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ense-press - ... zwischen Ruhr und Möhne ... an der Haar notiert ...

Prager Fenstersturz am 23. Mai 1618 |
Auslöser des Dreißigjährigen
Kriegs 1618/1648

... von Dr. Bernd Kirschbaum, Ense
Es ist der Krieg, der bis jetzt die relativ meisten Opfer gefordert hat, denn die Verluste im Deutschen Reich (in den Grenzen von 1914) betrugen ca. 40 Prozent der Bevölkerung, von 17 blieben 10 Millionen Einwohner. Wenn man die Verluste prozentual betrachtet, dann waren sie größer als im 2. Weltkrieg. Was war geschehen?

     
Protestantische Adlige aus Böhmen warfen den Sekretär und die zwei Räte Königs Ferdinand II. von Habsburg (1578-1637), der seit 1617 König von Böhmen war, bevor er als Nachfolger von Kaiser Matthias (1557-1619) gekrönt wurde, aus dem Fenster. Jaroslaw Borsita von Martinitz (1582-1649) stürzte aus 17 Metern Höhe in den Schlossgraben, sein Schwager Wilhelm Slavata (1572-1652) hinterher und der Sekretär Philipp Platter (* vor 1572; † nach 1628), der sich - modisch latinisiert - Fabricius nannte, hinterdrein.

Graf Slavata hielt sich noch mit der rechten Hand am Fenster fest, aber man schlug ihm mit dem Knauf eines Dolches auf die Finger, und so stürzte er tief in den Graben. Sein wenig verletzter Schwager kam ihm zu Hilfe. Auch vor den nachfolgenden Schüssen konnten sie sich mithilfe ihrer Diener in Sicherheit bringen. Die ersten drei Opfer des nun entbrennenden Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) hatten überlebt.

Böhmen umfasste den westlichen Teil des heutigen Tschechien und gehörte zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Zwar wurde das Land seit 1526/27 von den katholischen Habsburgern regiert, aber der Adel, zum großen Teil protestantisch, hatte das schriftlich verbriefte Recht, im Lande seine Religion »frei und uneingeschränkt« auszuüben. Ferdinand, so etwas wie ein »katholischer Fundamentalist« (»Ich will lieber über eine Wüste herrschen, als die Ketzerei zu dulden«), konnte zwar die zugestandenen Privilegien nicht aufheben, aber er setzte den Protestanten zu, indem er sie aus Ämtern entfernte und sogar zwei ihrer Kirchen abreißen ließ.

Als schlimme Vorzeichen wurden allgemein angesehen, als Ende des Jahres 1618 ein großer und zwei kleinere Kometen, mit bloßen Augen sichtbar, am Himmel erschienen. Nachdem Kaiser Matthias am 20. März 1619 in Wien gestorben war, marschierten von Böhmen Tausende von Söldnern im Juni 1619 bis vor Wien, zogen sich dann aber wieder zurück, weil schweres Belagerungsgerät fehlte.
 
Verhandlungen scheiterten an der Unnachgiebigkeit Ferdinands, deshalb setzten die protestantischen Adligen Böhmens ihn als König ab und huldigten am 27. August 1619 dem Kurfürsten und Pfalzgrafen Friedrich V. (1596-1632) als ihrem König Friedrich I. Dieser war mit der Enkelin von Maria Stuart (†1587) Elisabeth Stuart (1596-1662) verheiratet, der ältesten Tochter König Jakobs VI. von Schottland und seiner Gattin Anna von Dänemark.

Als Ferdinand 1619 zum deutschen Kaiser gewählt war, zogen sogar protestantische Reichsfürsten mit zum Kampf gegen die rebellischen Böhmen, denn die Vorstellung, dass Untertanen einfach ihren Regenten absetzen und sich einen neuen suchen, war unerhört! Das hatte bis dahin nur Soest gewagt (Fehde von 1444-1449). Aber einen König abzusetzen, das war schon etwas anderes.

Im Sommer 1620 marschierten 28.000 kaiserliche Soldaten unter dem Kommando des Grafen Johann T’Serclaes von Tilly (1559-1632) nach Prag. Am 8. November 1620 entbrannte auf dem Weißen Berg die Schlacht mit den 21.000 böhmischen Soldaten, die nur zwei Stunden dauerte, dann war das Heer Friedrichs, den man ab jetzt den »Winterkönig« nannte, vollständig geschlagen. Er floh mit seiner Gattin über Schlesien und Brandenburg in die Niederlande.

Ferdinand, nun wieder König von Böhmen, ließ das Land systematisch rekatholisieren. Den Protestanten blieb nur die Wahl zu konvertieren oder auszuwandern, was ca. 30.000 Familien auch machten. 1624 war diese Aktion beendet, aber Ferdinand ließ die Truppen nicht demobilisieren, sondern wollte sie als Machtinstrumente behalten. Nicht zuletzt deshalb trat der dänische König Christian 1625 in den Krieg ein, genauso wie 1635 der schwedische König Gustav Adolf II.
 
     
Was war inzwischen in Westfalen und besonders an der Haar geschehen?
Eroberung von Lippstadt 1623

Seit dem Beginn (1568-1648) des Unabhängigkeitskrieges der Niederlande (Generalstaaten) gegen Spanien waren immer wieder »staatische Völker« in Westfalen eingefallen und hatten für Unruhe gesorgt. Als dann noch der Kölner Erzbischof Gebhard (Truchseß von Waldenburg, 1547-1601) am 19. Dezember 1582 sich zum Protestantismus bekannte und heiratete, brach der sog. »Kölnische Krieg« aus, der mit dem Überfall auf Werl am 26./27. Februar 1586 und der Schlacht auf der Haar 2. März 1586 seinen Abschluss fand.
     
Am 25. März 1609 starb der letzte Herzog von Jülich-Kleve-Berg, der kinderlose und geisteskranke Johann Wilhelm, um dessen Erbe zwischen Johann Sigismund von Brandenburg und Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg der sog. Jülich-Klevische Erbfolgekrieg ausbrach. Aber auch andere Reichsfürsten meldeten ihre Ansprüche an. Soest wurde als Teil des Erbes dem Kurfürsten von Brandenburg zugeteilt. 1610 kam es zu Kämpfen rund um Soest, und am 8. April 1616 wurde die Stadt nach Beschuss durch spanische Truppen von Osten zum ersten Mal eingenommen, denn die Mauern waren modernen Geschützen nicht gewachsen. Achtmal sollte die Stadt während des Krieges den Besitzer wechseln. 1618 blieb es in unserer Gegend noch ruhig, aber die beiden auf der Burg Waterlappe bei Bremen geborenen prominenten Brüder, der Landdroste (seit 1613) Caspar von Fürstenberg (*1545; † 5. März 1618) und sein Bruder Dietrich (*1546; † 4. Dez. 1618), der Fürstbischof (seit 5. Juni 1585) von Paderborn, starben.

Zum Nachfolger im Amt des Landdrosten wurde Wilhelm von Bayern, Freiherr von Höllinghofen (geb. ?; † 10. Februar 1657 Schloss Höllinghofen), der Sohn des 1612 in Arnsberg verstorbenen Erzbischofs Ernst von Bayern, bestimmt, der war gleichzeitig Vetter des Erzbischofs von Köln Ferdinand von Bayern (1577-†13. September 1650 Schloss Arnsberg). Wilhelm übte das Amt bis 1624 aus und wurde von Friedrich von Fürstenberg (1576-1646), dem Sohn Caspars, abgelöst. Ferdinand von Bayern wurde der Nachfolger im Amt als Fürstbischofs von Paderborn, obwohl er schon Erzbischof von Köln und Bischof von Hildesheim, Lüttich und Münster war.

Im Februar 1619 fiel in Soest ein Meteorit in einen Teich und verglühte mit lautem Zischen, eine ungeheure Flut zerstörte in Arnsberg die Jägerbrücke, wobei die Witwe des Herrn von Landsberg mitsamt ihrer Kutsche und den Pferden mitgerissen wurde, und in der Börde erschienen am 7. März die ersten Kompanien Söldner, verschwanden aber wieder und kamen im April zurück.

Ende des Jahres 1621 nahmen die Spannungen zu. Christian Herzog von Braunschweig-Lüneburg (1599-1626; der »Tolle Christian« oder der »Tolle Halberstädter«), der zum Bischof von Halberstadt bereits bestimmt, aber noch nicht bestätigt worden war, zog mit seiner Streitmacht nach Westfalen.
 
Er war ein Neffe der Elisabeth Stuart, der Gemahlin des »Winterkönigs« Friedrich. Er glaubte, seine Tante wegen der entstandenen Schmach rächen zu müssen, und stellte 1621 ein Söldnerheer von ca. 10.000 Mann auf, deren Unterhalt aber nicht gesichert war.

Am 2. Januar 1622 gelang es seiner Reiterei über die zugefrorenen Festungsgräben hinweg, Lippstadt zu erobern, das seine wichtigste Basis für die folgenden Plünderungen werden sollte. Seine Söldner erschienen mit ihren Brandbriefen auch vor Werl und Soest, das ihn mit Zahlung von 4.000 Talern zunächst beschwichtigen konnte. Gleichwohl änderte er seine Meinung und erschien eine Woche später mit mehreren Tausend Mann vor Soest, begann am 22. Januar 1622 die Stadt zu beschießen und nahm sie ein, wobei ihm u. a. der riesige Paderborner Domschatz in die Hände fiel.

Am 31. Januar nahm er Paderborn ein, ließ den Reliquienschrein des hl. Liborius einschmelzen und daraus seine »Pfaffenfeindtaler« prägen. Die gesamte Region hatte Unsummen an Kontributionen zu leisten und litt unter den Übergriffen der einquartierten Söldner. Die kaiserliche Seite ließ nicht auf sich warten und unter dem Kommando des Grafen von Anholt (Johann Jakob von Bronckhorst-Batenburg [1582-1630; gen. Graf Anholt]) zogen kaiserliche von Süden her und später auch von Westen kurkölnische Truppen heran, die im Grenzraum der Soester Börde und des kurkölnischen Gebietes in den Dörfern ins Quartier zogen. Ein überfallartiger Angriff auf Soest wurde aber abgewehrt. Das Plündern und Brandschatzen in der gesamten Region nahm kein Ende.
Endlich verließ Christian am 3. Mai 1622 die verwüstete Region, es gab keine Zugtiere mehr für die Landwirtschaft. Er zog mit seinen Söldnern weiter, gewann am 29. August 1622 die Schlacht von Fleurus/Belgien, in der er am linken Oberarm so schwer verwundet wurde, dass der amputiert werden musste. 1622 starb er möglicherweise an den Spätfolgen der Amputation. Alte Leute erinnern sich noch an das Gebet, das in dieser Zeit entstanden ist:
»Horch Kind, horch wie der Sturmwind weht
und rüttelt am Erker.
Wenn der Braunschweiger draußen steht,
der fasst uns noch stärker.
Lerne beten, Kind, und falten fein die Händ’,
dass Gott noch den tollen Christian von uns wend.«

 
     
... veröffentlicht im Heft 152 / Frühjahr 2018, Seiten 10 und 11
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Prager Fenstersturz 23. Mai 1618
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