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Im Jahr 1547 Rücktritt des Erzbischofs und Kurfürsten von Köln Hermann V. von Wied
Vor 500 Jahren –
Martin Luthers Thesenanschlag |
... und 30 Jahre später –
Rücktritt des Erzbischofs und Kurfürsten von Köln Hermann V. von Wied nach erfolgloser Reformation

... von Dr. Bernd Kirschbaum, Ense
















31. Oktober 1517 an der Wittenberger Schlosskirche ist nun 500 Jahre her. Und was hat das mit unserer Gegend zu tun? Die folgende Ausarbeitung befasst sich mit gravierenden ersten Auswirkungen der Reformation im Erzbistum Köln am 25. Februar 1547.


Bild rechts: Hermann V. Graf von Wied, Kurfürst und Erzbischof von Köln
 
   
   
Dieses Kurfürstentum bestand neben dem Niederrhein und dem Vest Recklinghausen aus dem Herzogtum Westfalen und der Grafschaft Arnsberg. Der Kurfürst und Erzbischof von Köln zu jener Zeit war Hermann V. von Wied (*14. Januar 1477), der fünfte von sechs Söhnen des Grafen Friedrich IV. von Runkel zu Wied – Isenburg (†31. August 1487) und seiner Ehefrau Agnes von Virneburg (†12. März 1478). Um die Herrschaft nicht zu klein werden zu lassen, wurden die nachgeborenen Söhne adliger Familien meist für den geistlichen Stand bestimmt.

Geistliche Pfründe, etwa Domherrenstellen mit zum Teil beträchtlichen Einnahmen, ermöglichten ihnen ein standesgemäßes Leben, konnten aber nicht vererbt werden, auch wenn sie über lange Zeit im Besitz derselben Familie blieben. Domherren waren aus dynastischen Gründen meist Laien, bis die Nachfolge geklärt war, d. h. bis der erbende Bruder einen oder mehrere Söhne hatte und so die Sukzession sicherstellte. Zwei seiner älteren Brüder, Adam (†1483) und Dietrich (†1507)waren bereits Domherren in Köln und Trier, der jüngere Bruder Friedrich (III.)(*1478; †1551) in Münster, wo er von 1522 – 1532 Fürstbischof war, bis er zurücktrat. Zwei ältere Brüder waren Graf Wilhelm III. zu Wied und Moers (†1526) und Graf Johann III. zu Wied (†1533). Dessen Sohn Friedrich (*um 1518; †23. Dezember 1568) sollte von 1562 – 1567 Erzbischof von Köln werden, bis er ebenfalls zurücktrat. Außerdem waren da noch zwei Schwestern Genovefa und Johanna. 1483 im Alter von sechs Jahren befand Hermann sich bereits im Kölner Domkapitel und übernahm, als sein Bruder Adam im gleichen Jahr starb, dessen Domherren-Stelle.

Am 8. Dezember 1493 schrieb er sich in der juristischen Fakultät der Universität Köln ein. Am 14. März 1515 wurde Hermann vom Domkapitel zum Erzbischof und Kurfürsten von Köln gewählt, obwohl er zu diesem Zeitpunkt noch nicht zum Priester geweiht war. Deshalb vergingen bis zur feierlichen Inthronisation noch drei Jahre, weil Papst Leo X, der die Wahl umgehend am 26. Juni 1515 bestätigt hatte, ausdrücklich auf der Weihe zum Priester und zum Bischof bestand.

Hermann nahm im Juni 1519 in Frankfurt an der Wahl des Habsburgers Karl (V.) (*1500; †1558) zum Kaiser teil, der gegen Heinrich VIII. von England und Franz I. von Frankreich kandidiert hatte. Für seine Stimme erhielt er von Jakob Fugger die stattliche Summe von 40000 Gulden. Er krönte Karl V. am 23. Oktober 1520 zusammen mit den Erzbischöfen von Mainz und Trier in Aachen zum Kaiser. Hermann stand zu dieser Zeit den Reformationsbestrebungen sehr kritisch, ablehnend bis feindlich gegenüber, deshalb ließ er auch wegen der päpstlichen Bannandrohungen die Schriften Luthers am 12. November 1520 in Köln öffentlich verbrennen.


Er stimmte 1521 auf dem Reichstag zu Worms für die Ächtung Martin Luthers, verbot dessen Schriften und ließ »Irrgläubige« rigoros verfolgen. Der Rat der Stadt Köln verurteilte die protestantischen Prediger Peter Fliesteden (*? in Fliesteden) und Adolf Clarenbach (*um 1497 Buscherhof bei Lüttringhausen, auch »Klarenbach«) zum Tode, ließ sie in der Nähe des heutigen Melatenfriedhofs in Köln am 28. September 1529 hinrichten und verbrennen. 1531 wurde Ferdinand I., Erzherzog von Österreich (*1503; †1564), Bruder Kaiser Karls V. zum deutschen König gewählt.

Diese Wahl war besonders unter den protestantischen Fürsten umstritten. Hermann krönte ihn ebenfalls in Aachen. 1530 zeichnete sich der Rücktritt seines Bruders Friedrich vom Amt des Bischofs von Münster ab, der dann auch 1532 erfolgte. Nachdem Hermann 1532 auch noch Fürstbischof von Paderborn geworden war, beendete er die dortigen Unruhen mithilfe von Truppen aus der Grafschaft Wied, Unruhen, die nach dem Tod seines dortigen Vorgängers, des Fürstbischofs Erich von Braunschweig – Grubenhagen (*1478; †14. Mai 1532 in Fürstenau bei Osnabrück) ausgebrochen waren, denn dieser Fürstbischof von Paderborn und Osnabrück starb bei einem Gelage anlässlich seiner Wahl zum Bischof von Münster: »Er hat sich totgesoffen«, wie es in einer zeitgenössischen Darstellung heißt.

Von Paderborn aus erließ Hermann am 16. Oktober 1532 ein »Edikt wider alle Neuerungen in Sachen Religion« und 1534 ein weiteres aus Poppelsdorf. Hierin verbot er alle »geheimen Versammlungen der neuen Lehre« in den Diözesen, wies die Amtsträger an, die »Winkelprediger« und deren Anhänger »ohne alle Gnade unnachlässig zu strafen« und »solches Unkraut auszurotten und zu vertilgen«. Dennoch schienen ihm nach anfänglicher Härte auch wohl Bedenken gekommen zu sein, denn er berief eine Synode für die Kirchenprovinz Köln ein, an dem auch Vertreter der Bistümer Lüttich, Minden, Münster, Osnabrück und Utrecht teilnahmen, die maßgeblich von dem späteren Kardinal Johannes Gropper (*24. Februar 1503 in Soest; †13. März 1559 in Rom) geleitet wurde und vom 7. bis 10. März 1536 stattfand. Aber die Dekrete wurden kaum umgesetzt. Erst im Jahre 1541, nachdem der Reichstag in Regenburg entsprechende Beschlüsse gefasst hatte, kam wieder Bewegung in die Angelegenheit. Hermann hatte inzwischen den gemäßigten Reformator Martin Bucer (*11. November 1491 in Schlettstadt/Elsass; †1. März 1551 in Cambridge; eigentlich »Butzer«, auch »Butscher«) kennengelernt, der sowohl beim Kaiser als auch bei den katholischen Ständen in hohem Ansehen stand.
   
   
   
   
Der Erzbischof hoffte, dass eine Zusammenarbeit von Gropper und Bucer ohne Verschärfung des Konflikts eine Reform ermöglichen könnte. Aber Gropper war nicht einverstanden und so begann nach dem Eintreffen Bucers in Bonn am 14. Dezember 1542 eine lange Debatte um die Reform der Kirche. Aufseiten Groppers stand neben dem Domkapitel auch der Rektor der Universität Matthias Acquensis (*1465 in Aachen; †12. November 1557 in Köln; eigentlich »Kremer« oder »Cremer genannt Peltzer«; »Cremerius« oder auch »Matthias von Aachen«), die die sofortige Entfernung Bucers forderten. Die Landstände unterstützten jedoch das Reformvorhaben, und so wurde Philipp Melanchthon (*16. Februar 1497 in Bretten; 19. April 1560 in Wittenberg; eigentlich »Schwartzerd«) hinzugezogen. In der Burg Buschhoven bei Bonn wurde ein Reformwerk ausgearbeitet, das vom 23. bis 26. Juli 1543 auf dem Bonner Landtag zur Beschlussfassung vorgelegt wurde. Die drei weltlichen Stände (Adel, Städte und Zünfte) stimmten der »Kölnischen Reformation zu, aber die Geistlichkeit hatte so viele Einwände und Bedenken, dass ein Beschluss nicht zustande kam.
Kardinal Johann Gropper, * 24. Februar 1503 in Soest und † 13. März 1559 in Rom
 
   
Der Landdrost von Westfalen Henning von Böckenförde genannt Schüngel (amtierte um 1541- 1561) erhielt die Anweisung, die »Kölner Reformation« im Herzogtum durchzuführen. Wie dieser Erlass hier von den Ständen aufgenommen wurde, ist wegen der dürftigen Quellen nicht ganz klar.

In Städten Geseke, Brilon und auch Neheim hatte diese Reformation durchaus Erfolg, auch im Dekanat Medebach, während in Werl die Auseinandersetzungen gleichzeitig mit den Konflikten zwischen den Zünften und Erbsälzern einhergingen, wobei die Letzteren sich durchsetzen konnten. Im Arnsberg aber fand der Erzbischof einen entschiedenen Gegner im Abt des Klosters von Wedinghausen Hermann Lille (Abt 1531 – 1550), aber auch im Konvent und den Bürgern der Stadt, die sich 1545 weigerten, protestantische Prediger zuzulassen. Die Protestanten konnten sich zu dem Zeitpunkt in Westfalen nicht halten.
Das Domkapitel wandte sich an den Papst, der Hermann nach Rom bestellte, was dieser ignorierte, und an den Kaiser, vor dem er sich durch einen Gesandten rechtfertigte. Die Situation war verfahren, denn es wurde immer deutlicher, dass Reformen mit dem Domkapitel nicht machbar waren. Am 2. Januar 1546 überreichte der Erzbischof von Rossano Girolamo Verallo (*1497; †1555) als päpstlicher Legat das Schreiben mit der Suspendierung durch Papst Paul III (*1468; †1549; Papst seit 13. Oktober 1534, eigentlich Alexander Farnese). Am 16. April erfolgte die Exkommunikation und am 3. Juli die Absetzung. Hermann erklärte, dass er den Papst nicht mehr anerkenne und deshalb diese Amtsenthebung unwirksam sei. Am 24. Januar 1547 trafen die Kaiserlichen Kommissare Lalangus und Viglius ein und verlangten von den Landständen des Kurfürstentums, dem designierten Nachfolger den Treueeid zu schwören. Es drohte ein Bürgerkrieg, da die Landstände bereit waren, für Hermann auch zu kämpfen.

In dieser Situation entband Hermann die Untertanen von ihrem Treueeid und trat am 25. Februar 1547 als Erzbischof und Kurfürst von Köln und Fürstbischof von Paderborn zurück. Zurückgezogen starb er auf der Burg Alt Wied am 15. August 1552. Seine »Kölner Reformation« war gescheitert, aber die nächsten hundert Jahre waren durch bewaffnete Auseinandersetzungen bis hin zu Kriegen um die »rechte« Konfession gekennzeichnet. •




Bild rechts: Titelblatt der von Melanchthon und Bucer ausgearbeiteten reformierten Kirchenordnung 1543


 
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