24.03.2022

Landtagswahlen in NRW 3

Freie Demokratische Partei · Mayela Hiltenkamp

Interview von Matthias Koprek

In Rubrik: Wirtschaft | Aus Magazin Nr: 166

5 min Lesezeit

Mit welchen drei Hashtags würden Sie sich selbst beschreiben?

#FamilyTimeIsQualityTime

#BildungIstKeineEinbahnstrasse #NichtLabernSondernMachen

Warum ist die FDP Ihre politische Heimat?

Keine andere Partei symbolisiert den Freiheitsgedanken für mich so sehr wie die FDP. Der spielt für mich eine große Rolle, genauso wie der tiefe Glaube an die eigene Kraft, für den die Partei steht.

Uns ist egal, wo jemand herkommt. Es zählt nur, wohin er möchte. Entgegen der öffentlichen Meinung gibt es bei uns keine Schranken für nicht-reiche Nicht-Akademiker, ganz im Gegenteil: Jeder ist willkommen und ist von Anfang an in der Lage auf vielen Ebenen mitzuarbeiten und zu lernen.

So bin ich zum Beispiel seit 2018 beteiligt am Landesfachausschuss Offene Gesellschaft in Düsseldorf und bringe hier meine Expertise ein.

Welche Ämter hatten Sie bisher inne?

Ich bin seit 2020 Partei- und Fraktionsvorsitzende der FDP Werl und Vorstand des Kreisverbandes. Außerdem bin ich Mitglied der Kreistagsfraktion, sitze im Stadtrat von Werl sowie im Soester Kreistag.

Das sind nicht wenige Ämter. Wie viel Zeit nimmt dieses Engagement in Anspruch?

Mit allem, was dazu gehört, komme ich bestimmt auf zehn Stunden in der Woche.

Was hat Sie die Zeit im Stadt- und Kreistag bisher gelehrt?

Dass man einen wirklich langen Atem braucht. Man kann aus ganz vielen verschiedenen Gründen nicht immer das umsetzen, was man sich vornimmt. Manche Dinge brauchen einfach Zeit, um zu reifen. Außerdem muss man jeden Tag über den eigenen Tellerrand hinausschauen und darf niemals die Scheuklappen anlegen.

Warum haben Sie sich dafür entschieden, für den Landtag zu kandidieren?

Ich wurde vom Kreisvorsitzenden und einigen Mitgliedern des Kreisverbandes gefragt, ob ich mir das vorstellen kann. Ein großer Vertrauensbeweis und eine Anerkennung für meine bisherige Arbeit. Sie haben gesehen, dass ich motiviert bin und für meine Sache brenne. Ich habe mir eine kurze Bedenkzeit erbeten und das mit meiner Familie besprochen. Ohne den Rückhalt meines Mannes und meines Sohnes mache ich tatsächlich gar nichts. Nach zwei Tagen habe ich zugesagt.

Warum trauen Sie sich das Amt zu?

Wenn man in meine Vita schaut, wird schnell klar, dass ich dem gewachsen bin. Ich bin sowohl in die politische Arbeit hineingewachsen, als auch an meinen Aufgaben gewachsen. Ich habe gezeigt, dass ich das kann und will. Ich komme aus meinem Wahlkreis und kann in Düsseldorf genau das vertreten, was sich die Menschen hier wünschen. Das hat auch mit Authentizität zu tun. Ich habe mein Leben lang gearbeitet und auch alles andere gemanagement. Deshalb weiß ich, dass ich eine ganze Menge schaffen kann.

Was waren Ihre bisher größten politischen Erfolge?

Ich glaube, seitdem ich mich in der Partei engagiere, zeigt die FDP immer deutlicher, dass wir Vielfalt schätzen. Egal ob sich das auf Herkunft, Alter oder berufliche Existenz bezieht. Ich habe bei uns in Werl die Frauenquote in der Partei enorm gesteigert. Auch die Politik braucht Role Models, die vorangehen und sagen: Das tut gar nicht weh! Mache mit! Da bin ich sehr stolz drauf. Wir haben einen der höchsten Frauenanteile im Kreis.

Und wir haben immer geschaut, was die Menschen wirklich brauchen. Während Corona haben wir es in Werl zum Beispiel geschafft, die Gastronomen von der Sonderabgabe zu befreien.

Welche Punkte stehen ganz oben auf Ihrer politischen Agenda?

Bildung steht für mich – auch als Mutter – ganz oben. Ich werde in Düsseldorf dafür kämpfen, dass die berufliche Bildung nicht erst in der achten Klasse, sondern schon in der fünften beginnt. Wir müssen junge Menschen früh darauf vorbereiten, was im Berufsleben auf sie zukommt. Ihnen aufzeigen, was es für berufliche Perspektiven gibt. Zeigen, dass auch Gymnasiasten eine erfolgreiche Ausbildung absolvieren können. Ein Meister ist genau so viel wert wie ein Master. Damit fördert man nicht nur das Potenzial der Jugendlichen, sondern kann auch dem Fachkräftemangel begegnen.

Die FDP redet viel von Digitalisierung. Was konnten Sie diesbezüglich bereits erreichen und was haben Sie noch vor?

In den letzten fünf Jahren ist schon viel passiert, mehr als in der Zeit davor. Aber gerade auf dem Land sehen wir, dass wir noch lange nicht fertig sind. Es geht aber nicht nur um Glasfaserausbau, sondern auch darum, Bürokratie abzubauen. Die Digitalisierung muss in den Rathäusern einziehen. Dort, wo die Menschen jeden Tag feststellen, wie hoch die bürokratischen Hürden sind.

Was war Ihr bisher bester Fehler?

2019 habe ich nach 20 Jahren meinen Arbeitsplatz verlassen, um einen anderen Job anzunehmen, den ich kurz danach wieder gekündigt habe. Dadurch habe ich gelernt, was ich an meinem langjährigen Arbeitgeber überhaupt hatte. Ich musste nachdenken, was ich eigentlich wirklich, wirklich will. Das hat dazu geführt, dass ich mich nach 20 Jahren in einer Sparte komplett neu erfunden habe. Nachdem ich eine Ausbildung gemacht habe, darf ich in der Bildung arbeiten und freue mich jeden Abend auf den nächsten Arbeitstag. Dafür musste ich durch ein kleines Tal, aber es hat sich gelohnt.

Warum sollten die Wählerinnen und Wähler Ihnen ihr Vertrauen schenken?

Weil ein Mandat mir die Möglichkeit gibt, mich noch mehr einzubringen und etwas zu bewegen.

Was fehlt Ihnen in der aktuellen Politik?

Die Ampelbildung hat genau das vorgemacht, was ich mir wünsche: respektvoller Umgang miteinander. Eine gute Idee ist eine gute Idee, da muss die Farbe auch mal egal sein. Wenn eine gute Idee im Raum steht, gilt es, sie anzuerkennen und zu unterstützen.

Wobei können Sie am besten entspannen?

Bei einer Fahrradtour mit meinem Mann und meinen Freunden.