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Johannes Christoph von Böckenförde, gnt. Schüngel, kehrt 1537 zurück

Leben und Taten eines Abenteurers |
Johannes Christoph von Böckenförde, genannt Schüngel, beschließt 1537 zurückzukehren
... von Dr. Bernd Kirschbaum, Ense

Rittergut Echthausen liegt direkt an der Landstraße (L 732) von Neheim nach Wickede (Ruhr) [Sammlung Duncker, um 1860] und ist heute im Privatbesitz.

 













Böckenförde genannt (gen.) Schüngel war ein altes westfälisches Adelsgeschlecht. Seinen Stammsitz hatte es in Bockenförde bei Lippstadt um 1244 inne. Seit 1400 besaß es bis zum Aussterben dieser Linie im 18./19. Jahrhundert die Rittergüter Echthausen und Oevinghausen bei Waltringen.
Eine lange Zeit saßen auf dem Rittergut Echthausen, wozu zeitweilig auch das Gut Oevinghausen auf dem rechten Ruhrufer gehörte, Angehörige der bedeutenden Familie von Böckenförde gen. Schüngel. Öfter haben ihre Mitglieder hohe Ämter im kurkölnischen Herzogtum Westphalen bekleidet. Sie haben Landdrosten, Drosten von Werl und Neheim, wo sie einen Burgplatz besaßen, und auch von Balve gestellt, wo sich neben der Blasius-Kirche noch ihr Erbbegräbnis befindet. Ihr Wappen ist auch noch immer über dem Eingang zum Gutshaus in Wickede-Echthausen zu finden.

Am Gertrudentag (17. März) 1496 wurde hier in Echthausen Johannes Christoph als Sohn des Besitzers der beiden Güter geboren. Ein frommer Mönch Andreas von Borken erzog ihn von seinem neunten Lebensjahr an zusammen mit seinen beiden Brüdern, während sich der Vater hauptsächlich der Jagd widmete. Einige Zeit nach dem Tod des Geistlichen (1514) kam eine Verwandte zu Besuch, die zwei Jahre zuvor in das Zisterzienser Kloster Benninghausen bei Lippstadt eingetreten war. Als sie dorthin zurückkehrte, konnte sie nicht mehr verbergen, dass sie schwanger war. Die Äbtissin dieses Klosters war eine Halbschwester der Mutter des Verführers Johannes Christoph. Ein Mönch wurde zur Ruhr mit der skandalösen Nachricht geschickt. Diese hatte zur Folge, dass der junge Übeltäter zunächst verprügelt und dann in einen Keller gesperrt wurde. Er unternahm nach 21 Tagen einen Fluchtversuch, bei dem er seinen Bewacher, der ihn schon wieder gefasst hatte, mit einem Jagdmesser verletzte und davon lief. Er glaubte, seinen Bewacher getötet zu haben, aber er hatte ihn nur verletzt, wie er aber erst Jahre später erfuhr.

Nachdem Johannes Christoph in einem Dorf seine Kleider gegen die gewöhnliche Bauerntracht getauscht hatte, kam er am sechsten Tage in Köln an und fuhr weiter mit einem Schiff nach Mainz. Weil er sich auch dort mit Betteln mühselig durchschlagen musste, ging er weiter nach Straßburg. Hier bemerkte er einen aus einem Fenster hängenden Zettel, auf dem der reiche Bürgermeister Litzau einen schreib- und lesekundigen Diener suchte. Er wurde unter dem Namen Heinrich Gerau angestellt, und nach einigen Monaten war er an allen Geschäften seines Herrn beteiligt und wurde für den geradezu unentbehrlich.
 
Neben seinem Festgehalt erhielt er zusätzliche Zahlungen, die er in nächtlichen Schwärmereien mit zweifelhaften Freunden verschwendete, sodass er bald in tiefe Schulden geriet, die er nicht mehr begleichen konnte. Einer seiner Kumpane riet ihm, seinen Herrn zu bestehlen, so nahm er vorerst 20 Dukaten. Nach einiger Zeit fiel der Fehlbetrag zwar auf, aber sein Herr verdächtigte eine Erzieherin seiner Kinder, die sich von einem reichen Kaufmannssohn hatte entführen lassen. Als sich der Irrtum aufzuklären drohte, riet ihm sein Kumpan, er solle die Kasse seines Herrn stehlen und mit ihm zusammen nach Paris fliehen. Christoph kam also nachts mit den entwendeten Geldbeuteln aus dem Hause, gab seinem Komplizen die Hälfte des Geldes, sie trennten sich, um sich vor der Stadt bei den bereitgestellten Pferden wieder zu treffen. Aber der Kumpan hatte ihn betrogen, kam nicht, und Christoph wartete zwei Stunden, bis ihm dämmerte, dass er übertölpelt worden war.

So ritt er dann im Morgengrauen allein direkt nach Paris. Dort kleidete er sich prächtig ein, und in einem halben Jahr hatte er wieder alles durchgebracht. Da suchte ein reicher spanischer Graf einen deutschsprachigen Diener, der ihn nach Ungarn zu König Ludwig II. von Böhmen (* 1. Juli 1506 in Budapest, † 29. August 1526 bei Mohács) begleiten sollte. Er bewarb sich und wurde angenommen, aber nach drei Wochen wurde er in Budapest wegen seines liederlichen Lebenswandels aus dem Dienst gejagt. Er konnte keine neue Anstellung finden, so entschloss er sich Soldat zu werden. Im Sommer 1521, als er in Belgrad (ungar. Nándorfehérvár = eigentlich: »Bulgarische Weiße Burg«) lag, das damals zu Ungarn gehörte, erschien Ende Juni 1521 die Streitmacht des Sultans Süleyman (* um 1494-96 in Trabzon, † 7. September 1566 vor Szigetvar / Inselburg in Ungarn) vor der Stadt und begann mit der Belagerung. Die Not war groß, deshalb entschloss sich der Kommandant der Festung, ein Schreiben mit der Bitte, um Entsatz an König Ludwig zu schicken.
 
Schüngel erbot sich als Überbringer und erhielt den nicht ungefährlichen Auftrag. Der Brief wurde zerschnitten und stückweise in die Kleider eingenäht.

Es war Ende Juli oder Anfang August, als er die Festung verließ. Nachdem er die letzten Vorposten hinter sich gelassen hatte, lief er zu den Osmanen über und war bereits um 2:00 Uhr nachts in ihrem Hauptquartier im Beisein des Sultans und seines Großveziers, der etwas Französisch sprach, sodass man ohne Dolmetscher auskam. Der Überläufer schnitt den Brief aus seiner Kleidung, übersetzte und erläuterte ihn. Außerdem berichtete er von dem kläglichen Zustand der Festung. Die Osmanen nahmen ihn freundlich auf, er wurde Moslem und trat in die Janitscharen-Truppe ein, eine der Elite-Einheiten des osmanischen Heeres. Die Besatzung Belgrads kapitulierte, und am 30. August 1521 zog Süleyman in die Stadt ein, die in Dar al Dschihad (Stadt des Heiligen Krieges) umbenannt wurde.

Unser Landsmann marschierte mit den Janitscharen Richtung Ägypten, als sie in Aleppo zunächst den Befehl zum Halt bekamen und nach 14 Tagen den zum Rückmarsch, der sie entlang der Küste bis nach Izmir (Smyrna) führte. Hier lernte er einen Kaufmann, Sohn eines spanischen Renegaten (vom Christentum abgefallenen) kennen, der ihn freundschaftlich in sein Haus aufnahm. Nach einiger Zeit beteiligte dieser ihn an den Geschäften und bot ihm seine Tochter zur Ehe an, wenn er denn bleiben und besonders die Geschäfte mit den Franzosen betreuen wolle. Christoph nahm das Anerbieten an, heiratete die Tochter seines Geschäftspartners, und sie bekamen zwei Söhne.

Nach einiger Zeit kaufte er auf dem Sklavenmarkt eine Französin als Nebenfrau, die von vornehmen Eltern aus der Bretagne stammte, von einem holländischen Kapitän geraubt, für den Harem eines Paschas verkauft werden sollte. Gegen seine bisherige Ehefrau wurde er immer gleichgültiger, und er war einigermaßen froh, als diese 1534 starb. Er ließ sich seinen Anteil an dem gemeinsamen Geschäft auszahlen und kaufte sich ein Wirtshaus am Hafen, das häufig von europäischen Händlern besucht wurde. Die Französin lag ihm schon eine ganze Weile tagtäglich mit dem Wunsch in den Ohren, nach Frankreich zurückzukehren. Da sein Vermögen hauptsächlich in Bargeld bestand, konnte er die Reisevorbereitungen ohne Aufsehen bewerkstelligen. Bevor er abfuhr, sprach er noch einmal mit seinen Söhnen, die offensichtlich bei den Großeltern lebten.
 
  Der Älteste hieß Azir-Harrab und war ungefähr 14 Jahre alt. Er gab ihnen ein Kästchen mit Kostbarkeiten, seinen lateinisch geschriebenen Lebenslauf und seine zukünftige Adresse. Ende Juni 1537 – vor 480 Jahren – fuhr er von Izmir mit seiner französischen Frau und einer Sklavin auf einem französischen Schiff nach Toulon in Frankreich.

Dort angekommen schrieben sie an die Eltern seiner Frau, die sich sehr freuten, ihre tot geglaubte Tochter wieder gefunden zu haben, denn sie hatten gemeint, sie sei im Hafen von Brest ertrunken, als sie in Wirklichkeit von einen Holländer geraubt worden war.

In Toulon bereute er seine Abkehr vom christlichen Glauben, erlangte vom dortigen Bischof die Absolution, heiratete seine Frau nach katholischem Ritus, und das Ehepaar reiste zu den Eltern der Frau in die Bretagne. Dort wurden sie mit Freuden aufgenommen, und er bewirtschaftete mehrere Jahre ein beträchtliches Landgut. Nachdem seine Frau, die einige Jahre kränklich gewesen, gestorben war, hielt er es dort nicht mehr aus, denn er wollte nach Westfalen zurück. So verkaufte er mit Einverständnis seiner Schwiegereltern das Gut an den Bruder seiner Frau. Er bezahlte seine Schulden bei der Tochter seines Herrn in Straßburg, der inzwischen gestorben war, und reiste nach Westfalen ab.

Im Jahre 1563 saß er in der Abtei Liesborn, in die er eingetreten war, bereute sein sündiges Leben und schrieb seine Lebensgeschichte.

Leider ist der von ihm auf Latein geschriebene Text nicht mehr auffindbar, denn das Schüngel’sche Familienbuch, worin er sich befunden hat, ist verschollen. Zuletzt hat es der Nestor der Westfälischen Geschichtsschreibung, der evangelische Pfarrer von Frömern Johann Diederich von Steinen (* 7. März 1699 in Frömern, † 31. August 1759) besessen. Wahrscheinlich ist es im 7-jährigen Krieg verbrannt, als die französischen Soldaten 1761 in Frömern das Pfarrhaus mit dem umfangreichen Archiv anzündeten und damit alle dort befindlichen Archivalien vernichteten. Auch eine partielle Abschrift existiert nicht mehr. Ob Johannes Christoph von Böckenförde gen. Schüngel tatsächlich einen gewichtigen Beitrag zur Eroberung von Belgrad geleistet hat, kann man nicht mehr mit Bestimmtheit sagen.
Wann Johannes Christoph gestorben ist, konnte nicht festgestellt werden. •

... veröffentlicht im Heft 150, Herbstausgabe 2017, Seiten 10 und 11
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die aktuelle Ausgabe, Heft 151:
12.12.2017
Hermann V. von Wied und sein RĂĽcktritt im Jahr 1547
Johannes Christoph von Böckenförde, gnt. Schüngel
1217 Drüggelte | Ein Kreuzzug beginnt
Bernhard Frick, Weihbischof
Dietrich von Fürstenberg
1246 Gründung Kloster Himmelpforten
1816 | Die Haar wird preußisch
Die Schlacht bei Bremen 1586
Kölner Erzbischof Engelbert von Berg † 07.11.1225
Wallfahrten
Gründung des Klosters Scheda
Adolf von Hatzfeld
Vorstenburg auf Richters Köpfchen über dem Ruhrtal
Die Not in der Zivilbevölkerung im 1. Weltkrieg 1914/18
Soester Fehde, Teil 2/2
Soester Fehde, Teil 1/2
Freiwillige Arnsberger Jäger-Kompanie als leichte Infanterie 1814 gegen Napoleon
1813 - Kosaken auf der Haar
Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 2 von 2
Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 1 von 2
Telegraphenlinie via Echtrop - Höingen
Napoleons Russland-Feldzug, Teil 2, der Rückzug
Napoleons Russland-Feldzug, Teil 1, Vormarsch u. Eroberungen
Kalenderreform 1582
Ernst von Bayeren stirbt am 17. Februar 1612 in Arnsberg
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1586 die Schlacht bei Bremen
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Von Hexen und Ketzern
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