... Impressum + Datenschutz
Ense Press - zwischen Ruhr und Möhnesee ... an der Haar ... verteilt
... Aktuelle Ausgabe
... Newsmeldungen
... Deadline Annoncen und ... > > Erscheinungstermine
... Preisliste u. Bestellschein
... Kontakt, Impressum
... Heimatgeschichte
... Künstler
... Vereine
... Regionale Wirtschaft
... Medizinische Notdienste
... ense-press by haase-druck
... Impressum + Datenschutz
... Heimatverein Ense-Bremen
... Heimatverein Möhnesee
ense-press - ... zwischen Ruhr und Möhne ... an der Haar notiert ...
Kosaken im November 1813 auf der Haar

von Dr. Bernd Kirschbaum, Ense

Die Völkerschlacht von Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813 brachte die Entscheidung für die Alliierten Österreich, Preußen, Russland und Schweden gegen Napoleon und seine Verbündeten, wozu auch noch das Großherzogtum Hessen zählte, zu dessen Territorien unsere Region gehörte. Die Schlacht war die entscheidende Niederlage für Napoleon, wodurch er gezwungen wurde, sich aus Deutschland zurückzuziehen. Das war aber gar nicht so einfach.

Da gab es mit der Hauptstadt Kassel das Königreich Westphalen unter der Herrschaft von König Jerome (Hieronymus) Napoleon, König Lustick, einem Bruder des französischen Kaisers [*15. November 1784 in Ajaccio; †24. Juni 1860 bei Paris; ursprünglich Girolamo Buonaparte, sein offizieller Königsname war (JN) bzw. Hieronymus Napoleon (HN)]. – Dieses Königreich Westphalen darf man nicht mit der späteren Provinz Westfalen gleichsetzen, deshalb auch die unterschiedliche Schreibweise. –
 
 
Zwar waren schon am 28. September die ersten Kosaken vor Kassel angelangt, das sie dann auch am 1. Oktober besetzten und das Königreich für aufgelöst erklärten. Aber als diese Einheiten weiterzogen, kam König Jerome vom 16. bis 26. Oktober noch einmal zurück, verließ die Stadt dann endgültig und floh nach Frankreich.

Die Herkunft der Kosaken, der ursprünglich freien Reiterverbände, hier zu erklären, ist zu umfangreich. Die Bezeichnung Kosak kommt aus den Turksprachen und bedeutet in etwa »freier Krieger«. Aber es sollte erwähnt werden, dass auch Baschkiren, Kirgisen und Kasachen zu den Einheiten gehörten, die außer der traditionellen Lanze, dem Schaschka genannten Säbel und der geflochtenen Peitsche, der Nagaika, zum Teil noch mit Reflexbogen ausgerüstet waren. Die Uniform war der Tracht der Tscherkessen nachempfunden. Zum Teil erschienen diese Einheiten mit hoch bepackten Kamelen und Dromedaren. Der bekannteste General der Kosaken war der Hetman Graf Matwej Iwanowitsch Platow (*17. August 1751; †15. Januar 1818; „Platow preisen wir den Helden ...“), der seine Einheiten mit großer Tapferkeit persönlich anführte. Diese leichten und schnellen, zum Teil auf sich gestellten Kavallerie-Einheiten wurden vor allem zur Aufklärung (»Die Kosaken sind die Augen der Armee!«), zum Geplänkel, zum Halten von Verbindungen, zum Stören von Nachschublinien u. ä. eingesetzt.
Großenteils wurde in unserer Region die Niederlage des französischen Kaisers begrüßt, Ende Oktober bis Anfang November 1813 zogen sich auch die Franzosen aus unserer Gegend zurück, aber andere Truppen, die Kosaken z. B. waren noch nicht eingetroffen, als sich Marodeure die Situation zunutze machten. Sie stahlen Pferde und plünderten verschiedene Höfe. Das war zu Ende, als am 5. November 1813 die Kosaken auf der Haar im heutigen Möhnesee eintrafen.

 
Ein Bauer notierte in sein Tagebuch: »Heute lagen zehn Mann bei mir im Quartier, in der Scheune. Russen sind’s, Kosaken von den Reitern des Generals Jussupowitsch. Sind dir gar wunderliche Burschen, diese Kosaken, kleine, wild aussehende, schlitzäugige Kerle mit langen Lanzen, auf kleinen, struppigen Pferden sitzend. Sonderlich sauber sind sie gerade nicht, und ihr Kauderwelsch kann niemand verstehen. Aber wenn man ihnen nur ordentlich rohes Sauerkraut mit Zwiebeln, vielem Pfeffer und einem guten Stück Speck auf den Tisch setzt, dann lachen sie fröhlich und nicken und schütteln einem die Hand.« Dann beschreibt er weiter, dass sie auch gerne einen trinken.

Als die russischen Einheiten unsere Gegend erreichten, fragten sie immer wieder nach dem »Birkenbaum«, wo denn die letzte große Schlacht stattfinden sollte. Was hat es damit auf sich? Eine alte Prophezeiung besagt, dass im Kampf um Herrschaft der Süden gegen den Norden kämpfe. Mitten in Deutschland würden die beiden Heere bei einem Birkenwäldchen nahe Budberg bei Unna aufeinandertreffen. Die bärtigen Völker aus dem Norden werden nach verzweifeltem Kampf siegen. Der Fürst, der die große Schlacht gewinnt, wird von Bremen auf die Haar reiten, dort sein Ruhekissen fordern, mit seinem Fernrohr nach dem Birkenbaum sehen und die Feinde betrachten. Darauf wird er nach Holtum weiter reiten. Hier steht ein Kruzifix zwischen zwei Lindenbäumen, vor dem wird er niederknien und eine Zeit lang mit ausgestreckten Armen beten. Darauf wird er seine weiß gekleideten Soldaten in die Schlacht führen und in dem blutigen Kampfe Sieger bleiben. An einem Bache, der von Westen nach Osten fließt, wird die Schlacht am heftigsten toben. »Wehe, wehe Budberg und Sönnern an diesen Tagen!« Nach der Schlacht wird der siegreiche Feldherr in der Kapelle von Gut Schafhausen auf der Haar eine Rede halten. Bis weit nach Russland hinein war die Sage / Prophezeiung von der letzten »Schacht am Birkenbaum« zwischen Büderich und Holtum also verbreitet. Aber der Kampf sollte hier nicht stattfinden.

Durch Hovestadt flohen am 2. November französische Truppen über Hultrop in Richtung Hamm, denen am 3. November die Kosaken folgten, die auf dem Schloss, wie es heißt, »mit besonderer Vorliebe die Talglichter aufgegessen haben, die man auf ihre Zimmer stellte«.
 
Ebenfalls am 2. November sind die Kosaken in Geseke, am 3. in Soest, am 4. sind 50 in Hamm, am 7. dann in Münster, am 11. November in Düsseldorf am Rhein, der damals die Grenze zu Frankreich bildete, am 12. November sind 34 Kosaken auf Haus Heessen bei Hamm einquartiert. Am 13. November setzen die ersten mit zwei Kähnen auf das linke Rheinufer nach Köln über, verbreiten Angst und Schrecken, fahren dann aber auf das rechte Ufer nach Mühlheim zurück. Insgesamt waren ca. 60.000 russische Soldaten auf dem Marsch nach Frankreich. So spricht man auch von »Kosakenwinter«, wenn der von 1813-14 gemeint ist. Natürlich waren diese »Gäste« zum Teil auch lästig und benahmen sich nicht immer friedlich, und so gab es öfter Reibereien.

Auf dem sog. Deilinghofer Feld westlich des Hönnetals haben damals angeblich über 2.000 von ihnen campiert und nachts habe man ihre schwermütigen Gesänge über Meilen hingehört. Die Gesänge der russischen Einheiten hatten es auch dem preußischen König angetan, und noch heute ist bei fast jedem Schützenfest ein Teil davon zu hören.

Als nach der Schlacht von Großgörschen (2. Mai 1813) der preußische König Friedrich Wilhelm III. zusammen mit dem russischen Zaren Alexander am Abend das russische Lager besuchte, sangen nach dem Zapfenstreich die Soldaten einen Choral. Davon zeigte sich der König so beeindruckt, dass er in der Kabinettsorder vom 10. August anordnete, dass als Tagesabschluss ein Gebet oder Choral nach dem Zapfenstreich gespielt werden solle.
 
 
Welche Choräle oder Lieder das zunächst waren, lässt sich kaum noch feststellen, aber bald wurde der russische Choral mit der Melodie von Dimitri Stepanowitsch Bortnjanski [*1751 in Gluchow (heute Hluchiw/Ukraine); †10. Oktober 1825 in Sankt Petersburg], die ursprünglich auf den Text »Kol’ slaven nash Gospodin we Sione ...« (»Wie groß ist unser Gott in Sion ...«) von Michail Matwejewitsch Cheraskow [*5. November 1733 in Perejaslaw (heute Ukraine); †9. Oktober 1807 in Moskau] komponiert worden war, der eindeutige Favorit.

Diese feierliche Melodie war so etwas wie die inoffizielle Hymne des Zarenreiches bis zu dessen Ende 1917. Spätestens 1822 versah man die russische Melodie mit dem pietistischen Text von Gerhard Tersteegen (*25. November 1697 in Moers; †3. April 1769 in Mühlheim a.d. R.): »Ich bete an die Macht der Liebe ...« Später hat man den preußischen Zapfenstreich, dessen Ursprünge bis vor den 30-jährigen Krieg zurückreichen, in eine gültige Form gebracht, die Nationalhymne hinzugefügt usw., aber noch heute wird nach dem Kommando »Helm ab – zum Gebet!« der russische Choral gespielt, der an die Zeit zurück erinnert, als russische Einheiten an der Befreiung Deutschlands mitwirkten und Kosaken über die Haar nach Westen zogen ...

veröffentlicht in der Winterausgabe 2013/14, Heft 135
ense-press by haase-druck
Peter Haase
Rauschenberg 82
59469 Ense-Bremen
Tel.: +49 2938 573
E-Mail: info@ense-press.de

ense-press-PDF zum Blättern,
die aktuelle Ausgabe, Heft 150:
22.09.2017
Johannes Christoph von Böckenförde, gnt. Schüngel
1217 Drüggelte | Ein Kreuzzug beginnt
Bernhard Frick, Weihbischof
Dietrich von Fürstenberg
1246 Gründung Kloster Himmelpforten
1816 | Die Haar wird preußisch
Die Schlacht bei Bremen 1586
Kölner Erzbischof Engelbert von Berg † 07.11.1225
Wallfahrten
Gründung des Klosters Scheda
Adolf von Hatzfeld
Vorstenburg auf Richters Köpfchen über dem Ruhrtal
Die Not in der Zivilbevölkerung im 1. Weltkrieg 1914/18
Soester Fehde, Teil 2/2
Soester Fehde, Teil 1/2
Freiwillige Arnsberger Jäger-Kompanie als leichte Infanterie 1814 gegen Napoleon
1813 - Kosaken auf der Haar
Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 2 von 2
Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 1 von 2
Telegraphenlinie via Echtrop - Höingen
Napoleons Russland-Feldzug, Teil 2, der Rückzug
Napoleons Russland-Feldzug, Teil 1, Vormarsch u. Eroberungen
Kalenderreform 1582
Ernst von Bayeren stirbt am 17. Februar 1612 in Arnsberg
Goldfeuer bei Günne
1586 die Schlacht bei Bremen
Kaspar Schwarze, gnt. Betkaspar
Von Hexen und Ketzern
Wiedenbergkapelle
Niederenser Feldkreuz
100 Jahre Schützenhalle Bremen
Pängel Anton und Deutsches Wirtschaftswunder in Ense
Heimatgeschichte-Archiv
Alte Gewichte, Maße und Münzen
Delecke: 75 Jahre Bismarckturm
Kutsche 1948 in Niederense verunglückt
Ehemaliges Totenläuten vom Niederenser Spritzenhaus
St. Anna-Kapelle
Haus Soerries-Schulte 200 Jahre alt
Farmhouse Soerries-Schulte 200 years
25 jähr. Partnerschaften mit Ense
Klosteranl. Himmelpforten bis 1943
Ense im Mittelalter
Haarstrang 390 Mio. Jahre
Hellmichs 167 Jahre Küster
Gut Oevinghausen Teil 2
Gut Oevinghausen Teil 1
B.Soerries 1883 emigriert
B.Soerries emigrates 1883
Forsthaus Himmelpforten
Tante Emma Laden
Bericht aus 1813
Bauernhaus an der Haar
Badehaus Fürstenberg
Drüggelter Kapelle
90 Jahre Möhnetalsperre
Rittergut Oevinghausen
Kunst St. Bernhardus
Kapellchen Hünningen
Lambertus Reliquie
Kunstwerke St. Bernhard Kirche
Speichergebäude Günne
Heiligenhäuschen Gröchte
"Zum Redde" - Bremen
Vorstenburg, Ense
Emmausgang 1939
Korndiemen an der Haar
Mähdrescher und mehr ...
Berühmte Pfarrer Bremen
Schlacht bei Bremen
Prozessionen Bremen
Kapelle Fürstenberg
Kurfürstl. Kolonen 1, Günne
Kurfürstl. Kolonen 2, Günne
Kommunale Wappen
Lambertus-Skulptur, Ense
Enser Schulwesen 1
Enser Schulwesen 2
Enser Schulwesen 3
The Ruhr Dams Raid
Söbbelers Kreuz
Kloster Himmelpforten (1)
Kloster Himmelpforten (2)
Kloster Himmelpforten (3)
Kloster Himmelpforten (4)
Kloster Himmelpforten (5)
Kloster Himmelpforten (6)
Aktuelle News ense-press >>

CMS by KLEMANNdesign.biz