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ense-press - ... zwischen Ruhr und Möhne ... an der Haar notiert ...

25. August 1368 |
Gottfried IV. – der letzte Graf von Arnsberg verkauft seine Grafschaft an den Erzbischof von Köln
... von Dr. Bernd Kirschbaum, Ense












Vor dem Verkauf verschenkte der Graf von Arnsberg – ebenfalls im Jahr 1368 – an die damalige Stadt Neheim eine Besitzung mit 925 Morgen (231 Hektar) Land, dem heutigen Stadtwald. Die Schenkung sollte langfristig das Wohlergehen der Neheimer Bürger sichern. Zum Gedenken werden bis heute, wechselnd vom Neheimer Jägerverein oder von der Schützenbruderschaft St. Johannes Baptist in Zusammenarbeit mit der Stadt Arnsberg, die sogenannten Donatorenfeierlichkeiten (Donator = Schenker) organisiert. In diesem Jahr fand die Tradition am 21. Sept. im Kölner Dom und 22. Sept. 2018 in Neheim (u. a. Festgottesdienst und danach das Donatorenmahl) statt.
 

Um es gleich zu sagen, das Kaufdokument ist weg, verschwunden am 3. März 2009 in einer 25 Meter tiefen U-Bahn-Baugrube – mit dem gleichzeitigen Einsturz des Historischen Stadtarchivs in Köln – die Verkaufsurkunde dagegen existiert noch.

Heute machen die Grafen von Arnsberg wegen der Ausgrabung in Wedinghausen wieder von sich reden. Damals ist der »Herbst des Mittelalters«, in dem die alten Regeln des feudalen Staates ihre Gültigkeit verlieren, Feuerwaffen kommen auf und verdrängen die ritualisierten Kämpfe der Ritter, in denen man den Gegner zwar zu besiegte, aber nicht tötete, denn man konnte Pferd und Rüstung verkaufen und Lösegeld für den Gefangenen erzielen. Fehden, d. h. das Austragen von Differenzen mit Waffengewalt, gehörten zur ritterlichen Lebensart. Kaiser Barbarossa hatte sie von Montag bis Mittwoch erlaubt, an den anderen Tagen galt der Gottesfriede. Die ununterbrochenen Fehden und das wirtschaftliche Erstarken der Städte hatten einige Ritter so verarmen lassen, dass sie zu Strauch- und Raubrittern absanken. Mit dem Aufkommen von Adelsgesellschaften mit eigenen Ordenszeichen ging auch die Gründung von Raubrittergesellschaften einher.

Gottfried IV. wurde 1297 oder im Jahr danach geboren als ältester Sohn und Erbe seines Vaters Wilhelm (*um 1277; †1338) und dessen Gattin Beatrix von Rietberg. Mit etwa 40 Jahren trat er 1338 die Nachfolge an. Schon vorher hatte er den Bischof von Münster Ludwig von Hessen (*1282/83; †1357) erfolgreich bekämpft und gefangen genommen, weil dieser nicht für die Untaten seiner Leute in der Grafschaft Arnsberg einstehen wollte. Der Papst hatte ihn darauf gebannt, wovon ihn erst 1335 der neugewählte Papst Benedict XII. lossprach.

Nach einem Landtag in Arnsberg reiste Gottfried 1338 nach Koblenz, wo ihm Kaiser Ludwig IV., der Bayer (*1282/1286; †1347) am 17. August, die für den Regenten der Grafschaft erforderlichen Reichslehen erteilte, im Einzelnen: Gogerichte und Freigrafschaften, die Vogtei über Soest, herzogliche Rechte innerhalb seines Landes (z. B. Recht zur Anlage von Befestigungen), den alten Lüerwald und den Wildforst darin, den Brückenzoll in Neheim und das Recht des Vorstreites zwischen Rhein und Weser im Heere des Kaisers, ein altes Ehrenrecht, denn sonst stand der Vorstreit den Schwaben zu. 1339 ernannte der Erzbischof von Köln Walram von Jülich (*um 1304; †1349) in seiner Eigenschaft als Herzog von Westfalen den Grafen zum Landmarschall. Dieser war sein ständiger Vertreter und Befehlshaber der Streitkräfte in Westfalen.

Das Verhältnis zum Kölner Erzstift war anfänglich gut. 1340 ließ Gottfried die Stadt und Burg (Warstein-) Hirschberg neu befestigen. Der Erzbischof von Mainz Heinrich III. von Virneburg bot ihm gegen vier Fuder Wein aus Lahnstein an, Burgmann auf der Burg Battenberg in der Pfalz auf der linken Rheinseite zu werden, was er mit dem Vorbehalt annahm, sich vertreten zu lassen.

Am 22. Febr. 1342 verlieh Gottfried dem Dorf Bödefeld den Status einer Freiheit, d. h. einer eigenverwalteten Minderstadt. Ein Jahr später war das bislang gute Verhältnis zwischen Gottfried und dem Kölner Erzbischof Walram allerdings so zerrüttet, dass es zum offenen Krieg kam. Bei Nacht und Nebel fiel Adolf von der Mark (†1347) mit seinem Verbündeten in Gottfrieds Grafschaft ein, und zerstörte die erst 1331 neu befestigte kurkölnische an der Grenze zur Mark gelegene Stadt Menden vollständig, auch die Kirche, wobei der Märker die Glocken nach Kamen schickten, den Taufstein nach Unna und »... des Herren Leib aber mit einer Büchse, worin er verwahret, nach Fröndenberg bringen (ließ) mit den Worten: Es gehöre sich, dass der Sohn sich bei seiner Mutter aufhalte.« (Ehem. Zisterzienser-Klosterkirche zu Fröndenberg, der seligen Jungfrau Maria geweiht, ab 1650 Stiftskirche eines Simultan-Stifts für evang. und kath. Damen.)

Ein ungeheurer Frevel, und so erzählte man sich auch die Schauergeschichte: »... wie dieser Graf nach einer vorhergehenden schrecklichen Vision und Prophezeiung bald hernach, und im zweyten Jahre hierauf sein Rathgeber Diderich Sobbe ein Ritter gestorben seye, und wie endlich der Teufel in der Stadt Unna des Sobben Diener erwürget« hat.
Menden wurde umgehend wieder aufgebaut und befestigt mit Gräben und zwölf Türmen, von denen zwei heute noch stehen. In die Befestigung wurde das kurfürstliche Amtshaus, von dem der sog. Rentschreiberturm noch existiert, mit einbezogen.

Die verbündeten Grafen von Arnsberg und von der Mark zerstörten 1343/44 – das genaue Datum ist unbekannt – die kurkölnische Burg Fürstenberg in Ense. So fand man im Norden der Steinburg sechs schwere Steinkugeln, die möglicherweise von dem kleinen Ringwall auf dem Rolfs-/Raulfsberg aus mithilfe einer riesigen Schleuder katapultiert worden sind. Der Wiederaufbau unterblieb aus finanziellen Gründen. Die Burgmannsfamilie von Fürstenberg baute ab ca. 1350 die Burg Waterlappe bei Bremen aus, die im Jahre 1633 im Dreißigjährigen Krieg endgültig zerstört wurde.

Am 26. Aug. 1346 fand die Schlacht von Crecy in Frankreich statt, in der die Engländer unter Edward III. trotz Unterzahl aufgrund der taktisch weitaus besseren Aufstellung den Kampf für sich entschieden. Langbogen waren die neuen Waffen. Ein geübter Schütze konnte 15 bis 20 mal in der Minute einen Pfeil abschießen, und so konnte man die schweren Panzerreiter auf Distanz halten, denn ein Pfeil konnte auch die beste Panzerung durchschlagen. Fiel ein Ritter von Pferd, konnte er sich kaum aus eigener Kraft wieder aufrichten und war den abgesessenen englischen Rittern ausgeliefert, die ihn meist erschlugen.

Unter den Toten war Johann von Luxemburg (*1296), König von Böhmen und Titularkönig von Polen, ein ehemals berühmter Turnierkämpfer, der als idealer Ritter galt, aber erblindet war und sich dennoch in die Schlacht gestürzt hatte. Der englische Thronfolger übernahm seine Helmzier, die drei Pfauenfedern, und den Wahlspruch: »Ich Dien«, welcher bis heute das offizielle Wappen des Prinzen von Wales ziert.
Der Sohn Johanns Wenzel war ebenfalls mit in die Schlacht gezogen, hatte sich aber daraus unversehrt zurückgezogen. Er wurde vom Kölner Erzbischof Walram am 26. XI. 1346 als Karl IV. (*1316; †1378) im Bonner Münster (falscher Ort) zum deutschen König gekrönt, obwohl Kaiser Ludwig noch lebte. Diese Königswahl entzweite die Fürsten noch mehr. Über Zerstörungen wissen wir wenig, denn der Beginn der großen Pest-Epidemie fällt in diese Zeit.

Gottfried eroberte und zerstörte vor 1357 Winterberg im Kampf gegen den Erzbischof Wilhelm von Gennep (†1362). Er zerstritt sich mit seinem bisherigen Verbündeten, dem Grafen von der Mark, wegen des Schlosses und Landes Fredeburg; er konnte zwar das Schloss behalten, verlor aber die Burg Schwarzenberg bei Plettenberg an den Märker. Der Erzbischof Wilhelm vermittelte einen Frieden, in dessen Folge sich Gottfried dem Erzbischof annäherte, der aber bald darauf starb.

Der Nachfolger war Adolf von der Mark (* um 1334; † 1394), der – obwohl kein Priester – seit 1357 Bischof von Münster, war auch von 1363 bis 1364 Erzbischof von Köln, dann trat er aus dynastischen (familiären) Gründen zurück, nicht ohne seinen Onkel, den Bischof von Lüttich Engelbert III. von der Mark (*1304; †25. Aug. 1368) als Nachfolger zu bestimmen. Durch geschickte Verpfändungen erhöhte dieser den Druck auf den Grafen Gottfried und entzog ihm das Marschallamt. In der wieder aufgeflammten Fehde um Fredeburg wurde 1366 Arnsberg belagert, erobert und eingeäschert.
20 Jahre Fehde und Kampf haben den Grafen Gottfried IV. müde werden lassen. Wann er Anna von Kleve (†1377/78, aber vor 1. Mai 1392) geheiratet hatte, ist nicht mehr bekannt. Die Ehe war kinderlos, ein Neffe aus dem Hause Oldenburg starb früh, ebenso anderer möglicher Nachfolger. So hatte er sich seinen Untertanen zugewandt: Er verzichtete auf einträgliche Rechte wie auf die hohen Gerichte zu Körbecke und Schmallenberg, auf Galgen und Rad zu Westrich.

Neheim wurde am 25. Juli 1358 zur Stadt erhoben und erhielt 1360 einen Jahrmarkt, HĂĽsten und Freienohl wurden zu Freiheiten.

Der Kölner Erzbischof Engelbert III. war krank und benötigte einen Koadjutor (Beistand), den er in dem Erzbischof von Trier Kuno II. von Falkenstein (* um 1320; †1388) erhielt. Dieser versuchte, im Streit zwischen Arnsberg und Kurköln zu vermitteln, und führte schon zu Lebzeiten Engelberts III. von der Mark Verhandlungen über den Ankauf der Grafschaft. Dieser erfolgte beim Tode des Erzbischofs.
  FĂĽr 130.000 Gulden wechselte die Grafschaft am 25. August 1368 mit allen Zubehör, Rechten und AnsprĂĽchen den Besitzer. Damit fiel auch Grenze, die quer durch Ense verlief, obwohl man damals von Territorien im engeren Sinne noch nicht sprechen konnte. Die Burg FĂĽrstenberg war kurkölnisch, auch die Burg Waterlappe und Wickede, dagegen waren die Orte Körbecke, Ober- und Niederense sowie Bremen und Neheim arnsbergisch, wie man z. T. aus der Verkaufsurkunde entnehmen kann. Zuvor hatte Gottfried 1368 den Neheimern 925 Morgen Wald geschenkt, worauf die »Donatorenfeier« mit Verteilung von sĂĽĂźen Brötchen (»StĂĽtchen«) zurĂĽckgeht. In Alt-Arnsberg wird mit dem »Grafenbegängnis« seiner gedacht.

Der alternde Graf erhielt das Amt und die Burg Brühl als Wohnsitz, wo er am 21. Febr. 1371 starb und als einziger weltlicher Herrscher im Kölner Dom beigesetzt wurde, wo sein Hochgrab heute noch zu sehen ist. Seine Witwe lebte danach in der Burg Wildshausen (bei Oeventrop). Wann sie gestorben ist, wurde nicht überliefert.

Ob die gewaltige Summe von 130.000 Gulden je vollständig gezahlt wurden, ist auch nicht bekannt, wahrscheinlich ist die Quittung auch mit dem Stadtarchiv von Köln in der U-Bahn Baugrube verschwunden. •


... Heft 154, Herbstausgabe 2018, Seiten 10 und 11
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Peter Haase
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Die aktuelle Ausgabe, Heft 154:
18.09.2018
1368 Grafschaft Arnsberg verkauft
Tod des Königssohns Thankmar 938
Prager Fenstersturz 23. Mai 1618
Hermann V. von Wied und sein RĂĽcktritt im Jahr 1547
Johannes Christoph von Böckenförde, gnt. Schüngel
1217 Drüggelte | Ein Kreuzzug beginnt
Bernhard Frick, Weihbischof
Dietrich von Fürstenberg
1246 Gründung Kloster Himmelpforten
1816 | Die Haar wird preußisch
Die Schlacht bei Bremen 1586
Kölner Erzbischof Engelbert von Berg † 07.11.1225
Wallfahrten
Gründung des Klosters Scheda
Adolf von Hatzfeld
Vorstenburg auf Richters Köpfchen über dem Ruhrtal
Die Not in der Zivilbevölkerung im 1. Weltkrieg 1914/18
Soester Fehde, Teil 2/2
Soester Fehde, Teil 1/2
Freiwillige Arnsberger Jäger-Kompanie als leichte Infanterie 1814 gegen Napoleon
1813 - Kosaken auf der Haar
Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 2 von 2
Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 1 von 2
Telegraphenlinie via Echtrop - Höingen
Napoleons Russland-Feldzug, Teil 2, der Rückzug
Napoleons Russland-Feldzug, Teil 1, Vormarsch u. Eroberungen
Kalenderreform 1582
Ernst von Bayeren stirbt am 17. Februar 1612 in Arnsberg
Goldfeuer bei Günne
1586 die Schlacht bei Bremen
Kaspar Schwarze, gnt. Betkaspar
Von Hexen und Ketzern
Wiedenbergkapelle
Niederenser Feldkreuz
100 Jahre Schützenhalle Bremen
Pängel Anton und Deutsches Wirtschaftswunder in Ense
Heimatgeschichte-Archiv
Alte Gewichte, Maße und Münzen
Delecke: 75 Jahre Bismarckturm
Kutsche 1948 in Niederense verunglückt
Ehemaliges Totenläuten vom Niederenser Spritzenhaus
St. Anna-Kapelle
Haus Soerries-Schulte 200 Jahre alt
Farmhouse Soerries-Schulte 200 years
25 jähr. Partnerschaften mit Ense
Klosteranl. Himmelpforten bis 1943
Ense im Mittelalter
Haarstrang 390 Mio. Jahre
Hellmichs 167 Jahre Küster
Gut Oevinghausen Teil 2
Gut Oevinghausen Teil 1
B.Soerries 1883 emigriert
B.Soerries emigrates 1883
Forsthaus Himmelpforten
Tante Emma Laden
Bericht aus 1813
Bauernhaus an der Haar
Badehaus Fürstenberg
Drüggelter Kapelle
90 Jahre Möhnetalsperre
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