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1633 Höhepunkt des 30jährigen Kriegs
von Dr. Bernd Kirschbaum
Der Erbfolgekrieg

1609 brach nach dem Tode des letzten, kinderlosen und geisteskranken Herzogs Johann Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg, der sog. Jülich-Klevische Erbfolgekrieg zwischen Johann Sigismund von Brandenburg und Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg aus. Die Stadt Soest geriet mit in den Strudel und wurde 1609 als Teil des klevischen Erbes Brandenburg zugeteilt. 1610 gab es die ersten bewaffneten Auseinandersetzungen rund um Soest, und am 8. April 1616 wurde die Stadt durch spanische Truppen von Osten her beschossen und zum ersten Mal eingenommen.

1618 Der Dreißigjährige Krieg beginnt

Im Jahre 1618, dem Beginn des Krieges, erschien am Himmel ein Komet, der allgemein als ein Vorzeichen für ein Unheil angesehen wurde. In unserer Gegend blieb es noch ruhig, aber die beiden auf der Burg Waterlappe bei Bremen geborenen prominenten Brüder, der Landdroste (seit 1613) Caspar von Fürstenberg (*11.11.1545; †5.3.1618) und sein Bruder Dietrich (*7.10.1546; †4.12.1618), der Fürstbischof (seit 5.6.1585) von Paderborn, starben. Der Nachfolger im Amt des Fürstbischofs von Paderborn wurde Ferdinand von Bayern (*6.10.1577; †13.9.1650 Schloss Arnsberg), der schon Erzbischof von Köln und außerdem noch Bischof von Hildesheim, Lüttich und Münster war.
 
1622 Die Schlacht bei Bilme, Meiningsen und Ampen

Im Februar des Jahres 1619 fiel in Soest ein Meteorit in einen Teich und verglühte mit lautem Zischen. In Arnsberg zerstörte eine ungeheure Flut die Jägerbrücke, wobei die Witwe des Herrn von Landsberg auf Schloss Wocklum bei Balve mitsamt ihrer Kutsche und den Pferden mitgerissen wurde. In der Börde erschienen am 7. März die ersten Kompanien Söldner, verschwanden wieder und kamen im April zurück. Ende des Jahres 1621 nahm die Spannung zu. Christian Herzog von Braunschweig-Lüneburg (*20.9.1599; †16.6.1626; auch der „Tolle Christian“ oder der »Tolle Halberstädter« genannt), der zum Bischof von Halberstadt bereits bestimmt, aber noch nicht bestätigt worden war, zog mit seiner Streitmacht nach Westfalen. Am 2. Januar 1622 gelang es seiner Reiterei wegen der zugefrorenen Festungsgräben Lippstadt zu erobern, das seine wichtigste Basis für die folgenden Plünderungen werden sollte. Seine Söldner erschienen mit ihren Brandbriefen auch vor Werl und Soest, das ihn zunächst mit Zahlung von 4.000 Talern beschwichtigen konnte. Gleichwohl änderte er seine Meinung und erschien eine Woche später mit mehreren Tausend Mann vor der Stadt Soest, begann sie am 22. Januar zu beschießen und nahm sie ein, wobei ihm u. a. der riesige Paderborner Domschatz in die Hände fiel. Am 31. Januar eroberte er Paderborn, ließ den Reliquienschrein des hl. Liborius einschmelzen und daraus seine »Pfaffenfeindtaler« prägen. Die gesamte Region hatte Unsummen an Kontributionen zu leisten und litt unter den Übergriffen der einquartierten Söldner.
 
  Unter dem Kommando des Johann Jakob von Bronckhorst-Batenburg (*12.2.1582; †19.10.1630; genannt Graf Anholt) zogen von Süden her kaiserliche und später auch von Westen kurkölnische Truppen herbei, die in den Dörfern an der Grenze der Soester Börde und des kurkölnischen Gebietes ins Quartier zogen. Ein überfallartiger Angriff auf Soest wurde abgewehrt. Die Stadt Geseke aber wurde von diesen kaiserlichen Truppen unter dem Kommando des Hauptmanns Dietrich Othmar von Erwitte besetzt und ihre Verteidigung organisiert, sodass Christians Truppen sie zwischen dem 6. und 12. März 1622 vergeblich belagerten. Am 13. März kam es dann zu einer größeren bewaffneten Auseinandersetzung im Gebiet zwischen Werl und Soest. Gegen 10 Uhr morgens zogen Christians Söldner mit 18 Kompanien aus Lippstadt und griffen die in Ampen, Meiningsen, Bilme und Ostönnen einquartierten kaiserlichen Kräfte überraschend von Norden her in ihrer linken Flanke an. Der kaiserliche Oberst von Nievenheim zog sich mit der Infanterie auf den Friedhof von Meiningsen zurück. Die in Ostönnen stehende Reiterei konnte noch rechtzeitig gewarnt werden und entkam nach Werl. Christian ließ mit 200 Musketieren, 300 Mann aus Soest und einigen Dragonern den Kirchhof erstürmen, wobei die umliegenden Häuser in Brand gesetzt worden waren. Am Ende mussten sich der kaiserliche Obristleutnant von Pallant, seine Hauptleute und 748 Mann ergeben. Außerdem fielen dem Sieger 1.000 Musketen, „so auff die new Manier gemacht“, in die Hände.
Das Plündern und Brandschatzen in der gesamten Region nahm kein Ende. Am Dienstag vor »Jubilate«, dem 3. Sonntag nach Ostern, d. h.. am 12. April 1622 wurde der Sturm auf Geseke wiederholt, aber endgültig abgeschlagen. Seitdem begehen die Geseker jedes Jahr ihren »Lobetag«. Alte Leute erinnern sich noch an das Gebet, das in dieser Zeit entstanden ist:

Horch Kind, horch, wie der Sturmwind weht
und rüttelt am Erker. –
Wenn der Braunschweiger draußen steht,
der fasst uns noch stärker.
Lerne beten, Kind, und falten fein die Händ’,
dass Gott noch den tollen Christian von uns wend.

Endlich verließ der »Tolle Christian« am 3. Mai 1622 die Region und zog mit seinen Söldnern weiter, er gewann am 29. August 1622 die Schlacht von Fleurus/Belgien, in der er am linken Oberarm so schwer verwundet wurde, dass der amputiert werden musste. 1626 starb er möglicherweise an den Spätfolgen der Amputation.
In den folgenden Jahren erlebte die Landschaft wechselnde Besitzer: »Freund« oder »Feind«, das konnte man kaum auseinanderhalten, denn beides hieß für die Bevölkerung immer wieder Plünderung und Raub, Einquartierungen, Übergriffe aller Art, erpresste Dienstleistungen, beschlagnahmte Pferde und Wagen, unentgeltliche Fouragelieferungen und Transportleistungen z. T. über mehrere Wochen sowie Kontributionen, dabei war weder Anbau noch Ernte möglich, das Vieh wurde geraubt und abgeschlachtet usw.

1633 Kloster Himmelpforten brennt

Soest wechselte mehrfach den Besitzer (Spanier 1622/23; Italiener 1623-24; Niederländer 1625-1629 usw.). Schon 1631, als der Landgraf Wilhelm V. von Hessen-Kassel (*14.2.1602; †21.9.1637) auf der Seite Schwedens in den Krieg eintrat, machte er deutlich, dass er die geistlichen Fürstentümer Münster, Paderborn und den westfälischen Anteil Kurkölns für sich beanspruchte. 1631 im Oktober eroberte er bereits Paderborn. Später besetzten hessische und schwedische Truppen unter den Generälen Eberhard (von) Bekkermann (aus Arnsberg; auch: Beckermann, *1576; †1641), Peter Melander Graf von Holzapfel (*8.2.1589 als Peter Eppelmann; †17.5.1648) u.a. das Herzogtum Westfalen. Der Landgraf beanspruchte insbesondere die »Grafschaft Arnsberg«. Im Januar 1633 forderte er von seinem Hauptquartier in Westernkotten von der Grafschaft die riesige Summe von 38.000 Talern als Kontribution. Die Hessen zogen sengend und plündernd durch das kölnische Gebiet, bis der kaiserliche General Lothar Freiherr von Bönninghausen (*1598 Apricke; †13.12.1657) mit insgesamt 3.500 Mann das Treiben unterband. Die Hessen mussten sich zurückziehen, konnten aber Werl einnehmen und hausten fürchterlich in der Gegend. Am 20. Oktober überfielen sie von dort aus das Zisterzienserinnenkloster Himmelpforten und schossen es an vier Stellen in Brand. Dann zogen sie weiter, überrumpelten Neheim und sollen dabei auch den Freseken Hof zerstört haben. Aber auch die Burgen Waterlappe und Neu-Fürstenberg wurden vernichtet und anderes mehr, was nicht genau überliefert ist.

Bis zum Ende des Dreißigjährigen Kriegs im Jahr 1648

Der Krieg zog sich weiter in die Länge, ständig musste man bewaffnet sein, weil man auf der Hut vor einem Überfall sein musste, das führte auch zu Unfällen. So erschoss am 3. Juli 1641 der Küster der St. Lambertus Pfarrkirche aus Versehen den Bremer Pastor Petrus Conradi.

Der Krieg brachte eine weitgehende Verelendung und Verarmung der Einwohner und eine Entvölkerung des Landes. Existenzielle Ängste vor Epidemien (Pest 1625, 1631, 1634-36, Ruhr 1639) und durchziehenden Heeren machten das Leben schwer, dazu kam die ständige Bedrohung durch eine mögliche Anklage wegen Hexerei. In Werl wurden z. B. in dieser Zeit (1628ff) 76 Personen wegen Hexerei hingerichtet, darunter allein acht Frauen aus dem heutigen Ense: 1628 bis 1630 waren es die Dörunghoff, Grete Lüsse, die Klaesesche, Liese Gottschalk und die Nüsische aus Bremen, aus Niederense kamen Anna Reebein und Else Schmides sowie aus Oberense die alte Graesche. (Werner Kohn, Hexenjagd in Werl, 1990)

Aber das Schicksal traf nicht nur kleine Leute, denn in Arnsberg wurde der Bürgermeister Henneke von Essen, der sich skeptisch gegenüber der Hexenverfolgung geäußert hatte, angeklagt und gefoltert. Er gestand trotz der Qualen aber nicht, wurde dennoch nicht freigelassen, sondern starb im Gefängnis im Schloss zu Arnsberg im Alter von 70 Jahren am 14. August 1631.

Außerdem wüteten Naturkatastrophen (Überschwemmungen mit Vernichtung der Feldfrüchte 1619, 1640, 1643, ein starkes Erdbeben 1640), und nicht zuletzt bedrohten Wölfe Mensch und Tier, sodass im Jahre 1641 ein Aufruf zu deren Bekämpfung erlassen wurde. Hunger und Elend überall. Die hohen Herren interessierte das alles nicht sehr, sie wollten z. B. 1643 im Möhnetal bei Mühlheim und Himmelpforten jagen und ließen die Kosten das Volk bezahlen. Das zerstörte Kloster Himmelpforten muss mühsam wiederaufgebaut werden, die Burgen Waterlappe und Neu-Fürstenberg werden abgebrochen, aber auch alle größeren Bauten sind stark beschädigt. Kirchen werden renoviert, zerstörte Adelssitze in anderer Form wiederaufgebaut, Höfe und Häuser entstehen nach und nach neu. Das Land braucht fast 200 Jahre, um sich einigermaßen zu erholen.

Bildquellen: Pfaffenfeindtaler 1622, Burg Waterlappe und Gemälde Kloster Himmelpforten im Privatbesitz.
veröffentlich in der Herbstausgabe 2013 / Heft 134, Seiten 10 und 11
ense-press by haase-druck
Peter Haase
Rauschenberg 82
59469 Ense-Bremen
Tel.: +49 2938 573
E-Mail: info@ense-press.de

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die aktuelle Ausgabe, Heft 150:
21.09.2017
Johannes Christoph von Böckenförde, gnt. Schüngel
1217 Drüggelte | Ein Kreuzzug beginnt
Bernhard Frick, Weihbischof
Dietrich von Fürstenberg
1246 Gründung Kloster Himmelpforten
1816 | Die Haar wird preußisch
Die Schlacht bei Bremen 1586
Kölner Erzbischof Engelbert von Berg † 07.11.1225
Wallfahrten
Gründung des Klosters Scheda
Adolf von Hatzfeld
Vorstenburg auf Richters Köpfchen über dem Ruhrtal
Die Not in der Zivilbevölkerung im 1. Weltkrieg 1914/18
Soester Fehde, Teil 2/2
Soester Fehde, Teil 1/2
Freiwillige Arnsberger Jäger-Kompanie als leichte Infanterie 1814 gegen Napoleon
1813 - Kosaken auf der Haar
Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 2 von 2
Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 1 von 2
Telegraphenlinie via Echtrop - Höingen
Napoleons Russland-Feldzug, Teil 2, der Rückzug
Napoleons Russland-Feldzug, Teil 1, Vormarsch u. Eroberungen
Kalenderreform 1582
Ernst von Bayeren stirbt am 17. Februar 1612 in Arnsberg
Goldfeuer bei Günne
1586 die Schlacht bei Bremen
Kaspar Schwarze, gnt. Betkaspar
Von Hexen und Ketzern
Wiedenbergkapelle
Niederenser Feldkreuz
100 Jahre Schützenhalle Bremen
Pängel Anton und Deutsches Wirtschaftswunder in Ense
Heimatgeschichte-Archiv
Alte Gewichte, Maße und Münzen
Delecke: 75 Jahre Bismarckturm
Kutsche 1948 in Niederense verunglückt
Ehemaliges Totenläuten vom Niederenser Spritzenhaus
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Farmhouse Soerries-Schulte 200 years
25 jähr. Partnerschaften mit Ense
Klosteranl. Himmelpforten bis 1943
Ense im Mittelalter
Haarstrang 390 Mio. Jahre
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Gut Oevinghausen Teil 2
Gut Oevinghausen Teil 1
B.Soerries 1883 emigriert
B.Soerries emigrates 1883
Forsthaus Himmelpforten
Tante Emma Laden
Bericht aus 1813
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