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ense-press - ... zwischen Ruhr und Möhne ... an der Haar notiert ...

Sauerland im Fr√ľhen Mittelalter |
Die Eroberung von Belecke und der Tod des Königssohns Thankmar in Marsberg am 28. Juli 938
... von Dr. Bernd Kirschbaum, Ense
Was wissen wir eigentlich √ľber das Geschehen in unserer Region vor 1100 Jahren, als der Herzog Heinrich von Sachsen K√∂nig des ostfr√§nkischen Reiches wurde? Um es ganz deutlich zu sagen: Nichts ‚Äď oder fast nichts. Schriftliche Aufzeichnungen sind sehr d√ľrftig, tendenzi√∂s und sagen fast nichts √ľber das Leben der einfachen Leute aus und auch √ľber hochgestellte Pers√∂nlichkeiten nur wenig. Nur manchmal f√§llt ein Schlaglicht in unsere Region in dieser Zeit. Aber der Reihe nach ...

Der letzte legitime Nachfahre Karls des Gro√üen war Ludwig IV., ¬Ľdas Kind¬ę (*Sept. oder Okt. 893 in Alt√∂tting; ‚Ć20. oder 24. Sept. 911 in Frankfurt am Main), K√∂nig seit 4. Februar 900, ein schwacher Herrscher, denn die Stammesherz√∂ge waren deshalb m√§chtiger.

Die Zeit seines Nachfolgers, des K√∂nigs Konrad (*um 881; ‚Ć23. Dez. 918 in Weilburg an der Lahn; beerdigt in Fulda), seit 906 Herzog von Franken und von 911-918 K√∂nig des Ostfrankenreichs, ist an historischen Quellen √§u√üerst karg. Die Streitigkeiten zwischen m√§chtigen Adelsfamilien um die Vorherrschaft im Reiche wurden mit brutaler Waffengewalt ausgetragen, und das Sengen und Morden hatte kein Ende. Dazu kam noch die st√§ndige Gefahr durch Ungarneinf√§lle, die auf schnellen Pferden ausger√ľstet mit einem Reflexbogen als unbesiegbar galten und fast jedes Jahr das Land mit raschen √úberf√§llen, Pl√ľnderungen, Mord und Brand heimsuchten. Wegen der unterschiedlichen Stammesinteressen war es schwer f√ľr den K√∂nig, das Reich zusammenzuhalten, zumal er auch keinen Erben pr√§sentieren konnte, denn seine Ehe war kinderlos geblieben, und er litt an einer schweren Verwundung. So befahl der sterbende K√∂nig seinem j√ľngeren Bruder Eberhard (um 885; gefallen am 2. Okt. 939 bei Andernach, ab 918 Herzog von Franken) in Forchheim auf die Krone zu verzichten, und dem m√§chtigen Herzog Heinrich von Sachsen als seinem Nachfolger die Insignien der Staatsgewalt zu √ľbergeben.

Auf der Reichsversammlung in Fritzlar zwischen dem 14. und 24. Mai 919 wurde Heinrich zum K√∂nig erhoben. Dass er die Nachricht am Vogelherd in Quedlinburg erhalten habe, ist also nur eine sch√∂ne Geschichte, genauso wie sein Beiname ¬Ľder Vogler¬ę erst im 12. Jahrhundert erw√§hnt wird. Das angetretene Erbe war schwer, das Land innerlich zerrissen und von au√üen bedroht. Jede Entscheidung des K√∂nigs fand sofort ihren Widerstand. Zwar schaffte er es, die Ungarn gegen Tributzahlungen zun√§chst zu einem Waffenstillstand zu bewegen. Als sie aber 932 die f√§llige Tributzahlung einkassieren wollten, wurde ihnen ein toter Hund vor die F√ľ√üe geschleudert. Eine Kampfansage! Am 15. M√§rz 933 besiegte das neu aufgestellte und ausgebildete Heer des K√∂nigs die Ungarn vernichtend bei ¬ĽRiade¬ę, was nicht mehr genau zu bestimmen ist. Auch gegen die Slaven erzielte er Erfolge, aber, obwohl er die Stammesherz√∂ge weitgehend unbehelligt lie√ü, kostete die innere Opposition Kraft.
  Der Sachsenherzog Heinrich lebte zun√§chst mit einer Frau namens Hatheburg von Merseburg (*876 in Merseburg; ‚Ćan einem 21. Juni nach 909) zusammen in einer ¬ĽFriedelehe¬ę, die von der Kirche nicht anerkannt wurde. Sie war eine Tochter des reichen Adeligen Erwin von Merseburg, die nach kurzer Ehe mit einem nicht mehr namentlich bekannten Mann bereits verwitwet war. Aus dieser Verbindung stammte sein √§ltester Sohn Thankmar, auch Tammo genannt. (*900/906; ‚Ć28. Juli 938 in Kirche zu Marsberg). Von kirchlicher Seite wurden Bedenken gegen diese Ehe vorgebracht, indem argumentiert wurde, Hatheburg sei nach dem Tode ihres ersten Mannes Nonne geworden und deshalb sei die Ehe ung√ľltig. Heinrich trennte sich von ihr. Sie ging als √Ąbtissin in ein nicht n√§her bekanntes Kloster. Mathilde (*um 895 in Enger; ‚Ć14. M√§rz in Quedlinburg) aus der Nachkommenschaft des Sachsenherzogs Widukind wurde im Jahre 909 seine neue Ehefrau, die ihm drei S√∂hne Otto, Heinrich und Brun(o), sowie zwei T√∂chter Gerberga und Hadwig gebar.

Der dritte und j√ľngste Sohn, Brun oder Bruno (*925; ‚Ć11.Okt. 965 in Reims) wurde der Kanzler des Reiches und ab 953 Erzbischof von K√∂ln und Herzog von Lothringen. 954 gr√ľndete er das Patrokli-Stift auf eigenem Land in Soest, wohin er 964 die Reliquien des Heiligen von Troyes √ľberf√ľhren lie√ü. Der zweite Sohn hie√ü wie sein Vater Heinrich (*919/ 922; ‚Ć1. Nov. 955 in P√∂hlde am Harz), war seit 948 Herzog von Bayern.

Der √§lteste Sohn und Nachfolger seines Vaters war Otto (*23. Nov. 912; ‚Ć7. Mai 973 in Memleben). Nach dem Tode seines Vaters wurde er Herzog von Sachsen und K√∂nig des ostfr√§nkischen Reichs, wobei die fr√§nkische Tradition gebrochen wurde, wonach das Reich unter den m√§nnlichen Nachkommen geteilt werden musste; Thankmar war von Heinrich ausdr√ľcklich von der Nachfolge ausgeschlossen worden, das Erbe seiner Mutter hatte er auch nicht erhalten.

Es war eine Zeit, in der sich Rechtsbr√§uche √§nderten, bzw. vereinheitlichten: Das hei√üt in diesem Falle, das ungeschriebene (Gewohnheits-) Recht, das von Stamm zu Stamm sich unterschied, wurde angepasst, z. B.: Wer war wann wie erbberechtigt, bis hin zur Ehe; denn in (Alt-) Sachsen, zu dem auch unsere Region geh√∂rte, gab es die sogenannte ¬ĽFriedelehe¬ę, bei der die Frau ihren gesamten Besitz behielt im Gegensatz zur Ehe nach dem r√∂mischen Recht, bei der die Besitzt√ľmer der Frau in die Verf√ľgungsgewalt des Mannes kamen.

Die S√∂hne aus der zweiten Ehe Heinrichs wurden mit einflussreichen Positionen versorgt, was im Falle Heinrichs auch nicht ohne Schwierigkeiten ablief. Aber was war mit Thankmar? Den Erbteil seiner Mutter hatte er nicht erhalten und, als noch der einflussreiche und m√§chtige Graf Siegfried von Merseburg (‚Ć10. Juli 937), ein Verwandter seiner Mutter starb, ohne dass Thankmar in irgendeiner Weise ber√ľcksichtigt wurde, denn den Oberbefehl im Kampf gegen die slawischen St√§mme und den Besitz, auf den Thankmar glaubte, Anspruch zu haben, erhielt der sp√§tere Markgraf Gero (‚Ć20. Mai 965 in Gernrode/Harz). Thankmar ging also bislang leer aus. Er war schon gegen seinen Vater wegen dessen Verhalten gewesen, nun verb√ľndete er sich mit Herzog Eberhard von Franken, dem Bruder des 911 verstorbenen K√∂nigs Konrad, dem Schwager des verstorbenen K√∂nigs Heinrich Wichmann (*um 900; ‚Ć23. April 944), war Graf im Bardengau, der von Otto ebenfalls zugunsten seines j√ľngeren Bruders Hermann Billung (‚Ć27. M√§rz 973) bei der Besetzung des Oberkommandos des Heeres √ľbergangen worden war. Au√üerdem war der Herzog Hermann von Schwaben (‚Ć10. Dez. 949), ein Vetter des verstorbenen K√∂nigs Konrad, mit an der Verschw√∂rung beteiligt.

Der Angriff auf K√∂nig Otto erfolgte wohl von S√ľden her, die Burg Belecke, die dem s√§chsischen Herrscherhaus geh√∂rte, wurde erobert und gepl√ľndert. Sie lag wohl an der Stelle der heutigen Altstadt auf den nach Norden weisenden Sporn √ľber dem M√∂hnetal. Beim Kampf um die Burg war Gebhard, der Neffe des Schwabenherzogs Hermann, gefallen, der das als Zeichen Gottes verstand, die Seiten wechselte und sich hinter den K√∂nig stellte. Heinrich, der j√ľngere Bruder des K√∂nigs, wurde dort gefangen genommen und gefesselt ¬Ľwie ein Knecht¬ę zu Herzog Eberhard geschickt, der sich in einem Ort ¬ĽLarum¬ę aufhielt ‚Äď wahrscheinlich ¬ĽLaer¬ę bei Meschede. Thankmar nahm die alte Sachsenfestung Eresburg/ Obermarsberg) ein. Vor den Toren von Laer fiel der Wettiner Dedi. Deshalb vers√∂hnte sich Graf Wichmann mit dem K√∂nig. Die Opposition, die durchaus dem jungen K√∂nig h√§tte gef√§hrlich werden k√∂nnen, war fast zusammengebrochen.
Otto zog im Juli 938 nach Marsberg. Am 28. Juli 938 √∂ffnete die Burgbesatzung ihm die Tore, Thankmar suchte in der Kirche seine Zuflucht, legte seine Waffen nieder und auch seine goldene Kette, die er als Zeichen seiner vornehmen Abstammung trug, auf den Altar, um seinen Verzicht auf alle Anspr√ľche zu erkl√§ren. Die Krieger brachen mit Gewalt die T√ľre auf. Dietbold, einer von Ottos Kriegern, griff Thankmar an, der setzte sich zur Wehr und verletzte ihn so, dass er in Raserei starb. Ein anderer Krieger Mainzia warf seinen Speer durch ein Kirchenfenster, t√∂tete Thankmar und raubte die Kette und die Waffen vom Altar der vom Papst Leo II. 799 geweihten Kirche. Zu dieser Zeit ein unerh√∂rter Frevel!
 
 
K√∂nig Otto war zwar nicht zugegen, aber ersch√ľttert vom Tode seines Halbbruders. Er bestrafte die T√§ter nicht, sondern verurteilte vier Gefolgsleute Thankmars zum Tode. Als der Frankenherzog Eberhard vom Schicksal des Aufr√ľhrers erfuhr, warf er sich dem gefangenen Bruder des K√∂nigs zu F√ľ√üen und bat um Verzeihung. Dieser gew√§hrte sie ihm unter der Bedingung, ihm gegen seinen Bruder Otto die K√∂nigskrone zu verschaffen. Eberhard wurde f√ľr einen Monat nach Hildesheim verbannt.

Heinrich betrieb weiter Opposition gegen seinen k√∂niglichen Bruder, versuchte gar 941 in Quedlinburg, ihn zu ermorden. Der Plan wurde bekannt und nach Gefangenschaft in Ingelheim und reuevoller Bu√üe wurde er Weihnachten 941 in Frankfurt a. M. begnadigt. Diese Vers√∂hnung fand nicht in Quedlinburg statt, wie es die Ballade von Heinrich von M√ľhler: ¬ĽOtto I. und Heinrich¬ę erz√§hlt. Weltgeschichte wurde auch hier geschrieben. ‚ÄĘ




... veröffentlicht im Heft 153, Sommerausgabe 2018, Seiten 10 und 11.


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Die aktuelle Ausgabe, Heft 155:
20.11.2018
Kaspar von F√ľrstenberg (1545-1618)
1368 Grafschaft Arnsberg verkauft
Tod des Königssohns Thankmar 938
Prager Fenstersturz 23. Mai 1618
Hermann V. von Wied und sein R√ľcktritt im Jahr 1547
Johannes Christoph von Böckenförde, gnt. Schüngel
1217 Drüggelte | Ein Kreuzzug beginnt
Bernhard Frick, Weihbischof
Dietrich von Fürstenberg
1246 Gründung Kloster Himmelpforten
1816 | Die Haar wird preußisch
Die Schlacht bei Bremen 1586
Kölner Erzbischof Engelbert von Berg ‚Ć 07.11.1225
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Napoleons Russland-Feldzug, Teil 1, Vormarsch u. Eroberungen
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