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Zeitzeugnis |
Mysteriöser Flugzeugabsturz
am 10. Okt. 1938 in Günne


Eine Passagiermaschine der belgischen Luftfahrtgesellschaft Sabena, Kennzeichen: 00-AGT, stürzte vor 81 Jahren in der Mittagszeit von Düsseldorf kommend mit 16 Passagieren und vier Besatzungsmitgliedern nur 350 Meter westlich vom Dorf Günne unterhalb des Haarstrangs am alten Feldscheunenweg ab. Alle Insassen kamen ums Leben. Ein Gedenkstein erinnert noch heute an das Unglück und an die Leistung des Flug-Kapitäns, der einen Absturz in die Wohnbebauung von Günne noch in letzter Minute vermeiden konnte.



Der damalige »Langstreckenflieger« der belgischen Sabena-Airlines vom Typ Savoia Marchetti S.73P, Kennung 00-AGT, startete mit einigen Passagieren am 10. Oktober 1938 morgens in Brüssel in Richtung Berlin mit einer Zwischenlandung in Düsseldorf, wo weitere Fluggäste an Bord kamen. Auf dem Weiterflug passierte das Absturzunglück nach 13:00 Uhr westlich von Günne auf einem Feldstück am alten Feldscheunenweg unterhalb des Haarstrangs.

Vier Besatzungsmitglieder (Kapitän Joseph Vanden Eynde, Co-Pilot André Edmond Moulin, Funker Jozef Baus, Mechaniker Charles Deleusse) und 16 Passagiere starben laut den Todesurkunden des Günner Standesbeamten um 13:16 Uhr. Am Aufschlagort lag das Flugzeug mit seinem Bug in Richtung Düsseldorf, also entgegengesetzt seiner Flugrichtung nach Berlin.

Nach Günner Zeitzeugenberichten hörte man zum Zeitpunkt des Unglücks auch Motorengeräusche eines anderen tieffliegenden Flugzeug. Kurz darauf hätten einige Einwohner beobachtet, wie die Passagiermaschine unterhalb der dichten Wolkendecke in 250 Metern Höhe bereits im Sinkflug in westlicher Richtung über Friedhof und den Wohnhäusern des Dorfes in Richtung freier Flur flog. Kurz darauf sei der Flieger auf dem Acker unterhalb des alten Feldscheunenwegs zerschellt. Noch in der Luft, so die Augenzeugen, verlor das Flugzeug Trümmerteile, Papiere und kurz vor dem Aufschlag sogar noch den rechten Motor mitsamt einem halben Tragflügel. Von der Unfallstelle in Richtung des Dorfes wurden auf Friedhof, Wiesen, Wegen und Straßen später zahlreiche Holzbruchstücke und etliche Urkunden geborgen. Den abgebrochenen Motor fand man später in einem kleinen Waldstück unweit der Absturzstelle.

Der Unfallort und das gesamte Möhnedorf, so Zeitzeugen, seien bereits wenige Minuten später von Luftwaffensoldaten des Flugplatzes Werl und von Polizeikräften abgeriegelt worden. Tags drauf kamen deutsche wie auch belgische Fachleute zur Ursachenforschung und Beweissicherung an den Unglücksort.
Die Erkenntnisse der deutschen Spezialisten zum Unfallhergang sind damals nicht öffentlich gemacht worden. Ihre Unfallberichte blieben, seltsamerweise auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis heute verschollen. Doch aus Belgien haben Günner Heimatforscher kürzlich Berichte von 1938 einsehen können. Danach hatte der Flugzeugkapitän Joseph Vanden Eynde noch vier Minuten vor dem Absturz Kontakt mit der Flugsicherung in Düsseldorf. Zitat: Gegen 13:12 Uhr hat der Flughafen Düsseldorf die Besatzung der Maschine 00-AGT informiert, dass ein anders Flugzeug ebenfalls in der Haar-Region, in der sie sich gerade befanden, umherfliege und dass es sich in einer Höhe von 1.200 Metern befände. Der Pilot des Fliegers 00-AGT quittierte den Empfangen und gab an, dass die eigene Flughöhe sichere 1.500 Meter betrage. Die Besatzung der Unglücksmaschine hatte wohl nichts von der Anwesenheit eines anderen Flugzeugs bemerkt.


 
Aufgrund der bisher bekannten Unterlagen und Berichte gibt es heute drei Theorien für den Flugzeugabsturz:

1.) Der Pilot der Passagiermaschine könnte versucht haben eine Gewitterzone zu unterfliegen. Dabei sei das Flugzeug durch den Steilflug nach unten überlastet gewesen und zerbrochen. Dazu stellte der belgische Bericht jedoch fest, dass es sich bei dem dreimotorigen Flieger um eine äußerst robuste Maschine gehandelt hätte, und es seien auch vom selben Flugzeugtyp bis dato keine vergleichbaren Absturzfälle bekannt.

2.) Eine andere Möglichkeit kann der unmittelbare Kontakt mit einem deutschen Kampfflugzeug vom Horst Wessel Geschwader gewesen sein, das ab 1936 in Werl am Flugplatz stationiert war. Der Fliegerhorst hatte in der Nähe von Brüningsen ein Übungsgelände im Arnsberger Wald. Hier trainierten die Piloten das Schießen mit Bordkanonen auf Scheiben und den gezielten Abwurf von Bomben in Form von Beton-Attrappen.

Die Jagdflieger der Deutschen Luftwaffe starteten in Werl und flogen fast täglich über den Haarstrang zum Übungsgelände bei Brüningsen. Das Motorendröhnen der Kampfmaschinen war ergo den Einheimischen in Günne und Brüningsen bestens bekannt.

3.) Die dritte Möglichkeit ist ebenso dubios. Unter den Passagieren waren drei Personen des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall-Borsig AG aus Düsseldorf. Die Mitarbeiter nutzten gern den Linienflug der Sabena, wenn sie wichtige Besprechungstermine in Berlin hatten. Der Generaldirektor Friedrich Luther soll einen Aktenkoffer in der Unglücksmaschine mitgeführt haben, der jedoch späterhin in den Trümmern nicht auffindbar war. Was befand sich in diesem Koffer? Nach dem belgischen Bericht kann es eine Explosion an Bord gegeben haben. An den Kleidungsstücken der Besatzung habe man nämlich Reste von Sprengstoff gefunden.

Der Co-Pilot André Moulin ist im belgischen Ort »Ramecroix« bestattet worden. Sein Grab existiert noch heute. Auch die verunglückten 16 Passagieren haben ihre Gräber in ihren Heimatorten: zwei Entwicklungsingenieure mit ihrem Generaldirektor vom Rüstungskonzern Rheinmetall-Borsig AG aus Düsseldorf, ein Ehepaar aus Teltow bei Berlin mit seinen drei Kindern, ein Ehepaar aus Hamburg, ein Gastwirt aus Neuss, ein Oberschullehrer aus Marienburg sowie ein Kaufmann und ein Disponent aus Berlin, ein Redakteur aus Paris und ein Mann aus Rathen in Sachsen.

Über das Begräbnis von Friedrich Luther berichtete die Zeitschrift »Stahl und Eisen« am 24. November 1938 mit einem umfangreichen Nachruf.

Günner Heimatfreunde überlegen derzeit, ob man die bekannten Ergebnisse über das Unglück auf einer Hinweistafel am Ort des Geschehens darstellen sollte. Personen, die an einer Mitarbeit zu weiteren Nachforschungen interessiert sind, werden gebeten, sich beim Heimat-Journal »ense-press« oder bei dem Verfasser dieses Berichtes zu melden. •
... von Karl-Heinz Wilmes, Günne, Tel.: 02924 - 7229


Der Gedenkstein
 
Wenn man von der Günner Pfarrkirche St. Antonius dem Westfalen-Wanderweg (XW) zunächst über die Landstraße nach Norden in Richtung Hewingsen ca. 200 Meter bis auf halber Höhe folgt, erreicht der Spaziergänger zur Weiterführung des Fernwanderwegs einen nach links in Richtung Niederense abbiegenden neuen Wirtschaftsweg. Dieser führt jetzt oberhalb einer Pferdekoppel, ca. 40 bis 50 Meter vom alten Feldscheunenweg entfernt, mit Blick auf den Möhnesee durch die Natur. Nach etwa 300 Metern auf der neuen Wegetrasse sieht man links, jenseits der Einzäunung, eine Gruppe alter hoher Eichen und darunter ist die Rückseite des Gedenksteins im wildwuchernden Gestrüpp soeben noch erkennbar. Er ist im Jahr 1939 im Auftrag der Witwe Annemarie Luther, Düsseldorf, an der ehemaligen Absturzstelle aufgestellt und trägt neben dem Namen ihres Mannes »Friedrich Luther« auch die Namen seiner Mitarbeiter und hochrangigen Konstrukteure: Hans Fischer und Ernst Maurach. Die drei Verunglückten kamen von der Entwicklungsabteilung des Rüstungskonzerns Rheinmetall-Borsig AG und hatten vermutlich Besprechungstermine im Berliner Reichswehrministerium. •

Anmerkung der Redaktion:
Leider ist durch die neue Streckenführung jetzt der ehemalige Feldscheunenweg eine Sackgasse, wobei die Besichtigung des Gedenksteins möglich bleibt. Doch gilt: »Aus den Augen – aus dem Sinn!« Und so macht eine Hinweistafel an der neuen, viel begangenen Wanderstrecke (XW) »Vis à vis« der Flugzeugabsturzstelle Sinn, damit das Unglück vor 81 Jahren und zugleich die Leistung des 35-jährigen belgischen Piloten Vanden Eynde, nämlich noch größeres Unheil vom Dorf am 10. Oktober 1938 abgewendet zuhaben, in Erinnerung bleiben.•
Alois Franz

... veröffentlicht im Heft 158 / Winterausgabe 2019 /20, Seiten 22 und 23.
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Die aktuelle Ausgabe, Heft 158,
Winter 2019/20

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