... Impressum + Datenschutz
Ense Press - zwischen Ruhr und Möhnesee ... an der Haar ... verteilt
... Aktuelle Ausgabe
... DatenschutzerklÀrung
... Newsmeldungen
... Deadline Annoncen und ... > > Erscheinungstermine
... Preisliste u. Bestellschein
... Kontakt, Impressum
... Heimatgeschichte
... Künstler
... Vereine
... Regionale Wirtschaft
... Medizinische Notdienste
... haase-druck
... Impressum + Datenschutz
... Heimatverein Ense-Bremen
... Heimatverein Möhnesee
... ReisefĂŒhrer-Möhnesee
ense-press - ... zwischen Ruhr und Möhne ... an der Haar notiert ...

Der schwarze Tod |
Die Pest im spÀten Mittelalter
... von Dr. Bernd Kirschbaum, Ense




















Übersicht ĂŒber die SeuchenzĂŒge der Pest in unserer Region ohne Anspruch auf VollstĂ€ndigkeit:
 

1202 Pest wĂŒtet grĂ€sslich in ganz Europa, auch in Arnsberg.
1349 Pest in Arnsberg, in Soest 10.000 Tote. Pest in Soest, 6.000 Tote.
1429 u. 1450 Pest in Soest.
1493 Arnsberg: unsĂ€glich heißer Sommer. Die Seuche und Krankheit der »Franzosen« zum ersten Mal in Deutschland. Teuerung: Ein schwerer Ochse kostet 3,- Gulden.
1494 u. 1517: Pest in Soest.
1520 Arnsberg: sehr milder Winter mit Pest.
1529 Arnsberg: Hungersnot, Wein war sauer wie Essig. In Deutschland herrschte eine pestartige Krankheit, die »englische Krankheit« genannt, weil sie 1468 in England war. Binnen 24 Std. starben viele Tausend Menschen.
1529 Werl: Am »englischen SchweiĂŸÂ« starb ein Drittel der Einwohner, ganze Straßen waren leer.
1535 Werl: reiche Ernte, zugleich Pest.
1542 u. 1566 Pest in Soest.
1572 Arnsberg: vom 2. November bis zur Fastenzeit Schnee, der bis zur Lende reichte. Großer Mangel, Pest.
1580 Pest in Soest: 1815 Tote.
1588 Arnsberg: Böse Zeit, es regnet 23 Wochen. In Dezember warf ein Sturm HĂ€user und TĂŒrme um. Im Juni folgte die Pest, so furchtbar, dass in der Stadtkapelle von da an die 7:00 Uhr die Messe gelesen wurde.
1595 Pest in Soest,
1597 in Arnsberg und in Soest: 1863 Tote.
1598 Pest wieder ausgebrochen in Arnsberg und Soest, 1416 Tote.
1599 u. 1606 Pest in Arnsberg, ebenfalls in Soest.
1607 Viel Schnee, Überschwemmung und Pest in Arnsberg.
1611 Pest in Soest.
1625 Arnsberg: 90 Menschen starben an der Pest.
1631 Arnsberg: Pest grassierte von Juli bis Februar.

Hierzu ein Auszug aus Chronik des Klosters Wedinghausen:

Vornehme aus der Stadt kamen zu uns nach Wedinghausen und ĂŒbten sich im Scheibenschießen. Einer von ihnen wurde befallen, sagte den anderen Lebewohl, ging und starb. Von den BrĂŒdern (des Klosters Wedinghausen) blieb nur Anton, von den Priestern blieb nur Norbertus Graes hier. Alle ĂŒbrigen gingen nach Rumbeck oder Moosfelde. Michael ReinÂŹharz, spĂ€ter Abt von Wedinghausen, damals noch jung, merkte beim Ministrieren die Pestbeulen auf seiner Hand nicht. Er ging mit Prior Bering nach Moosfelde, schlief mit ihm in einem Zimmer und steckte ihn an. Als sie nach Werl gingen, erkrankte dieser wurde auf einer Karre hinterher (nach Werl)gebracht und starb nach 28 Stunden. Reinharz ĂŒberlebte. Am gleichen Tage starb im Sommerhause der frĂŒhere Subprior Johann Leermann. F(rater) Paulus Westermeier starb an Pest am 8. September. Eine treue Magd sagte: »Ich will hier aushalten.« Sie wurde ergriffen und tot in der HĂŒtte gefunden. Es starben ca. 55 Personen.

1634 Werl: Erneut Pest. Das Elend dauert an, Spottpreise fĂŒr Ackerland.
1635 Arnsberg: Pest, die Stadt ließ »Notbretter schneiden«, um auf der Haar Baracken zu errichten. Pest verbreitete sich ĂŒber die Dörfer, auch in Neheim. In Soest starben viele Menschen. In Trier starb der Jesuit und Kritiker der Hexenprozesse Friedrich von Spee an der Pest.
1636 Arnsberg: keine Kontributionen wegen der Pest.
1666/67 Arnsberg: Pest.

Damit soll die Übersicht beendet sein und zurĂŒck zum ausgehenden Mittelalter:
Im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation regierte 1349 Karl IV. (*1316; †1378), der Sohn des in der Schlacht von CrĂ©cy zwischen den EnglĂ€ndern und den Franzosen gefallenen, blinden Königs Johann von Böhmen (*1296; †26. August 1346) aus dem Geschlecht der Luxemburger. In Arnsberg regierte seit 1338 der letzte Graf Gottfried IV., in der Grafschaft Mark der Graf Engelbert III. (* um 1330; †1391). Gert van der Schuren (*um 1411;† 1496) schreibt in seiner Clevischen Chronik:
In dem Jahr 1347 vor St. Severinstag starb Graf Adolph von der Mark in dem Lande von Geldern, ĂŒber welches Land er zu der Zeit ein Vormund war, und er wurde zu Fröndenberg (in der Stiftskirche) begraben, und Engelbert (
), sein Sohn, wurde Graf von der Mark nach ihm.

Im darauffolgenden Jahr (1348) schloss dieser einen Landfrieden mit den BistĂŒmern Köln und MĂŒnster, der Grafschaft Arnsberg und den StĂ€dten Dortmund, Soest und MĂŒnster, und hielt 1348 ein glĂ€nzendes Turnier vor der Osterpforte zu Hamm, denn das SpĂ€tmittelalter war auch eine Zeit reprĂ€sentativer Feste und festlicher AufzĂŒge. Gert van der Schuren berichtet:

In seinem zweiten Jahr, als er ein Grafen von der Mark geworden war, berief er eine herrliche Hofhaltung und Turnier zu Hamm außerhalb der Osterpforte ein auf dem Sand; dazu waren sehr viele vornehme MĂ€nner und schöne Frauen und Jungfrauen eingeladen, und die Hofhaltung dauerte bis an den dritten Tag.

Dann aber fĂ€hrt er fort: In den beiden Jahren (nach 1348) danach kam ĂŒberall eine große Pest, also dass in Hamm nicht mehr als zehn Paar Eheleute vom Tod verschont blieben.

Es ist dies die große Pestepidemie des Mittelalters, die in verschiedenen SchĂŒben durch Europa gerast ist und riesige Opfer gefordert hat. Aus der Stadt Kaffa/Feodosia auf der Krim, die damals von den Tataren belagert wurde, die mit ihren Wurfmaschinen Leichen von an der Pest Gestorbenen in die Stadt geschleudert hatten, war sie auf einer Galeere fliehender Kaufleute bis nach Italien gelangt und hatte sich rasend schnell verbreitet.

In vielen Gegenden des deutschsprachigen und nordfranzösischen Raums kam es zu Judenpogromen, die Papst Clemens VI. (1290-1352) im Juni und September 1348 zu zwei pÀpstlichen Bullen veranlassten. Sie stellten die Juden unter den pÀpstlichen Schutz und drohten Verfolgern mit der Exkommunikation.

Literatur: zum Bild Judenpogrom in der Stadt Strasbourg im Zusammenhang mit dem »Schwarzen Tod« 1349 (Émile Schweitzer, 1849); Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/9b/Pogrom_de_Strasbourg_1349.jpg?uselang=de)
Erreger und ÜbertrĂ€ger:

Der Name »Pest« stammt vom Lateinischen »pestis«, was so viel wie »Seuche« oder »Verderben« heißt. Es war wahrscheinlich keine durch Flöhe vom Tier auf den Menschen ĂŒbertragene Krankheit, auch nicht durch Wanderratten bzw. Haus- und Schiffsratten, sondern von Mensch zu Mensch durch Flöhe und andere Parasiten ĂŒbertragene tödliche Krankheit. Neuere Forschungen haben ergeben, dass es zu der Zeit kaum Ratten gab, die spĂ€ter hauptsĂ€chlich als Zwischenwirte fĂŒr eine Infektion angesehen wurden. Es lassen sich vier Formen unterscheiden:

1.) Beulenpest beginnt nach einer Inkubationszeit von zwei bis zehn Tagen mit schmerzhaften EntzĂŒndungen der regionalen Lymphknoten, die sich zu GeschwĂŒren ausbilden können. Etwa die HĂ€lfte der Befallenen ĂŒberleben sie nicht.

2.) Lungenpest bricht ein bis zwei Tage nach der Ansteckung durch Tröpfcheninfektion aus und endet, unbehandelt, am zweiten bis fĂŒnften Tag tödlich.

3.) Pestsepsis, eine Blutvergiftung durch den Erreger, endet fast immer tödlich.

4.) Bei der Pest gibt es außerdem noch eine milde verlaufende Variante, die nur mit leichtem Fieber einhergeht und in der Regel keine tödlichen Folgen nach sich zieht.

Anmerkungen zu 1.) bis 3.):
Diese Symptome beschreibt Giovanni di Boccaccio (*1313; †1375) in der RahmenerzĂ€hlung seines Novellenzyklus‘ »Decamerone«, denn es ist nicht von vorn herein klar, was die Menschen im spĂ€ten Mittelalter unter der Krankheit »Pest« verstanden haben. Einige andere epidemischen Seuchen sind bis heute nicht eindeutig bestimmbar, z. B. der »englische SchweiĂŸÂ«.

Verlauf der Pest
Die Auswirkungen waren katastrophal, in Florenz starben in kurzer Zeit mehr als ein Drittel der Bevölkerung, denn in der Zeit um 1350 gab es keinerlei medizinische Möglichkeiten, den Erkrankten zu helfen.

In der mĂ€chtigen Stadt Siena in der Toskana, dem Finanzzentrum der damaligen Welt, war durch die Tausenden von TodesfĂ€llen das gesamte wirtschaftliche und moralische GefĂŒge durcheinander geraten. Noch heute kann man die Reste der damals aufgegebenen »Grande Cattedrale« am dortigen Dom besichtigen. Der projektierte Riesenbau musste eingestellt werden – aus Geld- und Personalmangel –, die Menschen starben einfach weg. Ganze Familien fielen der Krankheit zum Opfer, niemand konnte oder wollte verstĂ€ndlicherweise die Kranken pflegen oder die Pesttoten beerdigen, das Ende der Welt schien nahe, wie das Giovanni di Boccaccio in der Einleitung zu seinem »Decamerone« plastisch beschreibt.

Die Pest ĂŒberschritt die Alpen. In Deutschland starben die Menschen zu Tausenden in den StĂ€dten, und auch auf dem Lande war es nicht besser, die Ernten wurden nicht eingebracht, weil die Bauern gestorben sind, viele Höfe fielen wĂŒst, herrenloses Vieh irrte umher, »nur die Raben krĂ€chzten«. Allgemein wird angenommen, dass etwa ein Drittel der Bevölkerung Mitteleuropas der Epidemie zum Opfer fiel, in England sogar fast zwei Drittel.

Es war eine wilde Zeit, in der die Fehden kein Ende nehmen wollten und jeder kleine Adlige auf eigene Rechnung Krieg fĂŒhrte, hier ein besonderes Beispiel fĂŒr den Niedergang des Rittertums.

Im Jahre 1353 ist ein engellĂ€ndischer Herzog mit vielem Kriegsvolk durch Westphalen gezogen und des Vorhabens gewesen, nach Preußen zu ziehen und gegen die UnglĂ€ubigen zu streiten, als er aber vierhundert tapfere Kriegsleute mit einem großen Schatz vor sich hergeschickt, sind die Selbigen durch etliche westphĂ€lische StraßenrĂ€uber, nĂ€mlich Johann von Pattberg, Hunold von Plettenberg und dem Grafen von Rettberg (Rietberg) mit ihrem Anhang in den Heiden bei Lippspringe erschlagen, gefangen und beraubt worden...

Das Zeitalter des Rittertums war unwiederbringlich vorbei, das Mittelalter neigte sich seinem Ende zu. ‱
Die vielleicht bekannteste Darstellung der Infektionskrankheit Pest als »Schwarzer Tod« stammt von dem Schweizer Maler Arnold Böcklin (1827-1901): »Die Pest« (1898).
Foto/Urheber: Arnold Böcklin

... veröffentlicht im Heft 156, Seiten 10 u. 11, FrĂŒhjahr 2019

ense-press by haase-druck
Peter Haase
Rauschenberg 82
59469 Ense-Bremen
Tel.: +49 2938 573
E-Mail: info@ense-press.de

ense-press-PDF zum BlÀttern
aufs Titelblatt klicken:

Die aktuelle Ausgabe, Heft 156,
FrĂŒhjahr 2019

25.05.2019
Die Pest im Mittelalter
Kaspar von FĂŒrstenberg (1545-1618)
1368 Grafschaft Arnsberg verkauft
Tod des Königssohns Thankmar 938
Prager Fenstersturz 23. Mai 1618
Hermann V. von Wied und sein RĂŒcktritt im Jahr 1547
Johannes Christoph von Böckenförde, gnt. Schüngel
1217 Drüggelte | Ein Kreuzzug beginnt
Bernhard Frick, Weihbischof
Dietrich von Fürstenberg
1246 Gründung Kloster Himmelpforten
1816 | Die Haar wird preußisch
Die Schlacht bei Bremen 1586
Kölner Erzbischof Engelbert von Berg † 07.11.1225
Wallfahrten
Gründung des Klosters Scheda
Adolf von Hatzfeld
Vorstenburg auf Richters Köpfchen über dem Ruhrtal
Die Not in der Zivilbevölkerung im 1. Weltkrieg 1914/18
Soester Fehde, Teil 2/2
Soester Fehde, Teil 1/2
Freiwillige Arnsberger Jäger-Kompanie als leichte Infanterie 1814 gegen Napoleon
1813 - Kosaken auf der Haar
Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 2 von 2
Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 1 von 2
Telegraphenlinie via Echtrop - Höingen
Napoleons Russland-Feldzug, Teil 2, der Rückzug
Napoleons Russland-Feldzug, Teil 1, Vormarsch u. Eroberungen
Kalenderreform 1582
Ernst von Bayeren stirbt am 17. Februar 1612 in Arnsberg
Goldfeuer bei Günne
1586 die Schlacht bei Bremen
Kaspar Schwarze, gnt. Betkaspar
Von Hexen und Ketzern
Wiedenbergkapelle
Niederenser Feldkreuz
100 Jahre Schützenhalle Bremen
Pängel Anton und Deutsches Wirtschaftswunder in Ense
Heimatgeschichte-Archiv
Alte Gewichte, Maße und Münzen
Delecke: 75 Jahre Bismarckturm
Kutsche 1948 in Niederense verunglückt
Ehemaliges Totenläuten vom Niederenser Spritzenhaus
St. Anna-Kapelle
Haus Soerries-Schulte 200 Jahre alt
Farmhouse Soerries-Schulte 200 years
25 jähr. Partnerschaften mit Ense
Klosteranl. Himmelpforten bis 1943
Ense im Mittelalter
Haarstrang 390 Mio. Jahre
Hellmichs 167 Jahre Küster
Gut Oevinghausen Teil 2
Gut Oevinghausen Teil 1
B.Soerries 1883 emigriert
B.Soerries emigrates 1883
Forsthaus Himmelpforten
Tante Emma Laden
Bericht aus 1813
Bauernhaus an der Haar
Badehaus Fürstenberg
Drüggelter Kapelle
90 Jahre Möhnetalsperre
Rittergut Oevinghausen
Kunst St. Bernhardus
Kapellchen Hünningen
Lambertus Reliquie
Kunstwerke St. Bernhard Kirche
Speichergebäude Günne
Heiligenhäuschen Gröchte
"Zum Redde" - Bremen
Vorstenburg, Ense
Emmausgang 1939
Korndiemen an der Haar
Mähdrescher und mehr ...
Berühmte Pfarrer Bremen
Schlacht bei Bremen
Prozessionen Bremen
Kapelle Fürstenberg
Kurfürstl. Kolonen 1, Günne
Kurfürstl. Kolonen 2, Günne
Kommunale Wappen
Lambertus-Skulptur, Ense
Enser Schulwesen 1
Enser Schulwesen 2
Enser Schulwesen 3
The Ruhr Dams Raid
Söbbelers Kreuz
Kloster Himmelpforten (1)
Kloster Himmelpforten (2)
Kloster Himmelpforten (3)
Kloster Himmelpforten (4)
Kloster Himmelpforten (5)
Kloster Himmelpforten (6)
Aktuelle News ense-press >>

CMS by KLEMANNdesign.biz