... Impressum + Datenschutz
Ense Press - zwischen Ruhr und Möhnesee ... an der Haar ... verteilt
... Aktuelle Ausgabe
... Datenschutzerklärung
... Newsmeldungen
... Deadline Annoncen und ... > > Erscheinungstermine
... Preisliste u. Bestellschein
... Kontakt, Impressum
... Heimatgeschichte
... Künstler
... Vereine
... Regionale Wirtschaft
... Medizinische Notdienste
... haase-druck
... Impressum + Datenschutz
... Heimatverein Ense-Bremen
... Heimatverein Möhnesee
... Reisef√ľhrer-M√∂hnesee
ense-press - ... zwischen Ruhr und Möhne ... an der Haar notiert ...

Ein Zeitgenosse schreibt 1349 |
Von der Pestepidemie und den Geißlern
... von Dr. Bernd Kirschbaum, Ense







Aus Westfalen gibt es nur knappe zeitgenössische Berichte, aber Tilemann Elhen von Wolfhagen
(* ?; ‚Ć nach 1402) aus Limburg an der Lahn hat die Pestepidemien selbst erlebt. Sein Bericht liest sich auch heute noch nicht ohne Ersch√ľtterung:
 
(14.) Im Jahre 1349 kam ein gro√ües Sterben √ľber die deutschen Lande, das sogenannte erste gro√üe Sterben. Und die Leute starben an den Dr√ľsen, und wer davon ergriffen wurde, der starb gew√∂hnlich am dritten Tage. Und starben die Leute in den St√§dten zu Mainz, K√∂ln usw. meist t√§glich zu mehr denn hundert oder im Verh√§ltnis, und in den kleinen St√§dten wie Limburg starben t√§glich zwanzig oder vierundzwanzig oder auch drei√üig, je nach dem. Das dauerte in einigen St√§dten oder auch L√§ndern l√§nger als drei Vierteljahre oder auch ein ganzes Jahr. Zu Limburg starben im Ganzen mehr denn 2400 Menschen, abgesehen von den Kindern.

(15.) Als nun das Volk den gro√üen Jammer von Sterbenden sah, der auf Erden war, da √ľberkam die Leute meist eine gro√üe Reue √ľber ihre S√ľnden, und sie suchten Vergebung daf√ľr zu erlangen. Sie verfuhren dabei aber nach ihrem eigenen Willen und holten sich nicht beim Papst und bei der heiligen Kirche Hilfe und Rat. (‚Ķ) Und die M√§nner traten in den St√§dten und auf dem Lande in Scharen zusammen und zogen mit Gei√üeln zu hundert, zweihundert, dreihundert oder in √§hnlicher St√§rke umher. (‚Ķ) Jeder Trupp zog drei√üig Tage mit Gei√üeln von einer Stadt zur andern und f√ľhrte Kreuze und Fahnen wie in der Kirche mit sich, ebenso Kerzen und Fackeln. Und wenn sie in eine Stadt kamen, da gingen sie in einer Prozession, zwei und zwei miteinander, bis in die Kirche. Sie hatten H√ľte auf, die vorne mit roten Kreuzen versehen waren, und ein jeder f√ľhrte seine Gei√üel mit sich und lie√ü sie vor seinem Leibe herunter hangen und sie sangen ihre Ges√§nge:

‚ÄöIst diese Wallfahrt doch so hehr!
Christus wallfahrte selber zu Jerusalem
Und f√ľhrte ein Kreuz in seiner Hand.
Es helfe uns der Heiland!’


Sie machten sich selber zu Schalken und B√∂sewichtern. Einer, den man in seinem Gebaren und in seinem Verkehr f√ľr einen ehrbaren, biederen Mann gehalten hatte, der machte sich nun selbst zum Schalk und dachte nicht mehr auf Erden an Ehre und Wohlergehen. Und so oft sie in eine Kirche kamen, so machten sie diese zu und legten ihre Kleider ab bis auf die Unterkleider. Von den Lenden ab bis auf die Fu√ükn√∂chel trugen sie leinene Kleider. Sie zogen um den Kirchhof, zwei und zwei zusammen, wie man in einer Prozession um die Kirche zu gehen pflegt und sangen. Jeder schlug sich selbst mit seiner Gei√üel und fuhr sich damit beiderseits √ľber die Achsel, so dass das Blut √ľber die Fu√ükn√∂chel herunterfloss. Sie trugen sich Kreuze, Kerzen und Fahnen voran und ihr Gesang war, wenn sie umzogen, folgender:
‚ÄöTretet herzu, wer b√ľ√üen w√∂lle,
So fliehen wir die heiße Hölle,
Luzifer ist ein böser Geselle,
Wen der hat,
Mit Pech er ihn labt.’

Das ging noch weiter, und der Gesang endete:
‚ÄöJesus ward gelabt mit Gallen,
Drum wir am Kreuze niederfallen.’


Dann knieten sie alle nieder und schlugen sich kreuzweis mit ausgereckten Armen und H√§nden auf die Erde und legten sich hin. Und sie hatten unter sich etwas sehr Dummes und Verderbliches ausgemacht, von dem sie sich allerdings einbildeten, dass es gut w√§re. N√§mlich, wenn sie niedergefallen waren, so legte sich, wer ein Ehebrecher unter ihnen war, auf die Seite, damit man s√§he, dass er ein Ehebrecher w√§re, und wer einen Mord begangen hatte, sei es heimlich oder √∂ffentlich, der wendete sich um und legte sich auf den R√ľcken, und wer meineidig war, der streckte zwei Finger neben dem Daumen in die H√∂he, damit man s√§he, dass er ein meineidiger Schalk sei, und so fort. (‚Ķ) Und mancher von ihnen ward get√∂tet und geh√§ngt in Westfalen und anderswo oder er wurde des Landes verwiesen von demselben Rate, in dem er gesessen hatte, wie es nicht anders sein konnte in Westfalen und anderswo. Und wenn diese Gei√üelbr√ľder die Stadt verlie√üen und Bu√üe getan hatten, so zogen sie mit ihren Kreuzen, Fahnen und Kerzen in Prozession aus und lie√üen sich ihre Ges√§nge vorsingen und sangen sie nach. Der Gesang aber lautete also:
‚ÄöOh Herr und Vater Jesu Christ,
Da du allein der Herre bist,
Der uns die S√ľnden kann vergeben,
Bewahre uns zum bessern Leben,
Dass wir beweinen deinen Tod!
Wir klagen, Herr, dir unsre Not.’

Das ging noch weiter. Auch sangen sie einen anderen Sang, dessen Text folgender war:
‚ÄöEs erging sich Unsre Fraue,
- Kyrieleison -
Des Morgens in dem Taue
Halleluja, gelobet sei Maria!
Da begegnete ihr ein Junge,
- Kyrieleison -
Dem war der Bart entsprungen,
Halleluja, gelobet sei Maria!’

 
Gei√üler in der ¬ĽKonstanzer Weltchronik¬ę (15. Jahrhundert)
 
St. Rochus von Montpellier, Schutzpatron der Pestkranken
 
Diese Ges√§nge wurden alle gemacht und gedichtet w√§hrend der Gei√ülerfahrt und keiner davon war vorher geh√∂rt worden. Auch beobachteten die Gei√üler die Praxis, dass sie sich w√§hrend der Gei√ülerfahrt mit keinem Weibe abgaben. (‚Ķ) Und wenn sich die Gei√üler so niedergeworfen hatten, so blieben sie so lange liegen, bis man ungef√§hr f√ľnf Vaterunser beten kann. Dann kamen zwei, die sie zu Meistern erw√§hlt hatten, und versetzten einem Jeden einen Gei√üelhieb und sagten: ‚ÄöSteh auf, das dir Gott all deine S√ľnden vergebe.‚Äô Dann richteten sie sich auf ihre Knie. Die Meister und die S√§nger aber sangen ihnen vor:
‚Jetzt strecket aufwärts eure Hände,
Dass Gott das große Sterben wende;
Jetzt strecket aufwärts eure Arme,
Dass Gott sich unserer erbarme.’

Und dann streckten sie kreuzweis ihre Arme alle aufwärts, und alle schlugen sich vor ihre Brust drei oder vier Schläge und begannen zu singen:
‚ÄöNun schlaget euch sehr
Christus zur Ehr!
Gott zulieb macht euch von Hoffart frei,
Dass Gottes Erbarmen mit uns sei.’

Dann standen sie wieder auf, gingen umher und schlugen sich mit den Gei√üeln, so dass man Jammer an ihrem Leibe sah. Wenn das vor√ľber war, dann machten sich die ehrbaren Leute an sie heran und luden die Gei√üler in ihr Haus, einer vier oder f√ľnf, der andere sechs oder sieben, und taten ihnen g√ľtlich √ľber Nacht. Am folgenden Morgen zogen die Gei√üler wieder fort mit ihren Kreuzen in eine andere Stadt. (...)


Die massenweise umherziehenden Geißler trugen also sehr wahrscheinlich auch noch zur weiteren Verbreitung der Pest bei, aber das Volk fand andere vermeintlich Schuldige:
(18.) In diesem Jubil√§umsjahr (1350) wurden, als das Sterben aufh√∂rte, allgemein die Juden in deutschen Landen erschlagen und verbrannt. Das taten die F√ľrsten, Grafen, Herren und St√§dte, ausgenommen der Herzog von √Ėsterreich, der seine Juden besch√ľtzte. Man beschuldigte die Juden, dass sie die Christen vergiftet h√§tten, weil diese in so gro√üer Zahl gestorben waren. (...)

Auch Gert van der Schuren berichtet davon:
‚Äě ...Und man sagte, dass die Juden diese Pest gemacht h√§tten und zwar mit Gift, mit dem sie die Brunnen vergiftet h√§tten, und viele Juden wurden deshalb verjagt, get√∂tet und verbrannt, und die Herren der L√§nder bekamen gro√ües Gut von den Juden; und dies geschah in dem Jahr unseres Herren 1350, in dem Goldenen Jahr.‚Äú

Ebenso berichtete Levold von Northof:
‚ÄěBei dieser Gelegenheit wurden damals alle Juden in K√∂ln umgebracht. Auch der Graf von der Mark soll da viel Geld aus dem Besitz der Juden in Dortmund und viel anderen Orten bekommen haben, doch wie man meint, ist nicht alles in seine H√§nde gelangt.‚Äú

Das war nat√ľrlich Unsinn, aber es wurde geglaubt, selbst der Kaiser Karl IV., unter dessen besonderem Schutz die Juden stehen sollten, sei darin verwickelt. Man konnte sich die rasche Verbreitung der Pest nicht erkl√§ren, denn nach der vorherrschenden damaligen Mediziner-Meinung war eine Ansteckung von Mensch zu Mensch kaum m√∂glich, also war es der Einfluss der Gestirne oder die Strafe eines z√ľrnenden Gottes.

Einige wandten sich den Heiligen zu, insbesondere dem Heiligen Sebastian oder auch dem Heiligen Rochus. Die vielen Rochuskapellen im Umkreis sind auf die Verehrung dieses Heiligen zur√ľckzuf√ľhren, der als Patron auch gegen die Pest angesehen wurde und wird. Rochus (von Montpellier; * um 1295; ‚Ć16.8.1327) ist nicht kanonisiert, aber einer der 14 Nothelfer. Er soll auf seiner Pilgerfahrt nach Rom vielen Pestkranken geholfen haben. Er gilt deshalb als Schutzpatron der Krankenh√§user, der Pestkranken oder von anderen Seuchen Befallener, vor allem mit Symptomen an Haut und Beinen. Gedenktag ist der 16. August. Die Rochuskapelle in Oberense wurde allerdings zwischen 1727 und 1729 nach einem Ausbruch der Roten Ruhr errichtet.

Als eine Ma√ünahme zur Abwehr von ansteckenden Krankheiten beschloss im Juli 1377 die Stadtrepublik Ragusa (Dubrovnik) an der Adria, dass alle ankommenden Kaufleute und Reisenden zun√§chst 30, dann sp√§ter 40 Tage (quaranta: ital. f√ľr vierzig) lang isoliert sich in Lazareti, einem Vorort, aufhalten m√ľssen. Davon leitet sich unser Begriff Quarant√§ne ab. Im alten kaiserlich-k√∂niglichen √Ėsterreich benutzte man den Begriff Kontumaz, die letzte dieser Einrichtungen gegen die Epidemie wurde auf der √∂sterreichisch-ungarischen Donau-Insel Ostrova / Ostrovo (auch Temesziget) im √§u√üersten S√ľdosten des Reiches in den Jahren 1814/15 eingerichtet, als am s√ľdlichen Ufer im damaligen noch t√ľrkischen Serbien 1812 die Pest ausbrach.

Die Pest ist auch heute noch nicht ausgerottet, immer wieder tritt sie in Asien, Afrika (Madagaskar 2017), aber auch in den USA auf, aktuell sind Meldungen aus der Mongolei. ‚ÄĘ
Der Schwarze Tod ‚Äď Pestkrankes Ehepaar


... veröffentlicht in der Sommerausgabe 2019, Seiten 10 und 11, Heft-Nr. 157.
ense-press by haase-druck
Peter Haase
Rauschenberg 82
59469 Ense-Bremen
Tel.: +49 2938 573
E-Mail: info@ense-press.de

ense-press-PDF zum Blättern
aufs Titelblatt klicken:

Die aktuelle Ausgabe, Heft 157,
Sommer 2019

23.09.2019
7.000 Jahre alte Siedlungsspuren in Ense
Pestepedemie und die Geißler
Die Pest im Mittelalter
Kaspar von F√ľrstenberg (1545-1618)
1368 Grafschaft Arnsberg verkauft
Tod des Königssohns Thankmar 938
Prager Fenstersturz 23. Mai 1618
Hermann V. von Wied und sein R√ľcktritt im Jahr 1547
Johannes Christoph von Böckenförde, gnt. Schüngel
1217 Drüggelte | Ein Kreuzzug beginnt
Bernhard Frick, Weihbischof
Dietrich von Fürstenberg
1246 Gründung Kloster Himmelpforten
1816 | Die Haar wird preußisch
Die Schlacht bei Bremen 1586
Kölner Erzbischof Engelbert von Berg ‚Ć 07.11.1225
Wallfahrten
Gründung des Klosters Scheda
Adolf von Hatzfeld
Vorstenburg auf Richters Köpfchen über dem Ruhrtal
Die Not in der Zivilbevölkerung im 1. Weltkrieg 1914/18
Soester Fehde, Teil 2/2
Soester Fehde, Teil 1/2
Freiwillige Arnsberger Jäger-Kompanie als leichte Infanterie 1814 gegen Napoleon
1813 - Kosaken auf der Haar
Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 2 von 2
Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 1 von 2
Telegraphenlinie via Echtrop - Höingen
Napoleons Russland-Feldzug, Teil 2, der Rückzug
Napoleons Russland-Feldzug, Teil 1, Vormarsch u. Eroberungen
Kalenderreform 1582
Ernst von Bayeren stirbt am 17. Februar 1612 in Arnsberg
Goldfeuer bei Günne
1586 die Schlacht bei Bremen
Kaspar Schwarze, gnt. Betkaspar
Von Hexen und Ketzern
Wiedenbergkapelle
Niederenser Feldkreuz
100 Jahre Schützenhalle Bremen
Pängel Anton und Deutsches Wirtschaftswunder in Ense
Heimatgeschichte-Archiv
Alte Gewichte, Maße und Münzen
Delecke: 75 Jahre Bismarckturm
Kutsche 1948 in Niederense verunglückt
Ehemaliges Totenläuten vom Niederenser Spritzenhaus
St. Anna-Kapelle
Haus Soerries-Schulte 200 Jahre alt
Farmhouse Soerries-Schulte 200 years
25 jähr. Partnerschaften mit Ense
Klosteranl. Himmelpforten bis 1943
Ense im Mittelalter
Haarstrang 390 Mio. Jahre
Hellmichs 167 Jahre Küster
Gut Oevinghausen Teil 2
Gut Oevinghausen Teil 1
B.Soerries 1883 emigriert
B.Soerries emigrates 1883
Forsthaus Himmelpforten
Tante Emma Laden
Bericht aus 1813
Bauernhaus an der Haar
Badehaus Fürstenberg
Drüggelter Kapelle
90 Jahre Möhnetalsperre
Rittergut Oevinghausen
Kunst St. Bernhardus
Kapellchen Hünningen
Lambertus Reliquie
Kunstwerke St. Bernhard Kirche
Speichergebäude Günne
Heiligenhäuschen Gröchte
"Zum Redde" - Bremen
Vorstenburg, Ense
Emmausgang 1939
Korndiemen an der Haar
Mähdrescher und mehr ...
Berühmte Pfarrer Bremen
Schlacht bei Bremen
Prozessionen Bremen
Kapelle Fürstenberg
Kurfürstl. Kolonen 1, Günne
Kurfürstl. Kolonen 2, Günne
Kommunale Wappen
Lambertus-Skulptur, Ense
Enser Schulwesen 1
Enser Schulwesen 2
Enser Schulwesen 3
The Ruhr Dams Raid
Söbbelers Kreuz
Kloster Himmelpforten (1)
Kloster Himmelpforten (2)
Kloster Himmelpforten (3)
Kloster Himmelpforten (4)
Kloster Himmelpforten (5)
Kloster Himmelpforten (6)
Aktuelle News ense-press >>

CMS by KLEMANNdesign.biz