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ense-press - ... zwischen Ruhr und Möhne ... an der Haar notiert ...

Die Preußische Zeit (Teil 2)
Die letzten Biber in Westdeutschland an Möhne und Ruhr
... von Dr. Bernd Kirschbaum
Am 15. Juli 1816 endete die Herrschaft des Großherzogs von Hessen über das »Herzogthum Westphalen und die Grafschaft Arnsberg« und so ging auch der staatliche Besitz der Waldungen an den preußischen König über. Der Forstmeister von Schwartzkoppen blieb in seinem Amt in Obereimer. Auch die neue Regierung hatte ein Interesse an den Bibern.
Ein Biber für die neue Rheinische Friedrich – Wilhelms Universität in Bonn

Der Bevollmächtigte der neugegründeten Universität in Bonn Rehfues schrieb am 9. Dezember 1820 an die Königl. Regierung zu Arnsberg mit der Bitte, einige Biber erlegen zu lassen, um sie im naturhistorischen Museum in Poppelsdorf aufzustellen. Der Bitte wurde entsprochen und am 27. Juni 1821 schickte der Forstinspektor Harbert einen jungen Biber, den der Waldwärter Christian Metzler zu Himmelpforten am Abend zuvor gefangen hatte. Der Professor Goldfuss, Direktor des Königl. Museums, dankte für den Beitrag zur Sammlung. Die Regierung in Arnsberg erbot sich auch, noch einen alten Biber zu schicken. Am 24. Oktober 1822 wurde der von Förster Wünsch auf der Möhne gefangene alte Biber zur Regierung nach Arnsberg und von dort nach Bonn geschickt.

Biberessen im ehemaligen Badehaus in Lüttringen 1828

Am Ende der 1820er Jahre waren die Biber an Möhne und Ruhr noch nicht so selten. Der spätere Pfarrer von Hellefeld Friedrich Schnettler (*26. Juli 1845; †26. Juli 1912), Sohn des Försters Christian Schnettler aus (Arnsberg-) Bruchhausen, berichtete, der dortige Lehrer Eberhard Pieper, der aus dem sog. »Schiffhause«, dem längst spurlos verschwundenen Fährhaus an der Ruhr bei Haus Füchten unterhalb von Neheim, stammte, hat als Seminarist in Rüthen um 1828 bei Hochwasser einen Biber erlegt. Dieser wurde im »Badehaus«, wie das alte Forsthaus auf dem Fürstenberg damals hieß, zubereitet. Das Fleisch habe »süßlich und trocken geschmeckt, der fette Schwanz sei aber delikat« gewesen.

  Die Universität in Münster möchte auch einen Biber.

Aber nicht nur die Universität in Bonn wollte ein Biberpräparat haben, sondern auch das Museum in Münster, wie der Oberpräsident der Provinz v. Vincke am 24. Dezember 1830 schrieb. Dem Wunsche gemäß fingen zwischen Günne und Himmelpforten der Oberförster Schmidt zu Himmelpforten, der Förster Dedig und der Waldwärter Hüser ein Exemplar. Bei der Übersendung schreibt Schmidt, er habe »bestimmt gehofft, einen weit größeren von wenigstens 40 bis 50 Pfund zu fangen«, aber die Verfolgung der Biber sei so groß, dass »eine starke Vermehrung nicht Statt haben« könne. Später erklärt er, am Schwund des Bestandes seien vor allem Wilddiebe schuld, die mit Tellereisen ihnen nachstellten. Er selbst habe in den Jahren 1832/33 fünf solcher Eisen weggenommen.

Die preußische Regierung in Berlin drang wiederholt auf die Hege und Schonung der Biber, so 1828 und 1836. Die Regierung in Arnsberg aber wies darauf hin, dass diese Tiergattung hier in den nächsten Jahren zweifellos aussterben werde. Als Gründe werden genannt: die Kultivierung der Wiesengründe an den Flüssen und die Wilddieberei wegen der hohen Preise für Bibergeil und der Verwendung von Tellereisen. Zwischen Drüggelte und Neheim lebten noch etwa fünf bis sechs Biber. Als Maßnahmen werden empfohlen, die Strafe für das Wildern von 10 auf 20 Thaler zu erhöhen, da für das Bibergeil schon 15 bis 20 Thaler gezahlt würde. Außerdem wolle man jedem, der einen Wilddieb anzeige, eine Prämie von 10 Thaler auszahlen.

Der Gutsbesitzer Schulte-Himmelpforten beklagte sich von 1831 an immer wieder über Schäden, die von Bibern angerichtet worden waren, die selbst der Oberförster Schmidt zugeben musste. Am 23. November 1835 zeigte er an, dass ein Zugochse auf einer Wiese an der Möhne in einen Biberbau eingesunken sei. Ein Knabe, der Weidenruten geschnitten habe, hatte ihn nach acht Tagen gefunden. Zwar konnte der Ochse gerettet werden, aber sein Besitzer forderte Schadenersatz für die Beschädigungen an der Weide, ebenso 1844 für eine Kuh, die in einen Bau eingebrochen und dort verendet ist. Möglicherweise hat es sich da um einen bereits verlassenen Biberbau gehandelt.

1840 – Der »letzte Biber« in (Möhnesee-) Stockum an der Möhne.

Es heißt: Der Zimmermann Adam Schrage hat mit einer Zaunlatte am 13. Mai 1840 den »letzten Biber in Westfalen« bei Stockum an der Möhne erschlagen. Es scheint aber tatsächlich nicht der letzte gewesen zu sein. An der Stelle befindet sich ein am 17.6.1951 von der SGV-Abteilung Körbecke errichteter Gedenkstein mit der Inschrift: »Im Jahre 1840 / wurde hier im Talgrund der Möhne / der letzte Biber erschlagen.« Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich noch das im Augenblick offensichtlich ungenutzte Gebäude der ehemaligen Gastwirtschaft »Zum letzten Biber«. Dieser »letzte Biber«, ein Weibchen, wurde von dem Förster Schmitt zu Sorpe ausgestopft. Die Königl. Regierung zu Arnsberg schenkte das Präparat dem Gymnasium Laurentianum in Arnsberg für dessen naturkundliche Sammlung. Es war wohl nicht der letzte Biber.

1845 – Der Apotheker Peiffer aus Neheim kauft zwei erlegte Biber.

Nachdem großen Stadtbrand von 1807 bemühten sich einflussreiche Bürger von Neheim um die Ansiedlung eines Arztes und einer Apotheke in der Stadt. Das erschien zunächst wenig aussichtsreich, weil die Stadt als zu arm galt (»Biäddel Neihme« – Bettel Neheim), um eine ausreichende Basis für die Niederlassung eines Arztes bieten zu können, so der Bescheid der Königl. Regierung in Arnsberg. Aber Hartnäckigkeit führte auch hier zum Erfolg: Der Bürgermeister Rocholl bewegte Dr. Weber aus Olpe, sich in der neugebauten Stadt niederzulassen. Wo ein Arzt ist, braucht man auch einen Apotheker. Joseph Peiffer aus Attendorn eröffnete am 10. Dezember 1832 seine Apotheke an der Apothekerstraße dort, wo sich heute das Fachgeschäft für Bürobedarf »Heide« (heute: Neheimer Markt 13) befindet. Erst um 1890 wird die Apotheke an der Hauptstraße neu erbaut, sie hieß aber seit Mitte des 19. Jahrhunderts »Biber-Apotheke«. Lange Zeit befanden sich im Verkaufsraum auch zwei ausgestopfte Biber.

 
  1879 - Vikar Schnettler möchte Auskunft über die letzten Biber haben.

Dass es nicht der letzte Biber im Bereich von Möhne und Ruhr war, der in Stockum sein Leben ließ, vermutete auch Friedrich Schnettler. So schrieb 1879 der Förstersohn die ihm gut bekannten Försterfamilien an, um mehr über das Schicksal der letzten Biber zu erfahren. Er erhielt aber nur zögerliche Auskunft; diejenigen Bewohner, die möglicherweise etwas wussten, hüllten sich in Schweigen, sodass das Ende der Biber in Westfalen wohl teilweise im Dunklen bleiben wird. Dennoch kann man einiges aus seinen Nachforschungen entnehmen.

Der Sohn des Königl. Försters Meyer in Himmelpforten berichtete, dass Anfang der 1850er Jahre »in seinen ersten Knabenjahren in der Nähe von Niederense an der Möhne an einer Schlacht oder Verkrippung, nachdem Hochwasser mit Eisgang vorbeigewesen, ein seltenes Wassertier tot aufgefunden und von vielen Leuten neugierig besehen worden sei.« Das Tier sei ohne Zweifel ein Biber gewesen.

Der am 11. Februar 1889 hochbetagt verstorbene Gräfl. Fürstenbergische Oberförster Clemens Schwabe (»der alte Schwabe«) hatte noch Mitte der 1850er Jahre an einem Tag bei dem Hof Moosfelde (heute verschwunden) ein Biberpaar geschossen, das sich wegen des Hochwassers auf Kopfweiden geflüchtet hatte. Wie er dem mit ihm befreundeten Landwirt Schmidt in Herdringen erzählte, habe er mit dem Erlös aus dem Verkauf des Bibergeils die hohe Apotheken-Rechnung seiner kranken Frau bezahlt. Schnettler versuchte mehrfach, ihn dazu zu bewegen, Genaueres von den Bibern zu berichten, wurde aber mit »Dat gäiht Uch nix an!« abgefertigt. Schnettler führt den Untergang der Biber auf die große Geldknappheit in dieser Zeit zurück, sodass trotz des Verbots und drohender Strafe Förster die Tiere heimlich geschossen oder Wilddiebe sich ihrer bemächtigt hätten. Sein verstorbener Vater Christian und der Büchsenmacher Teutenberg in Hüsten vermuteten im Sohn des alten Oberförsters Schmidt zu Himmelpforten Carl Schmidt den eigentlichen Übeltäter. Der alte Oberförster lebte später an der Bruchhauser Straße in Hüsten, wo er auch gestorben ist.

Vikar Schnettler führt weiter aus, dass aus diesem Förstersohn Carl »nichts Rechtes« geworden sei, ohne genauer darauf einzugehen. Aber da er die Lebensweise, den Aufenthalt und die Fangmethoden kannte, war es für Carl ein Leichtes, durch den Fang der Tiere mit dem fast geräuschlosen Tellereisen durch den Verkauf des begehrten Bibergeils seinen ständig steigenden Taschengeldbedarf zu decken. Die Bibergeile verkaufte er, um den Nachforschungen und den Strafen zu entgehen, im benachbarten »Ausland«, so in den Apotheken in Kassel. Nach Aussagen des Büchsenmachers Teutenberg hat er so einmal mehr als hundert Thaler mit nach Hause gebracht. – An Möhne und Ruhr gibt es keine Biber mehr, an dem Fluss der Rur (Eifel) aber haben sie sich wieder angesiedelt. •

... veröffentlicht in der Frühjahrsausgabe, Heft 159, am 27. März 2020.
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Die aktuelle Ausgabe, Heft 159,
Frühjahr 2020

12.07.2020
Teil 2 – Biber an Ruhr und Möhne vor 180 Jahren augerottet
Biber an Ruhr und Möhne vor 180 Jahren augerottet
Günner Heimatgeschichte 1938
7.000 Jahre alte Siedlungsspuren in Ense
Pestepedemie und die Geißler
Die Pest im Mittelalter
Kaspar von Fürstenberg (1545-1618)
1368 Grafschaft Arnsberg verkauft
Tod des Königssohns Thankmar 938
Prager Fenstersturz 23. Mai 1618
Hermann V. von Wied und sein Rücktritt im Jahr 1547
Johannes Christoph von Böckenförde, gnt. Schüngel
1217 Drüggelte | Ein Kreuzzug beginnt
Bernhard Frick, Weihbischof
Dietrich von Fürstenberg
1246 Gründung Kloster Himmelpforten
1816 | Die Haar wird preußisch
Die Schlacht bei Bremen 1586
Kölner Erzbischof Engelbert von Berg † 07.11.1225
Wallfahrten
Gründung des Klosters Scheda
Adolf von Hatzfeld
Vorstenburg auf Richters Köpfchen über dem Ruhrtal
Die Not in der Zivilbevölkerung im 1. Weltkrieg 1914/18
Soester Fehde, Teil 2/2
Soester Fehde, Teil 1/2
Freiwillige Arnsberger Jäger-Kompanie als leichte Infanterie 1814 gegen Napoleon
1813 - Kosaken auf der Haar
Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 2 von 2
Kriegszeiten vor 430 Jahren und 380 Jahren in unserer Heimat, Teil 1 von 2
Telegraphenlinie via Echtrop - Höingen
Napoleons Russland-Feldzug, Teil 2, der Rückzug
Napoleons Russland-Feldzug, Teil 1, Vormarsch u. Eroberungen
Kalenderreform 1582
Ernst von Bayeren stirbt am 17. Februar 1612 in Arnsberg
Goldfeuer bei Günne
1586 die Schlacht bei Bremen
Kaspar Schwarze, gnt. Betkaspar
Von Hexen und Ketzern
Wiedenbergkapelle
Niederenser Feldkreuz
100 Jahre Schützenhalle Bremen
Pängel Anton und Deutsches Wirtschaftswunder in Ense
Heimatgeschichte-Archiv
Alte Gewichte, Maße und Münzen
Delecke: 75 Jahre Bismarckturm
Kutsche 1948 in Niederense verunglückt
Ehemaliges Totenläuten vom Niederenser Spritzenhaus
St. Anna-Kapelle
Haus Soerries-Schulte 200 Jahre alt
Farmhouse Soerries-Schulte 200 years
25 jähr. Partnerschaften mit Ense
Klosteranl. Himmelpforten bis 1943
Ense im Mittelalter
Haarstrang 390 Mio. Jahre
Hellmichs 167 Jahre Küster
Gut Oevinghausen Teil 2
Gut Oevinghausen Teil 1
B.Soerries 1883 emigriert
B.Soerries emigrates 1883
Forsthaus Himmelpforten
Tante Emma Laden
Bericht aus 1813
Bauernhaus an der Haar
Badehaus Fürstenberg
Drüggelter Kapelle
90 Jahre Möhnetalsperre
Rittergut Oevinghausen
Kunst St. Bernhardus
Kapellchen Hünningen
Lambertus Reliquie
Kunstwerke St. Bernhard Kirche
Speichergebäude Günne
Heiligenhäuschen Gröchte
"Zum Redde" - Bremen
Vorstenburg, Ense
Emmausgang 1939
Korndiemen an der Haar
Mähdrescher und mehr ...
Berühmte Pfarrer Bremen
Schlacht bei Bremen
Prozessionen Bremen
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The Ruhr Dams Raid
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