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ense-press - ... zwischen Ruhr und Möhne ... an der Haar notiert ...
Vor 400 Jahren
Kaspar von FĂĽrstenberg (1545-1618)
– stirbt in Arnsberg


... von Dr. Bernd Kirschbaum, Ense

Die Burg Waterlappe in Bremen (Kreis Soest), heute Ense, die nach ihrer Zerstörung im Jahre 1633 fast spurlos verschwunden ist, war seit ihrem Bau um 1350 vom ausgehenden Mittelalter bis in die frühe Neuzeit der wichtigste Sitz der Familie von Fürstenberg, nachdem die kurkölnische Burg (auf dem Fürstenberg) über dem Ruhrtal, von der die Familie ihren Namen führt, 1343/44 durch die verbündeten Grafen von der Mark und von Arnsberg zerstört worden war. Zu Anfang des 16. Jahrhunderts um 1510/1511 wurde auf dieser Burg Waterlappe Friedrich von Fürstenberg geboren (†11.03.1576). Er legte durch kluge Politik den Grundstein für den Aufstieg der Familie, die in der Reformation katholisch blieb und bis zum Ende des alten Reiches eng mit den katholischen Institutionen verbunden war. Sein Vater war der kurkölnische adlige Rat und Droste der Ämter Waldenburg (am Biggesee) und Bilstein, ebenfalls Friedrich genannt. Dieser Sohn Friedrich tritt zum ersten Mal urkundlich in Erscheinung, als sein Vater 1536 anlässlich der Heirat mit Anna von Westphalen ihm die Burg bei Ense-Bremen überschrieb. Dieses Ehepaar hatte zehn Kinder, drei Söhne und sieben Töchter. Der Älteste, wiederum Friedrich (1539-1608) genannt, wurde Domherr in Mainz und Paderborn, weil er kein Interesse hatte, das Familienerbe, zu dem auch eine Menge Schulden gehörte, anzutreten: Von dem zweiten Sohn Kaspar (*11.11.1545 auf Burg Waterlappe; †5.03.1618 in Arnsberg), der die Fortführung der Familie übernahm, wird im Folgenden die Rede sein.
 
Der dritte Sohn Dietrich war ebenfalls für eine geistliche Laufbahn vorgesehen und kam am 7.10.1546 (nach anderen Quellen am 27.09., Kalenderwechsel?) auf der Burg Waterlappe im heutigen Ense zur Welt. Drei Töchter traten in den geistlichen Stand: Ottilie (*? 02.1548 auf Burg Waterlappe; †07.03.1621) Äbtissin von Oelinghausen und Neuenheerse, Anna (*vor 1568; †29.11.1626; Äbtissin seit 1621), ihre Nachfolgerin in Oelinghausen, Ursula wurde Nonne im Kloster Himmelpforten, starb aber schon mit 18 Jahren. Die anderen vier Schwestern heirateten in den westfälischen Adel, bzw. Paderborner Stiftsadel ein. Die Erziehung der drei Söhne übernahm ab 1555 der Humanist und Rektor des Dortmunder Gymnasiums Friedrich Beurhaus (Bevrhvsivs; *10.11.1536; †06.08.1609), obwohl der einen protestantischen Hintergrund hatte. Später begleitete Beurhaus die drei Brüder auch zur Universität nach Köln. Kaspar studierte Jura und wurde im Jahre 1566 zum Lizenziaten der Rechte promoviert und arbeitete am Reichskammergericht, was sich damals in Speyer befand, bis ihn der Tod (1567) seines Vaters nach Westfalen zurückführte. Er übernahm die Aufgaben seines Vaters als Droste von Bilstein und Waldenburg, sein Amtssitz war die Burg Bilstein.

1573 heiratete er Elisabeth von Spiegel zu Peckelsheim (*1547– †1587), mit der er acht Kinder hatte, darunter Friedrich v. F. (*01.03.1576; †09.08.1646), der sein Erbe werden sollte und Johann Gottfried v. F. (*01.02.1579; †11.09.1624). In zweiter (morganatischer) Ehe heiratete er seine Haushälterin Anna Busse aus Medebach, mit der er insgesamt neun Kinder hatte, die zwar als ehelich geboren galten, aber erbrechtlich nicht gleichgestellt und auch nicht adelig waren. Insgesamt hatte er die stolze Zahl von 18 Kindern, denn ein uneheliches, was vor seiner ersten Heirat geboren war, kommt noch hinzu.

Der Kölner Erzbischof Salentin von Isenburg (*1532; †19.03.1610, von 1567 bis 1577 Erzbischof und Kurfürst von Köln, von 1574/77 auch Fürstbischof von Paderborn) schickte ihn 1568 als Gesandten zum Kreistag nach Münster und ernannte ihn 04.08.1570 zum adligen Rat für Westfalen. Danach war Kaspar häufig für seinen Landesherrn in verschiedenen Landes- und Reichsangelegenheiten unterwegs. Kaspar gelang es 1573, die Vogtei über das Benediktiner – Kloster Grafschaft zu erringen, nachdem im Jahr zuvor mit Jobst (†15.09.1572 in der Burg Ober-Ense bei Korbach) der letzte Vogt aus dem Geschlecht der Edelherren von Grafschaft gestorben war.

Auch nachdem Salentin, – er war kein Priester –, 1577 von seinen Ämtern zurückgetreten war, geheiratet hatte und Gebhard Truchsess von Waldburg-Trauchburg (*10.11.1547; †31.05.1601) zum Erzbischof gewählt worden war, sah man ihn in ähnlichen Missionen. Das änderte sich als Gebhard, der seit 19.03.1578 Priester war, Protestant wurde und gar am 02.02.1583 in Bonn die schöne Gräfin Agnes von Mansfeld (*1551; †1637) heiratete, denn ihre zahlreichen Brüder waren mit einer Rolle als Mätresse des Erzbischofs für ihre Schwester nicht einverstanden.

Der Kölnische Krieg brach aus. Die katholisch gebliebenen Räte des Herzogtums Westfalen waren gezwungen, das Land zu verlassen. Kaspar v. F. ging zu seinem alten Lehrer Friedrich Beurhaus in die Freie Reichsstadt Dortmund, wohin auch andere Räte geflohen waren.
So verlor er damit zeitweilig alle seine Güter. Gebhard Truchsess wurde als Erzbischof abgesetzt und Ernst von Bayern (*17.12.1554; †17.02.1612 in Arnsberg) am 22.05.1583 an seiner Statt zum Erzbischof und Kurfürst gewählt. Da Ernst auch Fürstbischof von Freising (seit 1566), Hildesheim (seit 1573), Lüttich (seit 1581), Münster (seit 1584) und Fürstabt der Reichsabtei Stablo – Malmedy (seit 1581) war, weitete sich Kaspars Tätigkeitsfeld immer weiter aus. Es gelang ihm, 1584 das Drostenamt in Fredeburg vom Kurfürsten zu erhalten. Als sein jüngerer Bruder als Dietrich IV. (auch Theodor genannt) am 05.05.1585 zum Fürstbischof von Paderborn gewählt worden war, erweiterte sich sein Aufgabenspektrum immer weiter, denn er wurde nun auch noch Rat des Fürstentums Paderborn (08.04.1586), 1588 auch noch Amtmann des Kurfürsten von Trier für die Ämter Fritzlar und Naumburg, die er aber seinerseits wieder von einem Schultheißen verwalten ließ, aber nach Trier reiste er dennoch öfter.

Er versuchte mit großem Erfolg, seinen Besitz ständig zu vermehren, indem er Güter auf dem Lande und Häuser in der Stadt aufkaufte. Im Jahre 1594 wurden die Kaufverträge zwischen Bernhard Vogt von Elspe und Hennecke Schüngel einerseits und Kaspar v. F. andererseits über den Verkauf der Burg Schnellenberg bei Attendorn abgeschlossen. Bei den Verhandlungen kam die Vermutung auf, die Burg sei möglicherweise »reichsfrei« gewesen, also direkt vom Kaiser abhängig. Kaspar ließ sich auch in die Wetterauer Bank der Reichsritterschaft aufnehmen und ließ über seinem Wappen in der Burg den heute noch vorhandenen kaiserlichen Doppeladler anbringen als Zeichen seiner Reichsunmittelbarkeit. Die endgültige Entscheidung über diesen Status ließ auf sich warten, 217 Jahre, denn erst am 17.09.1812 stellte das Appellationsgericht in Darmstadt fest, die Burg sei nach der Reichsverfassung »reichsunmittelbar« gewesen. Nur das Reich gab es da auch nicht mehr. Man kann annehmen, dass er wohl gern zum Reichsgrafen avanciert wäre, aber das hat nicht sollen sein. Er ließ die Burg im Stil der Spätrenaissance als Residenz ausbauen und kostbar ausstatten. Ein Teil davon ist heute noch vorhanden, der andere im Schloss Herdringen.

1604 gab er aus Krankheits- und Altersgründen sein Amt als Rat auf. Dennoch war er weiter im Dienste des Kurfürsten unterwegs. So nahm er 1612 an der Krönung des Kaisers Matthias in Frankfurt teil. Bereits am 30.05.1600 war der Landdrost von Westfalen Eberhard Graf zu Solms - Lich (*11.02.1530) in Hirschberg gestorben, einen Nachfolger gab es zunächst nicht. Der neue Kurfürst (seit 1618) von Köln Ferdinand von Bayern (*06.10.1577; †13.09.1650 in Arnsberg), ein Neffe seines Vorgängers, benötigte aber dann doch einen Verwaltungschef im Herzogtum Westfalen, so wurde Kaspar v. F. 1613 auch noch Landdrost, was er bis fast zu seinem Tode auch bleiben sollte, nämlich bis zum 18.01.1618.

Von 1572 bis 1610 hat er tagebuchähnliche Aufzeichnungen in einem Schreibkalender vorgenommen und fast zu jedem Tag in Hochdeutsch, Latein und Griechisch aufgeschrieben, was ihm wichtig war. Bis auf einige sind alle erhalten, leider fehlt u. a. der aus dem Jahr 1583, in dem die Aufzeichnungen über die Auseinandersetzungen mit dem Erzbischof Gebhard Truchsess gewesen sein müssen. Diese Tagebücher sind eine Fundgrube für das Leben vor dem 30-jährigen Krieg, was Essen, Trinken, Lebensweise, Hochzeiten und sonstige Feste, Musik, Gärtnerei usw. anbelangt, so werden auch die Kartoffeln (»Tartoffli«) 1604 hier zum ersten Mal erwähnt, aber auch Krankheiten, z. B. die Pest von 1598, Kaspar selbst litt an Gicht (Podraga).

Aus seinen Tagebüchern lässt sich auch seine anfängliche Toleranz gegenüber den Protestanten erkennen, die sich allerdings nach und nach verflüchtigte. Er war auch Richter in seinen Amtsbezirken bis hin zur Blutgerichtsbarkeit. So stand er den Hexenprozessen anfänglich sehr skeptisch gegenüber, bis er glaubte, die angebliche Hexe Dorothea Becker (*um 1535; †1609) sei für den Tod seiner ersten Frau (1587) verantwortlich. Dorothea wurde allerdings freigesprochen. Aber etliche Hexen und Zauberer wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Schon am 26.06.1598 hatte er sein Testament aufgesetzt, in dem er seinen Nachlass regelte. Er starb am 5. März 1618 in Arnsberg und wurde in der Klosterkirche von Wedinghausen beigesetzt. •

... veröffentlicht im Heft 155, Seiten 10 und 11, Winterausgabe 2018/19.
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Die aktuelle Ausgabe, Heft 155:
14.12.2018
Kaspar von FĂĽrstenberg (1545-1618)
1368 Grafschaft Arnsberg verkauft
Tod des Königssohns Thankmar 938
Prager Fenstersturz 23. Mai 1618
Hermann V. von Wied und sein RĂĽcktritt im Jahr 1547
Johannes Christoph von Böckenförde, gnt. Schüngel
1217 Drüggelte | Ein Kreuzzug beginnt
Bernhard Frick, Weihbischof
Dietrich von Fürstenberg
1246 Gründung Kloster Himmelpforten
1816 | Die Haar wird preußisch
Die Schlacht bei Bremen 1586
Kölner Erzbischof Engelbert von Berg † 07.11.1225
Wallfahrten
Gründung des Klosters Scheda
Adolf von Hatzfeld
Vorstenburg auf Richters Köpfchen über dem Ruhrtal
Die Not in der Zivilbevölkerung im 1. Weltkrieg 1914/18
Soester Fehde, Teil 2/2
Soester Fehde, Teil 1/2
Freiwillige Arnsberger Jäger-Kompanie als leichte Infanterie 1814 gegen Napoleon
1813 - Kosaken auf der Haar
Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 2 von 2
Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 1 von 2
Telegraphenlinie via Echtrop - Höingen
Napoleons Russland-Feldzug, Teil 2, der Rückzug
Napoleons Russland-Feldzug, Teil 1, Vormarsch u. Eroberungen
Kalenderreform 1582
Ernst von Bayeren stirbt am 17. Februar 1612 in Arnsberg
Goldfeuer bei Günne
1586 die Schlacht bei Bremen
Kaspar Schwarze, gnt. Betkaspar
Von Hexen und Ketzern
Wiedenbergkapelle
Niederenser Feldkreuz
100 Jahre Schützenhalle Bremen
Pängel Anton und Deutsches Wirtschaftswunder in Ense
Heimatgeschichte-Archiv
Alte Gewichte, Maße und Münzen
Delecke: 75 Jahre Bismarckturm
Kutsche 1948 in Niederense verunglückt
Ehemaliges Totenläuten vom Niederenser Spritzenhaus
St. Anna-Kapelle
Haus Soerries-Schulte 200 Jahre alt
Farmhouse Soerries-Schulte 200 years
25 jähr. Partnerschaften mit Ense
Klosteranl. Himmelpforten bis 1943
Ense im Mittelalter
Haarstrang 390 Mio. Jahre
Hellmichs 167 Jahre Küster
Gut Oevinghausen Teil 2
Gut Oevinghausen Teil 1
B.Soerries 1883 emigriert
B.Soerries emigrates 1883
Forsthaus Himmelpforten
Tante Emma Laden
Bericht aus 1813
Bauernhaus an der Haar
Badehaus Fürstenberg
Drüggelter Kapelle
90 Jahre Möhnetalsperre
Rittergut Oevinghausen
Kunst St. Bernhardus
Kapellchen Hünningen
Lambertus Reliquie
Kunstwerke St. Bernhard Kirche
Speichergebäude Günne
Heiligenhäuschen Gröchte
"Zum Redde" - Bremen
Vorstenburg, Ense
Emmausgang 1939
Korndiemen an der Haar
Mähdrescher und mehr ...
Berühmte Pfarrer Bremen
Schlacht bei Bremen
Prozessionen Bremen
Kapelle Fürstenberg
Kurfürstl. Kolonen 1, Günne
Kurfürstl. Kolonen 2, Günne
Kommunale Wappen
Lambertus-Skulptur, Ense
Enser Schulwesen 1
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Enser Schulwesen 3
The Ruhr Dams Raid
Söbbelers Kreuz
Kloster Himmelpforten (1)
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