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Pfingsten im Jahr 1217 | Kreuzritter treffen sich an der Drüggelter Kapelle

Pfingsten im Jahr 1217 |
Kreuzritter treffen sich in Drüggelte

... von Dr. Bernd Kirschbaum, Ense

Die Bedeutung der Drüggelter Kapelle, die heute eher abseits der Straßen liegt, muss in vergangenen Zeiten eine andere gewesen sein, im Mittelalter war sie – möglicherweise – von zentraler Bedeutung unter anderem als Sammelplatz.

In Drüggelte – wahrscheinlich an dieser Kapelle, an der alten Poststraße zwischen Soest und Arnsberg – trafen sich Pfingsten 1217 die einheimischen Ritter: der bereits 60-jährige Graf Gottfried II. von Arnsberg (*1157; †1235) und seine Mannen, Heinrich der Schwarze, Edelherr zu Arnsberg, und sein Sohn Heinrich, die Edelherren von Ardey, von Rüdenberg, drei Brüder von Neheim, sechs Herren von Soest (der Vogt, der Schulte und sein Bruder, der Ritter Timo und sein Bruder, ein Kanonikus), weitere Bewaffnete aus der Stadt und viele Ritter aus der Umgebung zur Kriegsfahrt ins Heilige Land, unter ihnen auch ein Herr von Schorlemer. Graf Gottfried war ein tatkräftiger Mann, der seine Grafschaft 50 Jahre lang regieren sollte. Als junger Herrscher hatte er 1185 an der Echthauser Brücke fünf feindliche Grafen, darunter den Grafen Engelbert von der Mark besiegt und drei von ihnen gefangen genommen. Nun hatte er, um seine Heerfahrt zu finanzieren, ein Gut an das Kloster Wedinghausen für 150 Mark weit unter Wert verkauft.

Aber dieser denkwürdige Kreuzzug, den man in einigen Geschichtsbüchern irgendwie nicht recht beachtet und deshalb auch manchmal nicht mitgezählt hat, richtete sich nicht direkt nach Palästina, sondern versuchte einen Angriff über Ägypten auf das Heilige Land, um die Sarazenen von ihrem Nachschub aus dem fruchtbaren Niltal abzuschneiden.
 
 
Die Geschichte des Zuges ist die Geschichte einer diplomatischen und militärischen Katastrophe. Franz von Assisi (Giovanni Battista Bernardone; *1181/82 in Assisi; †3. Oktober 1226 ebendort) persönlich versuchte durch Verhandlungen mit dem Sultan Al Kamil, zu einer für die Kreuzritter befriedigenden Lösung zu gelangen. Der Sultan hörte ihm geduldig zu, da er ihn für verrückt hielt. Heute erinnert noch die franziskanische Initiative 1219 - Religions- und Kulturdialog an diese denkwürdige Begegnung. Aber damals vergebliche Mühe. Denn der päpstliche Legat Pelagius von Albano (* um 1165; †1230), der den Oberbefehl für den Papst Honorius III. (*um 1148; †18. März 1227; Papst von 1216 bis 1227) und damit für sich als dessen Vertreter beanspruchte, entpuppte sich als ein schwer zu behandelnder und maßloser Sachwalter. Er schlug sogar das wiederholte Angebot der Araber aus, ganz Palästina einschließlich Jerusalems den Kreuzrittern kampflos zu überlassen, die Mauern Jerusalems wieder aufzubauen und das in der Schlacht 1187 von Hattin verlorene wahre Kreuz zurückzugeben. Seine Begründung: Das Heilige Land müsse mit dem Schwert erobert werden. Der spätere Paderborner Bischof Oliver (*um 1170; †1227 in Otranto), der zuvor in Westfalen den Kreuzzug gepredigt hatte, begleitete den Zug als Chronist, aber auch sein wortreiches Geschwätz kann das Desaster nicht verhehlen. Für ihn persönlich war der Kreuzzug ein Erfolg, denn er wurde als erster Paderborner Bischof (seit 1223) Kardinal (1225 Kardinal von Santa Sabina). Der Zug erfolgte nicht über Land, sondern zu Schiff bis nach Ägypten.

So haben denn die Kreuzritter aus unserer Gegend damals auch Jerusalem und die anderen Heiligen Stätten wahrscheinlich nicht gesehen, sondern sie fuhren mit den Friesen zum Nildelta, wo die befestigte Stadt Damiette (Damiata) ein fast unüberwindliches Hindernis darstellte, besonders wegen des am Fluss gelegenen starken Hafenturms, von dem aus die einzige Nilzufahrt für Schiffe mit Ketten gesperrt werden konnte. Leider gibt es keine Überlieferung, wie die Kreuzritter aus der hiesigen Gegend ihre Fahrt gesehen haben. Aber da sie diesen Kreuzzug zusammen mit den Friesen an die Mündung des Nils unternommen hatten, folgt hier eine friesische Darstellung:

»Auf dem fünften Kreuzzug fuhren die Friesen mit ihren großen Koggenschiffen über die Wendelsee (Mittelmeer) gen Ägypten und trafen dort ein mächtiges Heer der Christen aus mancherlei Ländern. Sie wollten Damiata belagern, welches eine Stadt der Sarazenen am Nil ist und den Christen großen Schaden zufügte. Die Stadt war wohl befestigt und hatte einen großen Torturm über den Nil. Durch das Wasser aber waren eiserne Ketten gespannt, sodass kein Schiff gegen den Willen der Sarazenen an die Mauern heransegeln konnte. Und von den anderen Seiten war der Stadt nirgends beizukommen. Da gingen alle Schiffsleute zurate, wie sie die Ketten zerbrechen könnten. Nun war da ein starkes Koggenschiff von Dockum in Westfriesland, das beschlugen sie am Bug und Vorderkastell mit Stahl und bewaffneten es mit eisernen Sägen. Und als der Wind günstig stand, fuhren die Friesen mit vollen Segeln gegen die Ketten, dass sie zerbrachen und zerrissen. So konnten sie an den Turm herankommen, und der Herzog von Österreich samt seinen Rittern und Knechten stiegen die Sturmleitern hinauf. Da warfen die Sarazenen aus dem Turm griechisches Feuer auf die Schiffe der Christen herab, sodass viele Fahrzeuge verbrannten und wohl zweihundert tapfere Männer ihr Leben verloren.

Darüber wurden alle Christen sehr betrübt und beteten und weinten. Der allmächtige Gott erhörte ihr Flehen und gab den Friesen einen weisen Rat ein, wie sie den Turm gewinnen könnten. Sie ketteten sechs Koggenschiffe mit Balken, Tauen und Kabeln zusammen, drei vorne und drei hinten. Darauf erbauten die Zimmerleute einen großen Turm, der ebenso hoch wie das Stadttor war. Oben auf dem Turm machten sie ein Bollwerk von Planken und bekleideten es mit frischen Kuhhäuten und anderen Tierfellen. Dorthin brachten sie auch große Mengen von Sand, Urin und Essig, um das griechische Feuer damit zu löschen.

Als das Kunstwerk wohlbestellt und fertig war, zogen sie die Segel auf und fuhren so dicht an das Stadttor heran, wie sie konnten. Dann warfen sie ihre Anker aus in der Tiefe des Wassers, sodass sie ganz fest lagen. Als die Stadtleute das sahen, schickten sie zwei, die gut tauchen und schwimmen konnten. Sie waren mit einem scharfen Schwert bewaffnet und sollten unter dem Wasser die Ankertaue der Schiffe zerschneiden. Ein Friese aber sah die beiden Heiden heranschwimmen. Er nahm ebenfalls sein blankes Schwert in die Hand, kletterte an einem Ankerseil in die Tiefe hinunter, begegnete den anderen unter Wasser und erschlug sie beide. Als das Christenvolk dieses sah, wurden alle über die Maßen froh und dankten Gott, dass ein Christ auf dem Grunde des Wassers zwei Sarazenen totgeschlagen habe.

Gleich darauf bereiteten die Christen sich zum Angriff vor. Die kühnsten und frömmsten Friesen stiegen den Turm hinauf, aber als sie zum Sturme vorgingen, warfen die Heiden so viel Holz, Steine, Lanzen und Pfeile herab, dass die Schiffe über und über damit bedeckt waren. Man schoss und stürmte mächtig gegeneinander mit Stechen und Brechen. Griechisches Feuer warfen die Sarazenen haufenweise auf die Holzwerke der Christen herab, aber die Friesen streuten Sand, mit Urin gemengt, und Essig darauf und löschten die Flammen. Zuletzt setzten sie die Sturmleitern an den Turm, und zwei der Christen sprangen auf den Torturm der Sarazenen, wohl acht Fuß weit. Der eine war ein junger frommer Ritter, Hinrich geheißen, aus dem Bistum Lüttich, der andere ein Friese namens Hajo aus dem Fivelgo bei Groningen. Hinrich hatte in seiner Hand einen Streitkolben, Hajo einen eisernen Flegel, damit stürmten sie auf die Heiden ein und erschlugen ihrer viele. Die andern Christen folgten nach. Die Heiden aber, die noch unten im Turm waren, zündeten ein großes Feuer an und gedachten die Christen oben zu verbrennen und auszuräuchern. Doch die Friesen gossen in alle Fenster Wasser hinein und löschten das Feuer, so gut sie konnten. Was sie aber noch an griechischem Feuer auf dem Turm fanden, das warfen sie mit Schleudern auf die Stadthäuser, dass die ganze Stadt in Flammen aufging.

Was an Gold, Silber und anderen Schätzen vom Feuer in Kellern und Häusern verschont geblieben war, nahmen die Friesen an sich, was sie aber an Sarazenen lebendig fanden, schlugen sie nieder. Als sie diesen Streit gewonnen hatten, stiegen sie wieder in die Koggen, lichteten ihre Anker und segelten über den Nil zu dem Christenheer, und wurden allda mit großen Ehren empfangen.«


 
Das Kreuzfahrerheer aber konnte diesen Erfolg nicht nutzen oder gar ausbauen. Innere Streitigkeiten über den Oberbefehl ließen einheitliche – und nur diese hätten Erfolg gehabt – Aktionen nicht zu, ein Hochwasser des Nils beendete die Herrschaft der Kreuzfahrer über das Delta. 1219, vor der Eroberung des Kettenturms war Graf Gottfried bereits wieder in der Heimat, aber viele Ritter kehrten nicht zurück. Die meisten starben an Seuchen, andere fielen im Kampf, so Graf Adolf von Berg, der Bruder des Kölner Erzbischofs Engelbert. Auch Heinrich der Schwarze, Edelherr von Arnsberg, starb wahrscheinlich den Kreuzfahrertod im Kampf um Damiette, während sein Sohn zurückkehrte.

Noch fast zwanzig Jahre später stiftete die Witwe Elisabeth des Schulten (Vogt, Drosten) von Menden ein Gedächtnis für ihren auf diesem Kreuzzug verstorbenen Mann, indem sie Besitzungen in Klieve dem Kloster Oelinghausen übertrug. •







...veröffentlicht auf den Seiten 10 und 11 im Heft 149 / Sommer 2017.
 
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23.10.2017
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1217 Drüggelte | Ein Kreuzzug beginnt
Bernhard Frick, Weihbischof
Dietrich von Fürstenberg
1246 Gründung Kloster Himmelpforten
1816 | Die Haar wird preußisch
Die Schlacht bei Bremen 1586
Kölner Erzbischof Engelbert von Berg † 07.11.1225
Wallfahrten
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Vorstenburg auf Richters Köpfchen über dem Ruhrtal
Die Not in der Zivilbevölkerung im 1. Weltkrieg 1914/18
Soester Fehde, Teil 2/2
Soester Fehde, Teil 1/2
Freiwillige Arnsberger Jäger-Kompanie als leichte Infanterie 1814 gegen Napoleon
1813 - Kosaken auf der Haar
Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 2 von 2
Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 1 von 2
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Napoleons Russland-Feldzug, Teil 2, der Rückzug
Napoleons Russland-Feldzug, Teil 1, Vormarsch u. Eroberungen
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Ernst von Bayeren stirbt am 17. Februar 1612 in Arnsberg
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1586 die Schlacht bei Bremen
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