dem gregorianischen Kalender.
Dr. Bernd Kirschbaum, Ense-Niederense
veröffentlicht im Heft 129 / Sommer 2012, Seiten 10 und 11
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