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ense-press - ... zwischen Ruhr und Möhne ... an der Haar notiert ...
Vor 670 Jahren: Zerstörung des Landesburg auf »Richters Köpfchen«
von Dr. Bernd Kirschbaum
Im Gebiet des Fürstenbergs (279 ü. NN) oberhalb von Ense-Höingen muss man zwei Burganlagen unterscheiden:

1. die Oldenburg, eine Wallburganlage, deren Anfänge weit in die Zeit ohne erhaltene schriftliche Aufzeichnungen zurückreichen und die bis ins späte Mittelalter auch noch Befestigungen aufwies, und

2. die kurkölnische Landesburg auf dem sogenannten »Richters Köpfchen«, in den Urkunden meist »Vorstenberg« (Fürstenberg) genannt, einer
spätmittelalterlichen
Burg der kölnischen
Kurfürst-Erzbischöfe, die seit 1180 nach der Entmachtung des sächsisch-bayrischen Herzogs
Heinrich des Löwen auch gleichzeitig Herzöge von
Westfalen und Engern waren.
 
 
Vorher schon hatte der letzte, (unverheiratete) Graf von Werl L(i)upold (auch Ludolf genannt, †1102) seinen Besitz in und um Werl, einen Teil des Lüerwaldes und andere Gebiete wegen der andauernden Streitigkeiten mit seinem Bruder Konrad II. Graf von Werl-Arnsberg (*um 1047; †1092) und vor allem mit dessen Sohn dem Grafen Friedrich dem Streitbaren von Arnsberg (*um 1072; †1124) dem Erzbischof vermacht, sodass dieser 1102 einen bedeutenden Gebiets- und damit Machtzuwachs verzeichnen konnte, der die Existenz der Grafschaft Arnsberg nachhaltig bedrohte, zumal in den Grafen von Altena/Mark/Berg, die alle der gleichen Familie angehörten, bedeutende Rivalen herangewachsen waren.

Es gab um 1250 eine ziemliche Gemengelage von Ansprüchen und beginnenden Territorien in unserem Raum: Iserlohn, Hemer, Unna, Fröndenberg bis etwa zum Kloster Scheda gehörten zur Grafschaft Mark, ebenso Hilbeck bei Werl bis hin nach Hamm.
 
Ab Neheim dagegen und das Ruhrtal hinauf erstreckte sich die Grafschaft Arnsberg, zu der auch Körbecke, Ense-Bremen, Niederense gehörten, genauso wie das linke Ufer der Ruhr mit Vosswinkel und seinen Adelshöfen, vor allem Höllinghofen und Nie(der)hof, und ein Teil von Wickede.

Soest, Werl, Menden und ein Teil von Wickede waren hingegen kurkölnisch. Bunt gesprenkelt dazwischen lagen die den Klöstern gehörenden Höfe. Da es damals aber noch keine ausgesprochenen Territorien im heutigen Sinne gab, ist es sehr schwer die Grenzen genauer zu definieren. Möglicherweise gehörte das heutige Ense zwei verfeindeten Herren, nämlich den Grafen von Arnsberg und dem Erzbischof von Köln. Zusätzlich waren beider Ansprüche durch die erstarkten Grafen von der Mark bedroht.

Ein Blick auf eine topografische Karte und ins Gelände zeigt die strategische Bedeutung, denn der Fürstenberg ist der höchste Berg der Umgebung. Wenn man sich auf dem Plateau der heutigen Kapelle innerhalb der alten Wallburg einen 10 Meter hohen Turm vorstellt, so kann man von dort alle militärisch wichtigen Punkten der Umgebung sehen. Ruhrabwärts bis zum Hünenknüfer, der Turmhügelmotte etwas unterhalb von Scheda, ruhraufwärts bis zur alten Burg in Arnsberg und zur heute verschwundenen Wollbrigg bei Wicheln. Die Kettelburg auf dem linken Ufer oberhalb der Mündung der Röhr in die Ruhr ist ebenso zu erkennen wie die Kirche von Hüsten, auch das Kloster Oelinghausen, das als ehemaliger Adelssitz den Pass ins Hönnetal zu bewachen hatte. Unterhalb des Berges befand sich an der Ruhr eine alte Fährstelle an der Salzstraße von Süden nach Werl, gedeckt durch das Haus Füchten, das gleichzeitig die nicht einsehbaren Teile des Geländes unterhalb der Burg sicherte. Wenn auch die mittelalterlichen Befestigungen bei der Entstehung der Oldenburg noch nicht vorhanden waren, so markieren sie doch die strategischen Punkte in diesem Raum.

Durch die Quelle ist die Wasserversorgung auf dem Berg gewährleistet. Er fällt nach Süden und Norden sehr steil ab, nach Westen hin liegt ein Bergsporn, der später durch einen Halsgraben abgetrennt und »Richters Köpfchen» genannt wurde. Unproblematischer Zugang ist nur von Osten her möglich, welcher auch gesichert werden musste, z. B. durch einen Vorgänger der heute verschwundenen Burg Waterlappe.

Die Blickverbindung zu all diesen Punkten ist wichtig, um einen Raum gegen Feinde zu sichern, denn nur so konnte man sich schnell und zuverlässig alarmieren. Die Wallanlagen der Oldenburg sind sehr alt und reichen wahrscheinlich bis ins 9. Jahrhundert zurück, als man sich gegen plötzliche Ungarneinfälle zur Wehr setzen musste und deshalb feste Plätze größeren Ausmaßes brauchte, um die Bevölkerung und das Vieh in Sicherheit zu bringen. Möglicherweise ist die Anlage aber auch noch älter, denn unter einem Wall waren Siedlungsspuren zu erkennen, die eindeutig dem 8. Jahrhundert zugeordnet werden können. Auch befinden sich jungsteinzeitliche Gräber in der Umgebung, sodass die ersten Bauten der Oldenburg durchaus aus dieser Zeit stammen könnten. Die Chronologie der Wälle ist recht kompliziert und wohl auch nur zum Teil erforscht.

Unter den Ereignissen für das Jahr 1277 notierte der in Werl lebende kurkölnische Rat und Licentiat der Rechte Gerhard Kleinsorgen (*1. oder 2. Februar 1530, †7. Februar 1591, Grab hinter dem Kreuzaltar in der Propstei-Kirche zu Werl) im 7. Buch seiner Kirchengeschichte: »(...) Um eben diese Zeit (1277) hat Siegfried (von Westerburg, *vor 1260; †7. April 1297) Erzbischof von Köln, Herzog in Westfalen und Engern auch ein Schloss auf dem Fürstenberge und die Städte Warstein, Kallenhardt und Almen befestigen lassen.» (Sprachlich normalisiert.)

Es bleibt unklar, welche Befestigung konkret gemeint ist und welches Jahr genau. Im gleichen Bericht wird auch die Eroberung und Zerstörung des durch den Grafen Gottfried III. (*um 1205; †1282) im Jahre 1263 wie eine Stadt befestigten Ortes Neheim durch den Erzbischof erwähnt. Der Frieden wurde am Tage der heiligen Agnes (21. Januar) prope Nehem in Castris – im Lager bei Neheim (Leider nicht genauer! ... Auf dem Fürstenberg? Möglich, aber nicht belegt!) zwischen dem Erzbischof einerseits und dem Grafen Gottfried III. und seinen Sohn Ludwig (*um 1237; †1313) andererseits geschlossen. Auf jeden Fall wird im Jahre 1295 der Burgmann Hermann erwähnt, der aus der Familie von Binolen im Hönnetal stammte und sich nun nach der neuen Burg auf »Richters Köpfchen», seinem Amtssitz, »von Fürstenberg» (von Vorstenberg) nannte. Die Stammburg dieser Familie von Binolen lag oberhalb der heute bekannten Reckenhöhle auf dem rechten Ufer des Flusses und ist bis auf geringe Reste verschwunden. Diese Nennung »von Fürstenberg» ist die erste Erwähnung eines Mitglieds der nicht nur in Westfalen bekannten, sondern weit darüber hinaus bedeutenden und einflussreichen Familie.

Auf »Richters Köpfchen« befindet sich eine unregelmäßige fünfeckige Anlage einer steinernen Burg von geringerer Größe (ca. 30x40 Meter), wenn man sie mit den Kölnischen Landesburgen von Zülpich oder auch Lechenich vergleicht. In der Nähe der heutigen Fürstenberg-Kapelle stand im Mittelalter ein quadratischer Turm (8 x 8 Meter), der zur Wehranlage der ehem. Oldenburg gehörte. Außerdem konnte eine Kapelle nachgewiesen werden, wohlmöglich ein Vorgängerbau der heutigen, mehrfach wieder auf- und umgebauten, den Aposteln Jakobus und Philippus geweihten kleinen Kirche. Die Oldenburg fungierte als eine Art Vorburg der Landesburg auf Richters Köpfchen.

Auf der gegenüberliegenden Flussseite befand sich zwischen Vosswinkel und Bachum im Winkel zwischen dem Oestingsiepen und einem Nebensiepen eine kleine Turmhügelburg der Grafen von Arnsberg mit südlich davor gelegener Vorburg, die als das Hünenbräuken bekannt ist. Zwar ist auch hier ist die Quellenlage dürftig, aber es handelte sich offensichtlich um eine Art von Beobachtungsposten, um die Burg auf »Richters Köpfchen» im Auge zu behalten.

#1303/1304 wurde die Burg im Zuge der Fehde zwischen dem Erzbischof von Köln und dem Grafen Eberhard I. von der Mark (†4. Juli 1308 in Fröndenberg, Hochgrab in der Stiftskirche) zerstört. Eberhard hatte fast sein ganzes Leben gegen die Erzbischöfe von Köln gekämpft und war einer der mächtigsten Gegner des Erzbischofs Siegfried von Westerburg in der Schlacht bei Worringen (5. Mai 1288 auf der Fühlinger Heide nördlich von Köln). Nach errungenem Sieg hatte er im gleichen Jahre 1288 auch Werl und Menden zerstört.

Der damalige (1303/04) Kurfürst war seit 1297 Wigbold von Holte, der am 25. März 1304, dem Mittwoch vor Ostern in Soest starb und auch dort im Patrokli-Münster am Ostersamstag beigesetzt wurde, dem nach damaliger Zählung am letzten Tag des Jahres 1303(!), denn das neue Jahr zählte man im Kölner Bereich damals ab Ostern, wobei das nicht unbedingt ein Monatsanfang sein musste: Sa. 28. März 1303, nächster Tag: So. Ostern 29. März 1304!)

Sein Nachfolger, der Kurfürst und Erzbischof Heinrich von Virneburg (*1244 oder 1246; †5. Januar 1332) ließ 1307 die Burg wieder aufbauen und am 8. Dezember 1309 stellt er in der Burg zwei Urkunden aus (datum in Castro nostro Vurstenberg = gegeben in unserer Burg Fürstenberg). Aber schon 1311 zerstörte Engelbert II. von der Mark (†18. Juli 1328) die Burg, die 1313 durch den Erzbischof wiederhergestellt wurde, 1326 wurde sie zum letzten Mal urkundlich erwähnt.

1343 kam es wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen, als der Graf Adolf von der Mark (†1347) vorsätzlich den beschworenen Frieden brach, unter anderem Menden einnahm und verwüstete, wobei er auch die Kirche niederreißen ließ, die Glocken nach Kamen schickte, den Taufstein nach Unna und »des Herren Leib aber mit einer Büchse, worin er verwahret, nach Fröndenberg bringen (ließ) mit den Worten: Es gehöre sich, dass der Sohn sich bei seiner Mutter aufhalte.» (Die Fröndenberger Stiftskirche war der Gottesmutter Maria geweiht.)

 
Die kurkölnische Burg oberhalb des Ruhrtals und auch der Turm der Oldenburg wurden ebenfalls 1343/44 durch die verbündeten Grafen von Arnsberg und von der Mark endgültig zerstört. Ein genaues Datum lässt sich nicht festmachen, aber man fand im Norden der Steinburg sechs schwere Steinkugeln, die möglicherweise von einem kleinen Ringwall auf dem Rolfs-/Raulfsberg abgefeuert worden sind. Der Wiederaufbau unterblieb aus finanziellen Gründen, denn der Erzbischof Walram von Jülich (*um 1304; †14. August 1349 in Paris) war einigermaßen pleite. Die Fürstenberger bauten ab ca. 1350 die Burg Waterlappe bei Bremen aus, die im Jahre 1633 im Dreißigjährigen Krieg endgültig zerstört wurde.
 
Der letzte, kinderlose Graf von Arnsberg Gottfried IV. (*um 1295; †21. Februar 1371 in Brühl, als einziger weltlicher Fürst im Kölner Dom beigesetzt, Kopie des Grabmals in der Neheimer St. Johannes-Kirche), vermachte seine Grafschaft nicht den Grafen von der Mark, mit denen er verwandt war, sondern verkaufte sie am 25. August 1368 für 130.000 Gulden an den Kölner Kurfürst-Erzbischof Friedrich von Saarwerden (*um 1348 in Saarwerden, †9. April 1414, Hochgrab im Kölner Dom). Zuvor waren 1358 Neheim und 1366 die Stadt Arnsberg vom Erzbischof und vom Grafen von der Mark zerstört worden und ein weiterer Erbe gestorben. Graf Gottfried IV. hatte wohl die Sinnlosigkeit der endlosen Fehden erkannt.

Die Arnsberger Grafschaft verblieb im kurkölnischen Territorium bis zu dessen Auflösung in den Jahren 1802/03. •
 
 
... veröffentlicht im Heimat-Journal-ense-press, Ausgabe 139 / Winter 2014/15, S. 10 und 11
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21.09.2017
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1217 Drüggelte | Ein Kreuzzug beginnt
Bernhard Frick, Weihbischof
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1816 | Die Haar wird preußisch
Die Schlacht bei Bremen 1586
Kölner Erzbischof Engelbert von Berg † 07.11.1225
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Gründung des Klosters Scheda
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Napoleons Russland-Feldzug, Teil 1, Vormarsch u. Eroberungen
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