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7. November 1225 - Der Tod des Erzbischofs von Köln – Engelbert von Berg

7. November 1225
Der Tod des Erzbischofs von Köln –
Engelbert von Berg

von Dr. Bernd Kirschbaum, Ense



Nach einem Streit unter Verwandten in Soest am 5. November 1225 wollte Erzbischof Engelbert vermutlich über den Riesenberg unweit der Ansiedlung »Nider Enße« und durchs Möhnetal zum Kloster Oelinghausen, so ist es überliefert.


  Es war vermutlich nachmittags am 5. November 1225, als einer der mächtigsten Männer des Reiches, der Kurfürst-Erzbischof Engelbert von Köln, Graf von Berg, Erzkanzler für Italien des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation, Herzog von Westfalen, Stellvertreter des Hohenstaufen-Kaisers Friedrich II., der in Italien lebte, ein Enkel des legendären Kaisers Barbarossa, mit wenigen Begleitern durch unsere Gegend ritt. Der Überlieferung nach wollte er zum Kloster Oelinghausen, um dort zu übernachten, denn seine Schwester Gisela war dort Nonne, und sein nächstes Ziel war Schwelm, wo er eine Kirche weihen wollte. In Oelinghausen zu rasten, erscheint sinnvoll, weil er dort im Prämonstratenser-Kloster sicher war, denn schließlich hatte er dem Konvent verschiedene Male seine besondere Gunst erwiesen, nicht zuletzt durch die Stiftung einer Marienstatue, die heute noch in der Krypta der ehemaligen Klosterkirche vorhanden ist (»Kölsche Madonna«; »unsere liebe Frau von Köllen«; »Königin des Sauerlandes«).

Es gibt zwei Wege von Soest nach Schwelm, einen nördlichen über Wickede, Fröndenberg, Schwerte und Hagen und einen weiter südlich über Oelinghausen, Hemer, Hagen nach Gevelsberg. Er wird diesen Weg genommen haben, denn die Alternative über Fröndenberg hätte ihn direkt in den Herrschaftsbereich seiner Gegner geführt. Der Kurfürst hatte jeden Grund zur Sorge, denn mit seinem Neffen (Sohn eines Vetters) Friedrich Graf von Isenberg war es wegen der Vogteirechte über das Stift Essen zum Streit gekommen. Sie hatten sich nach Allerheiligen in Soest getroffen, sich aber nicht einigen können. Der Erzbischof wollte die Rechte und damit die Einkünfte des Grafen drastisch beschneiden, was dieser verständlicherweise nicht zulassen wollte.

Wer war dieser Isenberger? Graf Friedrich von Isenberg (*vor 1193; †14. November 1226 in Köln) war ein Sohn des Grafen Arnold von Altena (†nach 1205) und der Mechtild zu Styrum. Die Burg Isenberg bei Hattingen war der namensgebende Stammsitz. Friedrich war um 1214 verheiratet mit Sophie von Limburg (†1226), einer Tochter des Herzogs Walram IV. von Limburg, Schwester Heinrichs IV. von Limburg.

Und wer war dieser Engelbert? Er stammte aus der weitverzweigten, einflussreichen Adelssippe der Grafen von Altena, Berg, Mark und Isenberg. Das Geburtsdatum ist nicht überliefert (1185 oder 1186 auf Schloss Burg an der Wupper). Engelberts Eltern waren der Graf Engelbert von Berg mit seiner zweiten Frau Margarete von Geldern. Der Vater, Graf von Berg, ist während des dritten Kreuzzugs sechs Wochen nach Beginn desselben 1189 im heutigen Ort Kovin am Nordufer der Donau in der Region Wojvodina (damals Königreich Ungarn) gestorben. Es war ein Kriegszug zur Befreiung Jerusalems, der unter Führung von Friedrich Barbarossa in Regensburg begann und mit einem Friedensvertrag schließlich 1192 endete.

Sein älterer Bruder Adolf III. (*vor 1176 - † 7. August 1218 vor Damiette im Nildelta, Ägypten) erbte die Grafschaft Berg. Als nachgeborener Sohn war er schon früh für die geistliche Laufbahn bestimmt. Bereits im jugendlichen Alter war er, allen kanonischen Vorschriften zum Trotz, seit 1198 Propst von St. Georg in Köln, dann seit 1199 bis 1216 Dompropst von Köln, was zu Auseinandersetzungen mit einem Mitbewerber führte, in deren Verlauf der Papst beide absetzte und eine Neuwahl anordnete, aus der Engelbert eindeutig als Gewinner hervorging. 1203 wurde er zum Bischof von Münster gewählt, nahm das Amt wegen seines Alters, er war noch keine 30, aber nicht an. Er war mehr Kämpfer und Streiter als Seelsorger, und so wurde er wegen verschiedener gewalttätiger Übergriffe 1206 vom Papst als Dompropst abgesetzt und sogar exkommuniziert, aber zwei Jahre später (1208) begnadigt. 1208 wurde er auch noch Propst von St. Severin in Köln und nahm 1212 sogar zusammen mit seinem Bruder als Kämpfer an einem Kreuzzug gegen die Albigenser nach Südfrankreich teil.

Am 29. Februar 1216 wurde er schließlich zum Erzbischof von Köln gewählt und im Jahr darauf geweiht. Nachdem sein Bruder Adolf 1218 im Kreuzzug nach Ägypten dort ohne männliche Erben gefallen war, weigerte er sich die Grafschaft an den Gatten der Erbtochter Irmgard, die mit Herzog Heinrich IV. von Limburg verheiratet (seit 1217) war, zu übergeben. Das war gerichtlich natürlich nicht durchzusetzen, aber mit Gewalt, vor der der Erzbischof nicht zurückschreckte. Erst nach dem Tode des Erzbischofs und dem damit erfolgten Erlöschen der männlichen Linie erlangte Heinrich von Limburg sein Erbe.
 
Der Aufstieg des Kurfürsten ging noch weiter, als Kaiser Friedrich II. Engelbert zum Vormund seines Sohnes Heinrich VII. und zum Reichsverweser (Provisor) in Deutschland ernannte. Damit standen ihm »Königsrechte« zu (Regalien: Befestigungs-, Münz- und Marktrechte).

Der Streit zwischen den beiden Verwandten war wegen der Vogteirechte über das vermögende Reichsstift Essen ausgebrochen, die seit 1209 in den Händen der Isenberger lagen, genauso wie die Vogteirechte über die Reichsabtei Werden. Der Schirmherr (Vogt) verlangte für den durch ihn gewährten Schutz einen großen Teil der Einkünfte des Essener Damenstifts, welche die Damen nicht mehr bereit waren zu zahlen, aber andererseits, wie aus seinem Güterverzeichnis hervorgeht, einen großen Teil der Einnahmen des Isenbergers darstellten.

Der Graf war folglich nicht bereit, den Vorstellungen des Erzbischofs zu entsprechen, der möglicherweise diese Vogtei auch in die eigenen Hände hatte bekommen wollen. In Soest war keine Einigung erzielt worden, so ritt der Erzbischof wahrscheinlich den alten Weg von Soest aus am Riesenberg (heute in Niederense) hinunter Richtung Oelinghausen, das in gerader Linie von Soest aus 25 km entfernt ist, was etwa einem dreistündigen Ritt entspricht, wonach man den Pferden eine Pause gönnen sollte. Am nächsten Tag waren bis Schwelm noch etwas mehr als 50 km zurückzulegen, was man in längstens sieben Stunden wohl geschafft haben könnte, um am 7. November 1225 nachmittags dort einzutreffen. Aber dazu sollte es nicht mehr kommen: Friedrich von Isenberg hatte wahrscheinlich seinen Leuten den Befehl erteilt, den Erzbischof gefangen zu nehmen, um von ihm Zugeständnisse zu erpressen. Aber dieses Vorhaben scheiterte gewaltig, am Ende lag der Erzbischof tot mit mehr als 50 Verletzungen in einem Hohlweg, dem heutigen Lindenstraßengraben in Gevelsberg. Die Begleiter versuchten, die Leiche des Erzbischofs zum Stammsitz nach Schloss Burg an der Wupper zu bringen, aber der Pförtner wies sie ab. Deshalb brachte man ihn nach Köln, wo ihm das Herz entnommen und im Altenberger Dom beigesetzt wurde. Das Fleisch wurde von den Knochen abgelöst und im Turm des alten Domes begraben. Die Knochen legte man in einen Schrein, denn man benötigte sie noch nach dem damaligen Brauch zur Klageerhebung.

Die Soester waren offensichtlich auch auf der Seite des Isenbergers, denn, als die Nachricht vom Tod des Erzbischofs in der Stadt eintraf, brachen sie in derselben Nacht dessen Residenz in Soest bis auf die Grundmauern ab. (Die Pfalz lag in der Nähe der Kirche Alt-Sankt-Thomä; das ist die mit dem schief gebauten Turmhelm.)
 
Der Nachfolger des toten Erzbischofs, Heinrich von Molenark, verklagte Friedrich von Isenberg am 1. Dezember 1225 auf dem Hoftag zu Nürnberg, der Angeklagte wurde geächtet, seine Burg Isenberg bei Hattingen belagert und zerstört, ebenso die Siedlung Nienbrügge am Südufer und die gleichnamige Burg am Nordufer der Lippe (alles noch im Winter 1225/26). Graf Adolf von der Mark, ein Verwandter zwar, hatte sich aber auf die Seite Kurkölns geschlagen, gründete dort neben den Ruinen am Aschermittwoch 1226 die Stadt Hamm. Der päpstliche Legat Konrad von Urach sprach über Friedrich den Kirchenbann aus. Der floh und reiste 1226 mit seinen beiden, der geistlichen Ämter enthobenen Brüdern nach Rom, um beim Papst Vergebung zu erlangen. Er scheint Erfolg erzielt zu haben, denn der Bann wurde aufgehoben. Friedrich, auf dessen Ergreifung eine hohe Summe ausgesetzt war, blieb vogelfrei und wurde weiter verfolgt. Als er von Rom wohl auf dem Weg zu seinem Schwager, Herzog Heinrich IV. von Limburg war, wurde er in Lüttich von einem Adligen, Balduin von Gennep, erkannt, zum Essen eingeladen, festgenommen und für 2.100 Mark Silber (1 Mark Silber entspricht etwa 10.000 bis 15.000 Euro) an den Grafen von Geldern verkauft. Man brachte Friedrich nach Köln und verurteilte ihn zum Tode durch Rädern.

Am 14. November 1226 zerschlug vor dem Severinstor in Köln der Henker ihm die Gliedmaßen und flocht ihn auf das Rad, das auf einer Säule befestigt war, er starb am folgenden Tage. Sein Sohn und Erbe Dietrich (*um 1215; †1301), verheiratet mit Adelheid von Sayn (†1297) konnte mithilfe seines Onkels, des Herzogs Heinrich von Limburg, einige Reste der Grafschaft für sich und seine Nachkommen retten, so entstand die Grafschaft Limburg an der Lenne (Hohenlimburg). Dietrich erbaute auch 1240 die Isenburg in Essen, um seinen Anspruch auf die Vogteirechte durchzusetzen, aber die wurde schon 1244 vom Erzbischof von Köln erobert und 1288 nach der Schlacht von Worringen endgültig zerstört.
 

Engelbert gilt in Köln als Heiliger, obwohl er nie kanonisiert wurde (Gedenktag am 7. November). An der Mordstelle in Gevelsberg entstand um 1230 ein Zisterzienser-Kloster.

Caesarius von Heisterbach erhielt den Auftrag vom Nachfolger Heinrich von Molenark, eine Hagiographie des Toten zu schreiben. Der versuchte an der Lebensbeschreibung des in Canterbury ermordeten Thomas Becket (*21.Dezember 1118; †29.Dezember 1170) sich orientierend, Engelbert als Heiligen darzustellen, was problematisch war, wie ein Ausspruch aus dem Werk belegt: »Herr, ihr seid zwar ein guter Herzog, aber kein guter Bischof.«

In Oelinghausen wurde er, wie es scheint, noch lange besonders verehrt, denn ein Bild aus dem späten 17. Jahrhundert in der Kirche zeigt ihn im liturgischen Gewand mit Mitra, wobei diese Darstellung offensichtlich an den Tod von Thomas Becket angelehnt ist, der vor dem Altar der Kathedrale ermordet wurde.

Annette Droste von Hülshoff hat dem ermordeten Erzbischof ihre, wie sie selbst sagte, beste Ballade gewidmet, und kein geringerer als der Minnesänger Walther von der Vogelweide hat dem toten Erzbischof in einer Klage ein literarisches Denkmal gesetzt. •


Wes’ Leben ich lobe, dessen Tod will ich immer beklagen
der So wehe ihm, der den edlen Fürsten von Köln erschlagen hat!
Wehe darüber, dass die Erde ihn noch tragen mag!
Ich kann, gemessen an seiner Schuld, keine passende Marter finden:
Für ihn wäre allzu sanft eine Schlinge aus Eichenseil anzulegen um seinen Hals.
Ihn auch nicht verbrennen, weder an Gliedern zerstückeln noch ihm die Haut abziehen,
weder mit dem Rade zerbrechen noch ihn darauf binden:
Ich warte bloß darauf, ob die Hölle ihn nicht bei lebendigem Leibe verschlingen will.


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