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ense-press - ... zwischen Ruhr und Möhne ... an der Haar notiert ...

Vor 180 Jahren (Teil 1)
Die letzten Biber in Westdeutschland an Möhne und Ruhr
... von Dr. Bernd Kirschbaum
 



Die Biber nahmen in der mittelalterlichen »Tierkunde« eine Zwitterstellung zwischen kaltblĂŒtigen Fischen und warmblĂŒtigen SĂ€ugern ein. Der Biber sei ein Fisch deshalb, weil die Kelle, der Schwanz, eindeutig Schuppen aufweise, obwohl er andererseits Fell und FĂŒĂŸe habe.

Warum diese Unterscheidung, die uns heute unsinnig oder sehr kurios erscheinen mag? Die kirchlichen GebrĂ€uche waren die Ursache, denn es gab zwei große Fastenzeiten im Kirchenjahr. Die erste begann 40 Tage vor Weihnachten also nach dem 11. November, dem Martinstag, an dem man noch eine Gans essen durfte (Martinsgans), die zweite begann am Aschermittwoch und endete am GrĂŒndonnerstag.

In dieser Zeit war unter anderem der Verzehr von Fleisch nicht gestattet. Fisch war dagegen erlaubt. Durch allerhand Spitzfindigkeiten hatte man deshalb einige Tiere zu »Fischen« erklĂ€rt: den Biber, den Fischotter und sogar den Dachs. Auch GeflĂŒgel gehörte mehr oder weniger zu den Fischen, denn diese waren nach der Schöpfungsgeschichte am gleichen Tag wie die Fische erschaffen worden und nicht zusammen mit den SĂ€ugetieren. Der heilige Benedikt, der BegrĂŒnder des abendlĂ€ndischen Mönchstums, hatte den Verzehr von Fleisch verboten, aber fĂŒr Schwerkranke erlaubt, »... und wenn hoher Besuch kam ... und ... weitere Verbote erstreckten sich auch auf Alkohol, vor allem auf Wein, doch Bier war erlaubt, denn Bier galt als Wasser.« In einigen Klöstern vertrank jeder Mönch bis zu fĂŒnf Liter davon am Tag. Auch Starkbier als »Fastenbier« deklariert, hatte auf dem Transport von Deutschland nach Rom das Mindesthaltbarkeitsdatum so deutlich ĂŒberschritten, dass der Papst das mittlerweile abscheuliche Gesöff als FastengetrĂ€nk zuließ. Daher der Starkbieranstich nach Aschermittwoch.

Schokolade als GetrĂ€nk, man konnte anfangs keine Tafeln herstellen, war erlaubt, denn der Papst Pius V. (1566-1572), dem man zur Beurteilung des GetrĂ€nks 1569 ungezuckerten Kakao gereicht hatte, schĂŒttelte sich und erklĂ€rte das zur Fastenspeise. Liquida non frangunt ieiunum – FlĂŒssigkeiten brechen das Fasten nicht! Aber zurĂŒck zu den Bibern:

FrĂŒher waren in Westfalen Biber wohl weit verbreitet, denn in Menden z. B. heißt ein Nebenfluss der Hönne die »Bieber«, an der der 1152 erstmalig erwĂ€hnte »Bieberhof« liegt. Wann dort die Biber verschwunden sind, ist nicht bekannt.

An der Oelinghauser MĂŒhle hat man noch kurz nach 1800 die Reste einer Biberburg gefunden, so wird berichtet. An der Lippe, an der sie frĂŒher sehr zahlreich waren, hatte die Äbtissin des Stiftes Cappel (Lippstadt) ihre Ausrottung befohlen, weil der angerichtete Schaden zu groß war. Die Biberburg wurde zerstört und die letzten Biber an der Lippe erlegt. In der kurkölnischen Grafschaft Arnsberg aber gab es sie noch an der Möhne zwischen EinmĂŒndung der WĂ€ster bei Belecke und dem Ruhrknie bei Wickede.
Kurkölnische Zeit
Am 15. Dezember 1680 erneuerte der Landdrost Daniel Dietrich von Landsberg zu Erwitte das Verbot, Biber in der Möhne und Ruhr und den NebenbĂ€chen bei Geld- und Leibesstrafe zu fangen. Das ist der erste erhaltene, schriftliche Hinweis auf den Großnager hier in der Region.

Als 1800 der Oberförster in KurfĂŒrstlichen Diensten Calaminus zu Hirschberg berichten musste, dass sich auf die Ausschreibung zum Fischotter- und Biberfang niemand gemeldet hatte, wurde verfĂŒgt zu prĂŒfen, ob die Jagd nicht durch kurfĂŒrstliche Förster und JĂ€ger durchgefĂŒhrt werden könne. Calaminus erwiderte, die hĂ€tten keine Zeit dazu. So beauftragte man am 12. Januar 1801 Johann Trompeter zu Meschede mit der Aufgabe, der sich zu den Fangbedingungen in frĂŒherer Zeit Ă€ußerte. Die FĂ€nger hĂ€tten fĂŒr jeden Otter 1,- Gulden bekommen und in allen Klöstern freie Kost und Logis. Jeder PĂ€chter der kurfĂŒrstlichen Fischereien habe den Fang vorkommender Otter verlangen können. Den Lohn brauche er fĂŒr sich, seinen Gehilfen, und seine vier Hunde, die er zum Fang benötige. Aber im Herbst 1802 wurde das Herzogtum Westfalen von Hessen-DarmstĂ€dtischen Truppen besetzt.

Hessische Zeit
Nach einiger, nicht mehr erhaltener Korrespondenz rechnete am 7. Oktober 1804 der landgrĂ€fliche Forstmeister von Schwartzkoppen, in einem Schreiben von Obereimer nach Darmstadt den Fang eines jungen Bibers durch den »Forstmitaufseher« Clemens WĂŒnsch aus Delecke vom 22. Juli ab, der den Erhalt seines »Fanggelds« von 3,- »Cronthalern« am 6. September 1804 mit Dank quittierte. Der ausgestopfte Biber war eines der PrunkstĂŒcke der LandgrĂ€flichen Naturalien Kabinetts, wie der OberjĂ€germeister von Wildungen in seinem Jagdkalender spĂ€ter berichtet. Der hatte zum Zwecke der Beschreibung des Bibervorkommens einige Fragen an den landgrĂ€flichen Forstmeister von Schwartzkoppen in Obereimer gestellt, so antwortet er auf die Fragen:

1.) Wo und an welchem Wasser sich die Biber im Herzogtum Westphalen eigentlich aufhalten?

»An dem Fluss, die Möhne genannt, welcher unweit Brilon, einer Hauptstadt im Herzogtum Westphalen, entspringt und zwei Stunden unter Arnsberg bei dem StĂ€dtchen Neheim sich in die Ruhr ergießt. Bei den an diesem Flusse gelegenen Dörfern Allagen und Delecke ist ihr Aufenthalt. Bei letztem, bis ans Moosfeder Holz, eine Strecke von zwei Stunden, können wenigstens noch zwölf bis 15 StĂŒck, unter denen wenigstens noch sechs alte sind, sich befinden. – Ehemals waren auch sehr viele an der Lippe, welche aber alle aus der Ursache vertilgt sind, weil sie Holz und Wiesen verderben.«

2.) Werden sie einzeln oder in welcher Anzahl ungefÀhr angetroffen?

»Sie sind gewöhnlich hier zu Lande einzeln oder höchstens drei bis vier zusammen. Zu ehemaligen Zeiten traf man sie bei Welschenbeck an der Möhne unweit der Stadt Belecke zu sechs bis acht zusammen, wo sie an den Wiesen vielen SchĂ€den durch ihren Bau verursachten, der von Nagelsche JĂ€ger Schwarze zu Welschenbeck fing in einem Zeitraum von zwölf Jahren daselbst, fĂŒr 900,- Reichsthaler Biber, noch vor acht Jahren verkaufte derselbe fĂŒr 136,- Reichsthaler Bibergeil (ein Sekret) nach dem Allerheiligen Markt in Soest. Dermalen ist aber keiner mehr hier zu finden, indem eben dieser JĂ€ger solche ganz ausgerottet hat.«

3.) Wie viel wurden bis jetzt schon erlegt, oder gefangen, und wie groß und schwer waren die alten, so nach Darmstadt geschickt worden?

»Bei Lebzeiten des Försters Franz Holzapfel zu Völlinghausen, welcher vor ungefĂ€hr acht Jahren (1796) verstorben, sind auf der Möhne sechs bis sieben StĂŒck Biber teils geschossen teils gefangen. – Seit einigen Jahren sind nur ein alter und drei junge geschossen und gefangen; derweilen aber wurden solche gesucht. Die hier gefangenen oder geschossenen haben 40, 42, 80, bis 84 Pfund gewogen. Der voriges Jahr hier gefangene hatte 64 Pfund, und war keiner der stĂ€rksten.«

Im November 1804 verlangte die Regierung, man mĂŒsse sorgen, dass das landesherrliche Privileg des Biber- und Otterfangs nicht verloren gehe. Das deutet daraufhin, dass den Tieren wohl sehr stark nachgestellt wurde. So erklĂ€rte das Ober-Forst-Colleg zu Darmstadt am 24. November 1804, dass jeder Private, der einen Otter fange, mit 10,- Thalern Buße zu bestrafen sei, dagegen sollten die Förster die Tiere fangen und fĂŒr sich verwerten. FĂŒr die Forstbedienten wurde angeordnet, damit die seltene Tierart nicht vertilgt wĂŒrde, ein, höchstens zwei Biber pro Winter zu fangen und nach Darmstadt zu schicken, wofĂŒr ein Extrageld versprochen wurde.

Am 4. Mai 1805 beschwerte sich der Rentmeister der DomĂ€ne Kloster Oelinghausen AnthĂ©e, das Klostergut war noch nicht an die FĂŒrstenberger verkauft worden, dass sich »die Biber auf der Möhne bis in den MĂŒhlengraben zu Himmelpforten verbreitet haben und daselbst nicht nur die ... Anpflanzung von Weiden vernichten ..., sondern auch das Ufer so untergraben, dass bei Überschwemmungen ... VerwĂŒstungen am Wasserbau angerichtet werden.«

Der Förster Metzler zu Himmelpforten schrieb darauf am 2. Juli 1805, dass sich »auf der Höhe von Moosfelde ... bis nach Cörbecke nur zwei Paar« aufhielten. Deshalb hielt Schwartzkoppen am 14. Juli 1805 die Klage fĂŒr unbegrĂŒndet: » ... indem die Biber auch hier zu Lande schon mehr vertilgt seien, als es selbst der Landgraf wĂŒnschen könne.« Deshalb dĂŒrften »die zwei Paare Biber, welche sich noch an der Möhne aufhalten ... nicht weggeschossen werden ...«. AnthĂ©e beharrte auf seiner Position und schrieb, dass 1804 »in der Gegend von Delecke ein, und in der Gegend der Himmelpfortener MĂŒhlenschlacht sei auch ein junger Biber ... lebendig gefangen worden. Folglich mĂŒsste es mehr Biber geben, die die Pflanzungen beschĂ€digten, als die angegebenen.«

Clemens WĂŒnsch fing noch einen Biber, der allerdings auf einem Auge blind und auch noch anderweitig verletzt war. Man hatte ĂŒberlegt, ein Biber-Gehege im Bessunger Orangerie Garten (bei Darmstadt) anzulegen, und wie man das Tier lebendig dahin schaffen könnte. Die Zeichnungen fĂŒr das Gehege sind noch erhalten.

Allein das Interesse, des am 14. August 1806 um Großherzog von Napoleons Gnaden aufgestiegenen Landgrafen, an Bibern schien erloschen. So entschied man, den Biber dem Clemens WĂŒnsch in Delecke zur beliebigen Verwendung zu ĂŒberlassen.

Am 1. Juli 1816 ging das Herzogtum Westphalen in den Besitz der preußischen Krone ĂŒber. ‱
Anmerkung:

Bibergeil, das Sekret der drĂŒsenĂ€hnlichen Castorbeutel der Biber, war ein gesuchtes und teuer bezahltes Heilmittel. Es enthĂ€lt verschiedene Stoffe, die zur Gewinnung von Arzneimitteln genutzt wurden.

(Fortsetzung folgt)
... veröffentlicht im Heft 158 / Winterausgabe 2019 /20, Seiten 10 und 11.
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Die aktuelle Ausgabe, Heft 158,
Winter 2019/20

17.11.2019
Biber an Ruhr und Möhne vor 180 Jahren augerottet
GĂŒnner Heimatgeschichte 1938
7.000 Jahre alte Siedlungsspuren in Ense
Pestepedemie und die Geißler
Die Pest im Mittelalter
Kaspar von FĂŒrstenberg (1545-1618)
1368 Grafschaft Arnsberg verkauft
Tod des Königssohns Thankmar 938
Prager Fenstersturz 23. Mai 1618
Hermann V. von Wied und sein RĂŒcktritt im Jahr 1547
Johannes Christoph von Böckenförde, gnt. Schüngel
1217 Drüggelte | Ein Kreuzzug beginnt
Bernhard Frick, Weihbischof
Dietrich von Fürstenberg
1246 Gründung Kloster Himmelpforten
1816 | Die Haar wird preußisch
Die Schlacht bei Bremen 1586
Kölner Erzbischof Engelbert von Berg † 07.11.1225
Wallfahrten
Gründung des Klosters Scheda
Adolf von Hatzfeld
Vorstenburg auf Richters Köpfchen über dem Ruhrtal
Die Not in der Zivilbevölkerung im 1. Weltkrieg 1914/18
Soester Fehde, Teil 2/2
Soester Fehde, Teil 1/2
Freiwillige Arnsberger Jäger-Kompanie als leichte Infanterie 1814 gegen Napoleon
1813 - Kosaken auf der Haar
Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 2 von 2
Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 1 von 2
Telegraphenlinie via Echtrop - Höingen
Napoleons Russland-Feldzug, Teil 2, der Rückzug
Napoleons Russland-Feldzug, Teil 1, Vormarsch u. Eroberungen
Kalenderreform 1582
Ernst von Bayeren stirbt am 17. Februar 1612 in Arnsberg
Goldfeuer bei Günne
1586 die Schlacht bei Bremen
Kaspar Schwarze, gnt. Betkaspar
Von Hexen und Ketzern
Wiedenbergkapelle
Niederenser Feldkreuz
100 Jahre Schützenhalle Bremen
Pängel Anton und Deutsches Wirtschaftswunder in Ense
Heimatgeschichte-Archiv
Alte Gewichte, Maße und Münzen
Delecke: 75 Jahre Bismarckturm
Kutsche 1948 in Niederense verunglückt
Ehemaliges Totenläuten vom Niederenser Spritzenhaus
St. Anna-Kapelle
Haus Soerries-Schulte 200 Jahre alt
Farmhouse Soerries-Schulte 200 years
25 jähr. Partnerschaften mit Ense
Klosteranl. Himmelpforten bis 1943
Ense im Mittelalter
Haarstrang 390 Mio. Jahre
Hellmichs 167 Jahre Küster
Gut Oevinghausen Teil 2
Gut Oevinghausen Teil 1
B.Soerries 1883 emigriert
B.Soerries emigrates 1883
Forsthaus Himmelpforten
Tante Emma Laden
Bericht aus 1813
Bauernhaus an der Haar
Badehaus Fürstenberg
Drüggelter Kapelle
90 Jahre Möhnetalsperre
Rittergut Oevinghausen
Kunst St. Bernhardus
Kapellchen Hünningen
Lambertus Reliquie
Kunstwerke St. Bernhard Kirche
Speichergebäude Günne
Heiligenhäuschen Gröchte
"Zum Redde" - Bremen
Vorstenburg, Ense
Emmausgang 1939
Korndiemen an der Haar
Mähdrescher und mehr ...
Berühmte Pfarrer Bremen
Schlacht bei Bremen
Prozessionen Bremen
Kapelle Fürstenberg
Kurfürstl. Kolonen 1, Günne
Kurfürstl. Kolonen 2, Günne
Kommunale Wappen
Lambertus-Skulptur, Ense
Enser Schulwesen 1
Enser Schulwesen 2
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The Ruhr Dams Raid
Söbbelers Kreuz
Kloster Himmelpforten (1)
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